BENEFIZ: Hilfe für die Mutigen

In der St.Galler Lokalgruppe von Amnesty International engagieren sich Freiwillige für die Einhaltung von Menschenrechten auf der ganzen Welt. Morgen Abend lädt die Gruppe zum Benefizkonzert in die Grabenhalle.

Luca Ghiselli
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Die St. Galler Lokalgruppe von Amnesty International am UNO-Weltfriedenstag. (Bild: Urs Bucher)

Die St. Galler Lokalgruppe von Amnesty International am UNO-Weltfriedenstag. (Bild: Urs Bucher)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Wer an vorderster Front Menschenrechte verteidigt, lebt in manchen Ländern gefährlich. Vergangenes Jahr wurden in insgesamt 22 Staaten Personen getötet, die sich für Grundrechte wie die Meinungsfreiheit oder die körperliche Unversehrtheit stark gemacht hatten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International widmet diesen sogenannten Menschenrechtsverteidigern die Kampagne «Brave», zu Deutsch «mutig». Auch in St. Gallen engagieren sich rund zehn Aktivmitglieder in einer Lokalgruppe von Amnesty International. Hier will man nicht tatenlos zusehen, wie in Saudi-Arabien, China, Libyen oder der Türkei Menschenrechtsaktivisten politisch verfolgt, inhaftiert oder sogar ermordet werden.

Prägende Erfahrungen mit Militärdiktatur

«Uns passiert in der Schweiz nichts. Aber es gibt viele Gleichgesinnte in anderen Staaten, die grossen Mut beweisen, indem sie für ihre Rechte einstehen», sagt Reto Moritzi. Er ist seit mehreren Jahrzehnten bei Amnesty International tätig. «Ich gehöre zu den alten Hasen», sagt er und lacht. Zum Glück gehe der Nichtregierungsorganisation der Nachwuchs nicht aus. «Wir haben einen guten Mix aus Jung und Alt in der Lokalgruppe.» Moritzi ­begann Ende der 1970er-Jahre, nach einem längeren Aufenthalt in Peru, sich für Menschenrechte und deren Verteidigung zu interessieren. Im südamerikanischen Land herrschte damals eine Militärdiktatur. «Als junger Schweizer war ich erschüttert von den Verhältnissen», sagt er rückblickend. So habe er dort gelernt, was es heisst, wenn die Presse staatlich zensiert wird und die Bürger abends nicht mehr auf die Strasse dürfen. «Das hat mich ­geprägt.» Warum sich jemand bei Amnesty International engagiert, hat verschiedene Gründe. Ob Frauenrechte, Migration und Asyl, Folter oder Wirtschaftsrechte: «Jede Aktivistin, jeder ­Aktivist hat seine eigene Motivation.» In St. Gallen schlägt sich dieses Engagement in verschiedenen Aktionen nieder. Neben Sensibilisierungs- und Informationsarbeit an Anlässen wie dem Sozial- und Umweltforum, dem Begegnungstag oder dem Weltfriedenstag werden auch Flashmobs und Massenbriefsendungen durchgeführt. «Gelegentlich sagen uns Passanten bei solchen Veranstaltungen dann: ‹Das bringt doch eh nichts›», sagt Moritzi. Da widerspreche er jeweils vehement: «Der Druck, den wir damit im Kleinen und auch international aufbauen, geht an Menschenrechtsverletzern nicht spurlos vorbei», ist er überzeugt.

Der Erlös des Benefizkonzerts morgen Abend in der Grabenhalle geht an die Speerspitzen im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen. Er kommt dem Human Rights Relief Fonds zugute. Dabei handelt es sich um eine Art Erste-Hilfe-Fonds, mit dem unter anderem den Familien von inhaftierten Menschenrechtsaktivisten geholfen wird.

Benefizkonzert mit Eibish, Solche und Wesno Sa, 20.30, Grabenhalle