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Beizensterben in den Quartieren

ST.GALLEN. In den Quartieren verschwinden immer mehr renommierte Restaurants und typische Quartierbeizen. Die Entwicklung widerspiegelt auch einen gesellschaftlichen Wandel: Oft entstehen als Ersatz Lokale anderer Art am gleichen Ort.
Fredi Kurth
Das Restaurant Riethüsli vor dem Ende? Der Besitzer sucht bereits Mieter für «Gewerberäume». (Bild: Urs Bucher)

Das Restaurant Riethüsli vor dem Ende? Der Besitzer sucht bereits Mieter für «Gewerberäume». (Bild: Urs Bucher)

Die Sonne Rotmonten weicht einer Wohnüberbauung, das Restaurant Riethüsli ist seit kurzem geschlossen, das Restaurant Stocken hat gemäss Aushang schon seit Monaten «Ruhetag», und der Gasthof Kreuz in Winkeln soll ein spanischer Club werden: In den Quartieren machen immer mehr Beizen dicht, Restaurants von Renommée oder langjährige Quartierbeizen mit gutbürgerlicher Kost.

René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St.Gallen, hat diese Entwicklung ebenfalls beobachtet: «In den Randlagen haben gastronomische Betriebe eher Mühe sich zu behaupten», sagt er. Daraus möchte er allerdings noch keine allgemeine Tendenz ableiten, denn: «In den einzelnen Quartieren bestehen unterschiedliche Voraussetzungen.»

Am Abend alles geschlossen

In der Lachen wohnt eine andere Kundschaft als in Rotmonten. Oft seien es plausible Erscheinungen, sagt Rechsteiner. Eine Familie führt zum Beispiel ein Restaurant in langer Tradition, kann aber keine Nachfolger finden. Die Auswirkungen auf das Quartierleben können unangenehm sein. Plötzlich gibt es nach Feierabend kein Restaurant mehr, das noch geöffnet ist. Auch Säle für Vereinsanlässe werden rar. «Deshalb haben wir uns bei der Schliessung vom «Kreuz» in Winkeln bemüht, dass der Saal weiter zu günstigen Bedingungen benützt werden kann – und der Spanische Club hat Hand geboten», sagt Quartierentwickler Peter Bischof.

Turner fahren nach St.Georgen

Ziemlich düster sieht es im Riethüsli aus. Das gleichnamige Restaurant, einst auch von auswärtigen Gästen frequentiert, ist seit ein paar Wochen geschlossen. Offen ist nur, was weiter mit ihm geschieht. «Es sieht eher nach Aufgabe aus», sagt Hannes Kundert, der Präsident des Quartiervereins Riethüsli, «offiziell erfahren wir ja nichts.» Andere Restaurants wie die «Liebegg» bestehen seit längerem nicht mehr. Das Restaurant Freudenberg ist heute eine Pizzeria. Auch das ist typisch: Die Quartierbeiz ist zugunsten eines Spezialitätenrestaurants aufgelöst worden. Neben der Pizzeria hat noch ein Döner am Abend offen. Die Turner fahren nach dem Training deshalb hinüber nach St.Georgen, um den Durst zu löschen. Dort ist die Gastronomie unter anderem mit dem «Adler» und dem «Schützenhaus» noch intakt.

«An der Nachfrage fehlt es nicht», sagt Kundert. Wie aber könnte die Misere beseitigt werden? «Vielleicht mit Besenbeizen, die jeweils am Wochenende von Privaten geführt werden.» Von einem solchen Lokal ist auch im Riethüsli die Rede.

Ramon Gubelmann, Präsident der Vereinigten Quartiervereine St.Gallen, führt die Unruhe im Gastgewerbe nicht zuletzt auf gesellschaftliche Veränderungen zurück: «Wenn das Angebot stimmt, ist auch die Nachfrage da.» Der eine oder andere Beizer mache sich natürlich Gedanken, ob er überleben könne. Das Unbehagen beschränke sich aber nicht auf die Quartiere, «auch in der Innenstadt gibt es unsäglich viele Wechsel.» Das Konsumverhalten verändert hätten auch die zahlreichen Take-away-Läden, Tankstellenshops und Sandwichbars. Das Bier wird nicht mehr unbedingt am Stammtisch getrunken, sondern häufig auf offener Strasse.

Noch 15 statt 35 Menus

Gubelmann, auch Präsident des Quartiervereins Winkeln, hat einen enormen Wandel just in der aufstrebenden Region im Westen der Stadt festgestellt. AFG Arena und Westcenter mit diversen Restaurants, zuvor schon das Hotel Sistar, haben das Angebot erweitert. Auch Pizzerias machen den alteingesessenen Quartierbeizen Konkurrenz. Das Restaurant Scheidweg an der Kräzernstrasse erscheint zwar wie ein erhaltenswertes Kleinod aus vergangener Zeit, als noch die Tafel «Hier gut essen» draussen stand. Aber dennoch hört Beizerin Astrid Gamma Ende Januar nächsten Jahres auf. Der Umsatz ist 2013 um 30 Prozent zurückgegangen. Diesen Einbruch kann sie sich nicht erklären. Als Gamma vor neun Jahren angefangen hatte, verkaufte sie 35 Menus am Mittag, jetzt sind es noch 15. «Viele Betriebe haben heute ihre eigene Kantine, die oft auch auswärtigen Gästen offen stehen», sagt Gastro-Präsident René Rechsteiner. «Küche gutbürgerlich» – das war einmal.

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