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BEIZENSTERBEN: Montag bis Sonntag geschlossen

Mit der Schliessung des «Feldli» hat die Lachen eine traditionsreiche Quartierbeiz verloren. Aber auch in anderen Quartieren verschwinden alteingesessene Lokale. Eine Spurensuche.
Beda Hanimann
Am 31. März 2017 schenkte Marcel Egger das letzte Bier aus. (Bild: Christoph Renn)

Am 31. März 2017 schenkte Marcel Egger das letzte Bier aus. (Bild: Christoph Renn)

Es erinnert an einen Abzählvers. Piff, paff, puff – wieder einer draussen. Wieder eine traditionsreiche Quartierbeiz von der Bildfläche verschwunden. Im «Kreuz» in Winkeln ist der Herd schon länger aus. Der «Stocken» beherbergt heute eine Schule. Die «Sonne» in Rotmonten ist abgebrochen, an ihrer Stelle wurden Wohnblöcke gebaut. «Melchiori» an der Oberstrasse: Geschlossen und zu Wohnraum umfunktioniert. «Stauffacher» ein paar Häuser weiter: ebenso.

Ende März wurde auch im «Feldli» das letzte Bier gezapft. Fast 30 Jahre hat Marcel Egger mit seiner Frau dort gewirtet, nun seien sie in einem Alter, in dem man einen Schlussstrich ziehen müsse, sagte er. Das ist das eine. Das andere aber: «Ich habe leider keinen Nachfolger finden können. Die Zeiten, ein solches Restaurant zu führen, werden nicht einfacher. Vor allem am Feierabend fehlen die Gäste.»
André Schmid vom vitalen «Neueck» in St. Fiden, wo 1971 sein Vater angefangen hat, zählt ohne langes Überlegen Erfolgsfaktoren für eine florierende Beiz auf: Volksnähe, humane Preise, ein offenes Ohr, Flexibilität, gutes Personal. Aber er räumt ein, dass die daraus resultierende langjährige Gästetreue einen gefährlichen Nebeneffekt hat: «Wir kranken daran, dass unsere Gäste mit uns älter werden.»

Serbeln die Vereine, leiden die Beizen

«Es wird für uns nicht einfacher», sagt auch René Rechsteiner, Wirt im «Bierfalken» und als Gastro-Präsident der höchste Beizer der Stadt. Die Gastronomie funktioniert nicht mehr wie einst, als man sich in der Beiz um die Ecke am Feierabend beim Bier traf. Wenn die Quartierbeiz ein Auslaufmodell ist, dann deshalb, weil der klassische Beizengänger ein Auslaufmodell ist.

Tatsächlich steht hinter der Entwicklung ein verändertes Ausgeh- und Freizeitverhalten. Der Mensch verbringt mehr Zeit individuell vor dem Fernseher oder am Computer. Das schwindende Interesse an Vereinen hat auch Auswirkungen auf die Gastronomie. Musik-, Turn- und Schützenvereine sind wichtige Kunden der herkömmlichen Restaurants. Wenn sie gegen Mitgliederschwund kämpfen, dann trifft das auch die Gastronomie.

Rechsteiner spricht einen anderen Aspekt an. Das traditionelle Restaurant als Treffpunkt unterschiedlicher Bevölkerungsschichten wird zunehmend verdrängt von Lokalen, die ganz spezifische Kundengruppen ansprechen. Und mit Take-away und mobilen Angeboten habe immer mehr der öffentliche Raum die Funktion übernommen, die einst die Beiz erfüllte.

Zaghafte Gegenbewegung mit Quartiertreffs

Auch der städtische Quartierbeauftragte Peter Bischof stellt fest, dass die Leute weniger im Quartier in die Beiz gehen. Er vergleicht die Entwicklung in der Gastronomie mit dem Lädelisterben: «Man richtet sich anderweitig aus, ist mobiler geworden.» Das habe auch damit zu tun, dass manche Quartierlokale zu Clubs geworden seien oder von Migranten geführt würden, so dass sich alteingesessene Quartierbewohner nicht mehr heimisch fühlten.

Spannend findet Bischof anderseits: «Wenn in einem Quartier auch die letzte Beiz noch schliesst, werden die Bewohner oft selber aktiv.» So sind in den letzten Jahren zahlreiche Quartiertreffpunkte entstanden, oft mit Anschubhilfe des Quartierbeauftragten. Das Café unter den Linden in Rotmonten war eine Reaktion auf den Abbruch der «Sonne», das jüngste Beispiel ist der «Nestpunkt» im Riethüsli.

Diese Angebote ersetzten wohl eine Beiz nicht, sagt Bischof, aber sie seien ein Beweis für das weiterhin bestehende Bedürfnis nach Austausch. Dass sie dank ehrenamtlicher Arbeit funktionieren, hat einen Hauptgrund: Sie müssen keine Lohneinnahmen generieren. Auch André Schmid, dessen «Neueck» strotzt vor Leben, spricht die Problematik der hohen Fixkosten in der Gastronomie an und weist damit auf eine der grossen Herausforderungen der Branche hin: Wo nicht Familienmitglieder mithelfen und die Liegenschaft dem Wirt gehört, wird es finanziell schnell eng.

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