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Bei Migros kreucht's und fleucht's

GOSSAU. Kaum hat sich der Morgennebel verzogen, kommt Leben auf die Dächer der Migros Betriebszentrale. In luftiger Höhe lockt hier auf 10'000 Quadratmetern eine biotopartige Naturlandschaft Insekten und Vögel an. Ein Novum in der Schweiz.
Corinne Allenspach
Vorne das sanierte Flachdach mit Naturlandschaft aus Schwemmholz und Teichen, im Hintergrund wird das letzte Teilstück noch saniert. (Bild: Coralie Wenger)

Vorne das sanierte Flachdach mit Naturlandschaft aus Schwemmholz und Teichen, im Hintergrund wird das letzte Teilstück noch saniert. (Bild: Coralie Wenger)

Sie hat es nicht eilig, die Bachstelze, die gerade in aller Seelenruhe über ein Stück Schwemmholz stolziert. Unter ihr paddelt ein Insekt wie wild im Wasser, bis es auf einer Vogelfeder Zuflucht findet. Weiter hinten schwirrt ein Schmetterling von Karthäuser-Nelke zu Karthäuser-Nelke und direkt vor der eigenen Nase klammert sich eine Hummel an einer Blume fest.

Kaum hat sich der Morgennebel verzogen, kreucht's und fleucht's auf dem 10 000 Quadratmeter grossen Flachdach der Migros Betriebszentrale. «Wir möchten der Natur etwas zurückgeben. Dafür, dass die Migros so viel verbaut», sagt Ernst Oertli, Projektleiter «Sanierung Flachdach».

Holz und Steine aus dem Rhein

Seit nunmehr drei Jahren wird das Migros-Flachdach etappenweise saniert, das letzte Teilstück ist in Kürze fertig. Nach Minergiestandard, mit 16 Zentimetern Wärmedämmung, anschliessend mit Pflanzen gestaltet. Dabei handelt es sich nicht einfach um ein begrüntes Flachdach. Denn diese sind heute an der Tagesordnung.

Was sich hier dem Besucher offenbart, ist ein kleines Stückchen wundersame Welt inmitten des Gossauer Industriegebiets. Eine strukturierte Naturlandschaft, von Menschenhand geschaffen. Mit Schwemmholz und Steinen aus dem Rhein, Biotopen und knapp zwei Dutzend Pflanzenarten, die in der Schweiz heimisch sind, aber auf überdüngten Wiesen kaum mehr vorkommen. Gewöhnliches Leimkraut, Heide-Nelken, Rundblättrige Glockenblumen, Storchenschnäbel. Und verschiedene Sedumarten, das sind sukkulentenartige, fleischige Pflanzen, die bis zu sechs Wochen ohne Regen auskommen können. Welche Pflanzen hier oben wachsen sollen, haben die Verantwortlichen der Migros entschieden. Umgesetzt hat das Projekt die Rorschacher Firma Streule + Alder AG, Bedachungen. «Eine Dächer-Naturlandschaft in dieser Grösse und Intensität ist bisher einzigartig in der Schweiz», sagt Geschäftsführer Karl Streule.

Vögeln neue Heimat bieten

Speziell sei einerseits, dass Schwemmholz, Steine und Wasser verwendet worden sei. Andererseits, dass nicht nur eine «flache Begrünung», sondern auch Hügellandschaften geschaffen wurden. «So gedeihen ganz unterschiedliche Pflanzenarten.»

Ein Ziel des Projekts sei es, bodenbrütenden Vögeln eine neue Heimat zu bieten, sagt Streule. In bis zu 15 Metern Höhe sind sie vor ihren grössten Feinden, den Mardern, sicher. Und unter dem Schwemmholz finden sie zudem Schutz vor Raubvögeln. Bei der Gestaltung der Landschaft arbeite man mit der Vogelwarte Sempach zusammen, sagt Streule. Ein erster Erfolg könne bereits verbucht werden. Nebst «extrem vielen Insekten» habe man vor kurzem ein Kibitz-Nest unter einem Schwemmholz entdeckt.

Fleissige Bienen

Auf dem Rundgang übers Dach zwischen Katzenminze, rosa Mauerpfeffer, Färberkamille und dem letzten blühenden Klatschmohn gerät Streule ins Schwärmen. «Es ist eine wahre Freude zu sehen, was hier oben alles abgeht.» Das mögen sich auch die drei Bienenvölker denken, die in einer anderen Ecke des Flachdachs wohnen. Sie produzierten dieses Jahr nicht weniger als 130 Kilogramm Honig – auch dank der vielfältigen Blumenwiese vor der Haustür. Das sanierte Flachdach bietet aber nicht nur Pflanzen und Tieren eine Heimat. «Pro Quadratmeter kann das Dach bis zu 30 Liter Wasser speichern», sagt Streule. Damit übernehme es eine wichtige Rolle beim Verhindern von Überschwemmungen nach starken Regengüssen.

Gross gepflegt werden muss die Naturlandschaft in luftiger Höhe nicht. Einmal jäten genügt. Ein Jahr nach dem Streuen der Pflanzensamen wird unliebsames Gewächs wie Löwenzahn oder Rotklee ein für allemal verbannt.

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