Beim Winterdienst sparen

GOSSAU. Weniger Taumittel im Winter, keine Strassenreinigung am Wochenende und den Zehnstadelweg nicht verlängern: Dies sind drei der neun Sparmassnahmen, die der Stadtrat im Ressort «Bau Umwelt Verkehr» zur Umsetzung vorschlägt.

Marion Loher
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Eine Massnahme im Sparpaket des Gossauer Stadtrats ist, den Winterdienst zu reduzieren. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Eine Massnahme im Sparpaket des Gossauer Stadtrats ist, den Winterdienst zu reduzieren. (Archivbild: Hannes Thalmann)

680'000 Franken ab nächstem Jahr, 890 000 Franken ab 2018. So viel Geld könnte im städtischen Finanzhaushalt jedes Jahr gespart werden, wenn alle neun Massnahmen, die der Gossauer Stadtrat im Ressort «Bau Umwelt Verkehr» zur Umsetzung vorschlägt, auch umgesetzt werden. Ob das so sein wird, entscheidet das Parlament an seiner «Sparsitzung» vom 24. September.

Nur wochentags reinigen

Von allen neun Massnahmen hat jene der Reduktion des Strassenunterhalts und des Winterdienstes am meisten Sparpotenzial: jährlich insgesamt 350 000 Franken, und dies ab dem Jahr 2015. Diese finanzielle Entlastung kann gemäss Bericht und Antrag des Stadtrats erreicht werden, wenn beispielsweise an den Wochenenden auf die Strassenreinigung verzichtet und im Winter einzig noch auf den Hauptachsen Taumittel eingesetzt wird. In beiden Fällen würden Personalkapazitäten für andere Aufgaben frei, heisst es im Bericht weiter. Ausserdem würde das Grundwasser weniger belastet, wenn weniger Taumittel verwendet werde.

Ein Imageverlust

Zwei Sparmassnahmen, die aber nicht ohne Folgen bleiben würden. So sagt Stadtrat Stefan Lenherr, der Vorsteher des Bereichs «Bau Umwelt Verkehr»: «Mit Einsparungen beim betrieblichen Strassenunterhalt werden die Kosten nur aufgeschoben. Langfristig sind jedoch Mehraufwendungen die Realität.» Ausserdem sei es eine Frage der Sicherheit, des Images und der Mobilität. «Sparen wir bei der Reinigung, verlieren wir das Image einer sauberen Stadt», sagt der Stadtrat. «Und tun wir dasselbe beim Winterdienst, wird es unsere gewohnte Mobilität in allen Belangen einschränken.»

Umstrittene Wegverlängerung

Eine Sparmöglichkeit sieht der Stadtrat auch beim Zehnstadelweg. Er möchte auf dessen Verlängerung verzichten. Das Parlament hat im November 2010 für diese Verlängerung als Schulweg von Arnegg nach Andwil 312 000 Franken genehmigt. Einsprachen haben eine Realisierung bislang verhindert. Gemäss Bericht und Antrag sind diese mittlerweile jedoch bereinigt. Das Projekt werde aber unverändert kritisch beurteilt, vor allem von «sparwilligen Bürgern», so Lenherr. Er fügt jedoch hinzu, dass für die Eltern, die sich für ihre Kinder diese sicherere Wegverbindung wünschen, auch ein «gewisses Verständnis» aufgebracht werden müsse. Der Stadtrat wird dennoch beantragen, den Zehnstadelweg nicht zu verlängern. Es könnten 40 000 Franken jährlich gespart werden.

Es droht Widerstand

Die Schliessung von acht wenig genutzten Zivilschutzanlagen ist ebenso Teil des vom Stadtrat geschnürten Sparpakets wie der Verzicht auf Biogas und auf Minergiestandard bei städtischen Liegenschaften. Letzteres bedeutet, dass bei den städtischen Bauten nur noch die gesetzlichen Vorschriften umgesetzt würden, falls das Parlament diese Sparmassnahme durchwinkt. Zusätzliche Investitionen für mehr Nachhaltigkeit müssen gemäss stadträtlichem Bericht mit einer separaten Vorlage, welche die Mehrkosten und die Wirkung beinhaltet, beantragt werden. Hier droht Widerstand aus dem Parlament. Die SP hat bereits kurz nach Bekanntwerden der geplanten Sparmassnahmen in einer Mitteilung festgehalten, dass sie dem Verzicht auf Biogas und Minergiestandard «kritisch» gegenüberstehe. Und die Freie Liste Gossau (Flig) hat verlauten lassen: Sie lehne alle Sparvorschläge ab, welche zu «energetischen oder ökologischen Verschlechterungen» führten.