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BERG SG: Selbstfahrender Bus statt Fusion

Im Projekt «Zukunft Berg 2030» arbeiten Bürgerinnen und Bürger an der Zukunft ihrer Gemeinde. Die Arbeitsgruppen präsentierten den ersten Zwischenstand.
Adrian Lemmenmeier
Die 850-Seelen-Gemeinde Berg wird in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich um 250 Einwohner wachsen. (Bild: Urs Bucher)

Die 850-Seelen-Gemeinde Berg wird in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich um 250 Einwohner wachsen. (Bild: Urs Bucher)

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

Gemeindepräsident Sandro Parissenti steht am Rednerpult am Rande des Basketballfelds. Neonröhren erhellen die Turnhalle des Primarschulhauses Brühl. Parissenti begrüsst zu dieser «Hauptprobe für die Bürgerversammlung», dann bittet er die erste Arbeitsgruppe nach vorne. Gut 60 Leute sind gekommen, um den Zwischenstand von «Zukunft Berg 2030» zu hören – einem Projekt, in dem Bürgerinnen und Bürger das Leben in der Gemeinde mitgestalten.

Fünf Themen werden an diesem Montagabend besprochen: Verkehr, Begegnung, Energie, eine Tauschbörse und ein Wohnprojekt für mehrere Generationen. Neben dem Rednerpult stehen Flipcharts, der Beamer wirft ein blaues Rechteck neben den Basketballkorb.

Zeit tauschen und Strom sparen

Den Anfang macht die Arbeitsgruppe Verkehr. Da sind zum einen die Wanderwege. Die Gruppe wünscht, dass sie – auch jene über die Wiesen – gut signalisiert werden. Zum anderen will man den öffentlichen Verkehr im Dorf stärken. Um einen besseren Anschluss an den Pendlerverkehr nach St. Gallen und Arbon zu erreichen, müsse man aber nicht zwingend neue Postautohaltestellen einrichten. Ein Shuttlebus könne auch genossenschaftlich betrieben werden. Auch die Idee eines selbstfahrenden Busses wird vorgebracht. Weil dazu aber ein 5-G-Netz auf der ganzen Strecke nötig wäre und weder die Swisscom noch Salt noch Sunrise plane, dass Netz bei Berg auszubauen, bleibt die Idee vorerst Zukunftsmusik.

Nicht ganz so visionär sind die Pläne der Gruppe Begegnung. Die Idee eines Quartiercafés habe man verworfen und sich nun darauf geeinigt, im Mai einen Frühlingsmarkt zu veranstalten – eine Begegnungsplattform für alle. Weitere Vorschläge nehme man gerne entgegen.

Die Arbeitsgruppe Tauschbörse präsentiert das Ergebnis einer Umfrage zu den Bedürfnissen an Freiwilligendiensten. Das Resultat: Viele der 27 Leute, die den Fragebogen retourniert haben, würden Unterstützung beim Einkaufen oder bei einem Arztbesuch in Anspruch nehmen. Aus dem Publikum kommt der Vorschlag, sich der Zeitbörse in St. Gallen anzuschliessen. Die Gruppe will ihn prüfen.

Die Arbeitsgruppe, die sich mit dem Wohnprojekt für mehrere Generationen befasst, hat bereits einen Partner gefunden: die Genossenschaft Mehrgenerationen Ost. Allerdings stelle diese für die Umsetzung eines Projektes, bei dem Jung, Alt, Paare und Singles im selben Haus wohnen, einige Bedingungen. Unter anderem müsse eine lokale Lebensmittelversorgung vorhanden sein. Da in der 850-Seelen-Gemeinde der Dorfladen fehlt, formuliert die Gruppe ihren Auftrag um: Ein Konzept erstellen, wie die Wohngemeinschaft versorgt werden könnte, in Zusammenarbeit mit den Hofläden der Gemeinde etwa.

Weit gereift ist ein Projekt der Arbeitsgruppe Energie: Wer in Berg am meisten Strom spart, soll in Zukunft ausgezeichnet werden. Zur Belohnung gibt es ­Einlagen in einen Fonds, der in erneuerbare Energien investiert - gesponsert von der Raiffeisenbank. Gemeindepräsident Parissenti bittet die Gruppe ausserdem, bis zur Bürgerversammlung 2019 ein Konzept zu erstellen, wie man das Gemeinde- und das Schulhaus mit Solarzellen ausrüsten und «als Kraftwerk» nutzen könne.

Neuzuzüger integrieren

Sandro Parissenti freut sich über das Engagement der Bürger. «Ich bin positiv überrascht», sagt er. Viele Projekte seien schon weit fortgeschritten. Die Idee sei nun, dass die Arbeitsgruppen die Projekte auch selbstständig zu Ende führten. «Natürlich hilft die Gemeinde bei organisatorischen Fragen.» Auch helfe sie beim einen oder anderen Projekt finanziell. «Ein Kraftwerk auf dem Schulhausdach kann aber auch rein genossenschaftlich betrieben werden», sagt Parissenti.

«Zukunft Berg 2030» solle ein Katalysator sein, um den Leuten Mut zu machen, selber zu gestalten, sagt Parissenti. «Auf der politischen Ebene sieht man nicht alle Probleme.» Auf das Thema Wanderwege etwa wäre der Gemeinderat nie von alleine gekommen, so Parissenti. In Zukunft wolle man auch Neuzuzüger für solche Projekte gewinnen. Denn mit den Überbauungen im Quartier Mattenhof und auf der Dorfwiese dürfte die Gemeinde in den nächsten fünf Jahren um gut 250 Einwohner wachsen.

Dieses Wachstum sei der Grund, weshalb der Gemeinderat weiterhin nicht mit einer anderen Gemeinde fusionieren wolle, wie Parissenti am Schluss der Veranstaltung erklärt.

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