Belebte Zwischenräume

Heidi Widmer und Fredi Thalmann stellen in der Galerie Schloss Dottenwil aus. Ihre unterschiedlichen Werke widmen sich dem gleichen Thema, dem Menschen.

Daniela S. Hermann
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Fredi Thalmann und Heidi Widmer in der Schlossgalerie Dottenwil. (Bild: Ralph Ribi)

Fredi Thalmann und Heidi Widmer in der Schlossgalerie Dottenwil. (Bild: Ralph Ribi)

wittenbach. Rötlich schimmert das Holz im Licht der Schlossgalerie. Es verbirgt in sich eine Gruppe Menschen, die in einem tempelartigen Raum einem Orchester zuhören. Der Raum ist gross und offen, gleichzeitig beschützend. Die kleinen, geschnitzten Figuren darin scheinen lebendig zu sein. Und fröhlich. Eine andere Skulptur stellt die tanzenden Menschen dar, mit schwingenden Röcken und lüpfenden Beinen. Im Werk «Vor dem Spiegel» räkelt sich eine schöne, nackte Frau mit Genuss vor dem Spiegel. Diese Skulpturen sind neuartig und einmalig im Schaffen von Fredi Thalmann.

Gerettet, verdichtet

«Ich habe bei einem Bauer zwei Birnbaumstämme gekauft, denn in diesen Bäumen waren die ausgestellten Skulpturen verborgen. In Hunderten von Arbeitsstunden habe ich sie befreit, mit Kettensäge herausgesägt und die Menschenszenen geschnitzt», erklärt der Bildhauer das Entstehen der 17 ausgestellten Werke.

Wie Fredi Thalmann kümmert sich Heidi Widmer, Malerin aus Wohlen, wenig um die Modeströmungen der Kunstszene.

Für sie, genauso wie für Fredi Thalmann bedeutet die Kunst, etwas hervorzuholen, was da, aber nicht sichtbar ist. Die Oberflächlichkeit ist beiden Künstlern fremd. Ausserdem verbindet die beiden eine lange Ausbildungszeit an der Kunstakademie in Rom. Dennoch unterscheiden sich ihre Werke stark.

Eine Vision der Vernetzung

Für Heidi Widmer ist Malerin zu sein eine Berufung. Mit 18 Jahren begann sie ihr Studium in Genf an der Ecole des Beaux Arts. Zwei Jahre später ging sie an die Kunstakademie in Rom, wo sie sieben Jahre lang blieb.

Danach zog es sie in die Welt: Sie wanderte durch USA, Mittel-und Südamerika, Indien, Südafrika, Sri Lanka, Moçambique, immer zeichnend und malend. Eine Auslese dieser Werke findet man in der Ausstellung im Schloss Dottenwil. Es sind farbige Bilder, keine Abbildungen der Menschen und ihres Lebens, sondern durchlebte Eindrücke, die aus der Seele kommen.

Verschiedene Schaffenswege

«Ich suche nach dem gemeinsamen Nenner aller Menschen, nach einer gemeinsamen Sprache des Herzens», sagte Heidi Widmer kürzlich in einem Interview. Die Weltenbummlerin hat jahrelang Hilfsprojekte in Afrika aktiv unterstützt, mit Häftlingen und krebskranken Menschen Malprojekte durchgeführt. Diese Arbeit spiegelt sich in ihrem umfangreichen Werk.

Mit viel Disziplin trennt sie die verschiedenen Schaffenswege, auf denen sie sich bewegt: Da sind die farbigen Bilder mit roten Fäden, die sie «Fäden der Schöpfung» nennt und mit denen sie verschiedene hellfarbige Ebenen zu einem Konglomerat verbindet. Eine tägliche spirituelle Arbeit, der die Nachtbücher gegenüberstehen.

Seit ihrer Reise nach Auschwitz im Jahr 2003 zeichnet Heidi Widmer im Bett im Licht einer Nachtlampe mit Hilfe der Nacht und der Dunkelheit des eigenen Unbewusstseins schwarz-weisse Zeichnungen, die Ehr-Furcht wecken, die Verletzlichkeit des Menschen offenbaren, zum Nachdenken zwingen. Starke Bilder, die in der Galerie auf die Wand projiziert werden. Einige der 100 Nachtbücher mit je 50 Zeichnungen sind in der Ausstellung zu sehen, geschützt unter Glas, unberührbar.

Bis 24. Oktober; Öffnungszeiten: Samstag, 14 bis 20 Uhr, Sonntag, 10 bis 18 Uhr; 19. September, 11 Uhr Künstler-Apéro

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