Bei Rot nach rechts abbiegen

ST.GALLEN. Pro Velo zieht eine gemischte Bilanz über die Veloförderung in der Stadt St.Gallen. Man spüre, dass der Wind bezüglich Langsamverkehr gekehrt habe, müsse aber immer noch um Verbesserungen kämpfen, hiess es an der Hauptversammlung.

Reto Voneschen
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Daniel De Stefani, scheidender Gründungspräsident von Pro Velo Region St. Gallen, am Dienstagabend während der Besichtigung der neuen Velostation hinter dem Hauptbahnhof. (Bild: Reto Voneschen)

Daniel De Stefani, scheidender Gründungspräsident von Pro Velo Region St. Gallen, am Dienstagabend während der Besichtigung der neuen Velostation hinter dem Hauptbahnhof. (Bild: Reto Voneschen)

Pro Velo versteht sich als Interessenvertretung der Velofahrerinnen und Velofahrer in der Region St. Gallen. Gegründet 2005 ist der Regionalverband immer noch jung. Die erste Aufbauphase wurde mit der Mitgliederversammlung vom vergangenen Dienstagabend abgeschlossen: Gründungspräsident Daniel De Stefani (Häggenschwil) trat nach acht Jahren im Amt zurück. Zum Nachfolger gewählt wurde Thomas Walter (Speicher). Neu im Vorstand Einsitz nimmt Stefan Tittmann (Teufen).

Verband ist «auf Kurs»

Daniel De Stefani zog eine positive Bilanz über die ersten acht Jahre Pro Velo Region St. Gallen: Der Verein sei gut aufgestellt, die Marschrichtung stimme und die Zahl der Mitglieder – derzeit sind es rund 280 – steige von Jahr zu Jahr weiter. Als Verkehrsmittel sei aber auch das Velo in Stadt und Region im Aufwind. Gerade die Verkehrsplaner der Stadt St. Gallen hätten gemerkt, «dass die Autostadt St. Gallen voll ist» und dass man Alternativen zur Bewältigung der immer noch zunehmenden Mobilität fördern müsse. Entsprechend habe der politische Stellenwert von öffentlichem und Langsamverkehr in den letzten Jahren zugenommen, zog De Stefani Bilanz.

Weiterhin Druck nötig

Wie sich im Verlauf der Mitgliederversammlung mehrfach zeigte, ist Pro Velo damit allerdings nicht wunschlos glücklich. Im Gegenteil. Auch wenn die Akzeptanz des Velos als Verkehrsmittel zugenommen habe, brauche es immer noch politischen Druck für Verbesserungen. Da sei aber nicht nur der Verband gefordert, hiess es in der Diskussion. Alle Mitglieder von Pro Velo könnten und müssten sich für ihre Anliegen aktiv einsetzen. Etwa mit Mails an Stadtrat und Verwaltung oder auch mit Leserbriefen. Der Vorstand, so forderte ein Mitglied unter dem Traktandum «Verschiedenes/Umfrage», müsse die Basis entsprechend sensibilisieren und aktivieren. Der Vorstand sicherte zu, sich des Themas anzunehmen und zu prüfen, ob man dafür eine Strategie entwickeln und umsetzen könne.

Nur 20 Franken im Jahr fürs Velo

Wo Pro Velo der Schuh drückt, welche konkreten Anliegen der Verband hat, erläuterte Daniel De Stefani in seinem letzten Jahresbericht. Bei Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur werde das Velo immer noch stiefmütterlich behandelt. In der Schweiz würden jährlich 500 Franken pro Einwohnerin und Einwohner in den motorisierten Verkehr investiert, fürs Velo seien es gerade 20 Franken. Von den jährlichen Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur entfielen in der Schweiz erst drei Prozent auf den Langsamverkehr, auf Fussgänger und Velos.

Als grösstes Manko für die Stadt St. Gallen machte der scheidende Gründungspräsident von Pro Velo am Dienstag die immer noch fehlende, durchgehende Ost-West-Veloroute aus. Ansätze dafür gebe es zwar und auch sei die Beschilderung auf diesen Frühling hin verbessert worden. Dank Lücken im Wegnetz, Autoparkplätzen und für Velos nicht benutzbare Busspuren sei die Ost-West-Route immer noch ein unübersichtliches Flickwerk.

Ein Anliegen von Pro Velo heisst gut neudeutsch «Turn right on red». Gemeint ist, dass Velofahrern erlaubt sein sollte, bei auf Rot stehenden Lichtsignalen nach rechts abzubiegen. Dass das, sofern man vorsichtig sei, funktioniere, zeigten Beispiele aus europäischen Ländern und den USA. St. Gallen sei da sehr zurückhaltend und wolle Abklärungen aus Bern abwarten. Was für Pro Velo unnötig ist: «Mit etwas Mut könnte man ein Pilotprojekt starten.»

Zweimal Ja zum Bahnhofplatz

Am Dienstagabend fasste Pro Velo auch eine Parole zur städtischen Abstimmungsvorlage für die Neugestaltung des Bahnhofplatzes: Mit 12 zu 7 Stimmen wurde ein Ja zum Projekt und mit 13 zu 8 Stimmen auch ein Ja zur Verlängerung der Rathaus-Unterführung unter dem Bushof hindurch beschlossen. Dies bei jeweils sieben Enthaltungen.

Im weiteren liess sich Pro Velo am Dienstagabend über den seit acht Monaten laufenden Betrieb der Velostation unter der Fachhochschule informieren. Dabei wurde ein neues Transportvelo enthüllt. Dieses E-Bike mit «Ladebrücke» kann ab 1. Juni in der Velostation ausgeliehen werden.

www.provelo.info

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