Beim FC St. Gallen zum Leitwolf gereift

Stefan Wolf spielte Fussball für Luzern, Sion, Servette und St. Gallen. Der vierjährige Aufenthalt in der Ostschweiz war für ihn die sportlich unergiebigste Phase, während er mit Luzern Cupsieger wurde und mit Servette den Meistertitel und Cupsieg holte.

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Stefan Wolf erzielte als Verteidiger auch Tore. Eines feierte er beim 2:1 gegen Xamax im August 2004. (Archivbild: Rainer Bolliger)

Stefan Wolf erzielte als Verteidiger auch Tore. Eines feierte er beim 2:1 gegen Xamax im August 2004. (Archivbild: Rainer Bolliger)

Stefan Wolf spielte Fussball für Luzern, Sion, Servette und St. Gallen. Der vierjährige Aufenthalt in der Ostschweiz war für ihn die sportlich unergiebigste Phase, während er mit Luzern Cupsieger wurde und mit Servette den Meistertitel und Cupsieg holte.

2002 wurde Wolf vom FC St. Gallen verpflichtet. Es folgte eine schwierige Zeit: Der älteste Fussballclub des Landes war gerade daran, den Abschwung nach dem Gewinn der Meisterschaft zu verkraften. In der Auf-/Abstiegsrunde gelang nur knapp die Qualifikation für die neue Super League. Die Stimmung sank. Es fehlte eine Hierarchie in der Mannschaft. Der ebenfalls neue Trainer Heinz Peischl musste «aufräumen» und separierte unerwünschte Spieler in der legendären Gruppe Wald.

Wichtige Jahre in St. Gallen

Stefan Wolf hingegen gehörte als Captain zu jenen Teamleadern, welche Ruhe in den Kader brachten und den Teamgeist förderten. Danach spielte der FC St. Gallen in der Super League flott mit. Für Wolf selbst war es ein wichtiger Lebensabschnitt: «Hier lernte ich Führungsverantwortung zu übernehmen», sagt er heute. Hier kamen auch seine beiden Kinder Jan und Lia auf die Welt. Die Geburt des Sohns erfolgte unangekündigt, drei Wochen vor dem Termin. Stefan Wolf war mit dem FC St. Gallen gerade in Neuenburg unterwegs, als bei seiner Frau Sarah die Wehen einsetzten. FC-Chauffeur Charly Gahler fuhr ihn schnurstracks zum Bahnhof. Am Abend hielt der stolze Vater den Sohn in den Armen, der FC St. Gallen gewann auch ohne den Captain gegen Xamax. «Ein perfekter Tag», fasste er zusammen.

In der Arena von Berufs wegen

Morgen Sonntag ist Stefan Wolf zu Gast in der AFG Arena, wenn der FC St. Gallen Wolfs Heimatverein Luzern empfängt. Doch er ist fast immer anwesend bei den Heimspielen der St. Galler. Für geladene Gäste einer Privatbank analysiert er in der Pause und nach dem Spiel das Geschehen auf einer Taktiktafel. Es ist eine von vielen beruflichen Tätigkeiten von Wolf als Inhaber der Firma «Wolfassist». Er betreut Webpages für Fussballprofis wie Benaglio, Schwegler oder Wölfli. Er führt mit den Kids Days, einem Fussballplausch, in der ganzen Schweiz beliebte Fussballnachmittage für Kinder im Alter zwischen Kindergarten und 6. Primarklasse durch. Und er berät mit seiner Stiftung «Next Sport Generation» talentierte Nachwuchssportler, auch in der Frage, wie sie sich auf die Zeit nach dem Fussball vorbereiten können.

Wolf hatte noch in seiner Zeit beim FC St. Gallen ein Fernstudium in Sportmanagement absolviert. Für ihn selbst war die Zukunft ebenfalls ungewiss, als er im April 2006 im Alter von 35 Jahren wegen einer irreparablen Knieverletzung, herrührend von einer Infektion nach einem Eingriff im Knie, den aktiven Fussball aufgeben musste. Heute reicht es nicht einmal mehr fürs Joggen, nur noch für ein paar Plauschspiele im Jahr mit ehemaligen Nationalspielern. «Danach kann ich drei, vier Tage lang nicht mehr gehen», sagt Wolf schmunzelnd.

Mit Servette Spalier gestanden

Er hatte häufig besondere Kontakte zu St. Gallen. 1999 bestritt er auf dem Espenmoos eines seiner 14 Länderspiele gegen Österreich. Ein Jahr später stand er mit Servettes Team auf dem selben Rasen Spalier, um St. Gallen zum Meistertitel zu gratulieren. Und heute kommt er immer im April in die AFG Arena, wo er zugunsten der Nachwuchsförderung ein Jassturnier für jedermann organisiert.

Der einstige Abwehrorganisator mit 453 Spielen in der höchsten Liga scheint nun auch seine beruflichen Projekte zum Tragen zu bringen. Er hat dabei den für einen Fussballer eher seltenen Weg der Selbständigkeit gewählt, während sich andere weiterhin einspannen lassen: Als Trainer oder Fussballexperten oder in einem andern Beruf. Morgen ist auch Stefan Wolf Fachmann und wird in der Arena «die Helden von Moskau» analysieren. «St. Gallen hat sich super entwickelt und ist spielerisch stark. Die Führung geht auch jetzt bei guter Finanzlage keine Risiken ein.» Für Stefan Wolf ist es bezüglich Gefühlslage der schwierigste Match: «Zu 51 Prozent bin ich Luzerner, zu 49 Prozent St. Galler.» Fredi Kurth

Wolfs Tip: St. Gallen – Luzern 1:1 (Sonntag, 13.45 Uhr, AFG Arena).

Stefan Wolf heute. (Bild: pd)

Stefan Wolf heute. (Bild: pd)