Bereits sechs Personen innert fünf Tagen im Altersheim gestorben

RORSCHACH. Von Freitag bis gestern sind im städtischen Altersheim sechs Menschen verstorben. Dies weckt Erinnerungen an das Jahr 2005, als innert sechs Wochen 17 Todesfälle zu beklagen waren.

Rudolf Hirtl
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Trotz sechs Todesfällen innert fünf Tagen sind laut Einschätzung von Fachleuten im Altersheim Rorschach keine besonderen Massnahmen nötig. (Bild: Livia Büchler)

Trotz sechs Todesfällen innert fünf Tagen sind laut Einschätzung von Fachleuten im Altersheim Rorschach keine besonderen Massnahmen nötig. (Bild: Livia Büchler)

Am Montag informierte der Stadtrat über die ungewöhnliche Häufung von Todesfällen im Altersheim an der Promenadenstrasse. Von Freitag bis Sonntag sind zwei Bewohnerinnen und drei Bewohner im Alter von 82 bis 96 Jahren wegen Grippeerkrankungen gestorben. Gestern verstarb eine weitere, 87jährige Person; ebenfalls an einem Virus, der grippeähnliche Symptome auslöst.

Laut Information aus der Stadtkanzlei sind mehrere Personen derzeit noch geschwächt, was die Befürchtung zulässt, dass es zu weiteren Todesfällen kommen wird.

Kein Handlungsbedarf

Amtsarzt Martin Heinzelmann, Allgemeinmediziner in Rorschach, wollte gestern gegenüber dem Tagblatt keine Stellungnahme abgeben. Er hat aber laut Communiqué der Stadt Rorschach bereits am Montag betont, dass er keinen Handlungsbedarf für besondere Massnahmen sieht. Kantonsarzt Markus Betschart vom kantonalen Amt für Gesundheit und Soziales in St.

Gallen bezeichnet eine Einschätzung der Lage im Altersheim Rorschach durch ihn als reine Spekulation. Dafür müsste er mehr über den vorgängigen Gesundheitszustand der Verstorbenen wissen. Grundsätzlich habe der Amtsarzt bei ungewöhnlichen Todesfällen Polizei und Untersuchungsamt zu informieren. Dies sei aber nicht geschehen, weshalb von Todesfällen mit natürlichen Ursachen auszugehen sei.

Ein Häufung von Todesfällen in Altersheimen, verursacht durch Grippeviren, ist nach Ansicht von Markus Betschart nicht als aussergewöhnlich zu betrachten.

Gefährliche Kombination

Laut Robert Etter, Direktor Bürgerspital Kompetenzzentrum Geriatrie und Alter in St. Gallen, ist es erfahrungsgemäss die Kombination – ein durch eine vorhandene Krankheit bereits geschwächter Körper trifft auf ein Grippevirus –, die bei älteren Menschen zum Tod führen kann.

Altersheime hätten daher bei verstärkt auftretenden viralen Erkrankungen die standardmässigen Hygienevorschriften umzusetzen – Händewaschen über das Abkochen von Wäsche und Geschirr bis zu einem eingeschränkten Kontakt mit anderen Menschen. Bei Noroviren (Brechdurchfall) müssten die hygienische Massnahmen verstärkt und eine Zutrittsbeschränkung in Betracht gezogen werden.

17 Tote in sechs Wochen

Das aktuelle Szenario im Altersheim Rorschach erinnert an das Jahr 2005, als im Zeitraum vom 10. Januar bis 21. Februar nicht weniger als 17 Hochbetagte an einer Grippe gestorben sind. Aus Rücksicht auf die Angehörigen hatte der Stadtrat damals die Öffentlichkeit erst spät informiert und war dafür kritisiert worden.

Aus diesem Grund, und um eventuelle Gerüchte zu vermeiden, sei der Stadtrat diesmal früher an die Öffentlichkeit getreten, auch wenn keine aussergewöhnliche Situation herrsche, sagt Stadtschreiber Bruno Seelos. Bestätigung findet diese Einschätzung durch einen nicht genannt werden wollenden Hausarzt, der ebenfalls Patienten im städtischen Altersheim betreut.

«Die Häufung der Todesfälle ist reiner Zufall und in den meisten Fällen durch das hohe Alter der Verstorbenen und deren vorgängigen Gesundheitszustand zu erklären. Virale Infekte haben eine Rolle gespielt, aber von einer Grippewelle kann man weder im Altersheim, noch in der Region sprechen.»

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