«Bei 750 machen wir weiter»

Der Geschäftsleiter des Appenzeller Verlags, Marcel Steiner, kündigt die mögliche Einstellung des St. Galler Jahrbuches an. Die Finanzen wären nicht der Hauptgrund für diesen Entscheid.

Daniel Klingenberg
Merken
Drucken
Teilen
Marcel Steiner Geschäftsführer Appenzeller Verlag (Bild: Ralph Ribi)

Marcel Steiner Geschäftsführer Appenzeller Verlag (Bild: Ralph Ribi)

Es ist ungewöhnlich, in einem Vorwort das mögliche Einstellen eines Buches anzukündigen. Warum tun Sie das?

Marcel Steiner: Es ist wie eine Gewinnwarnung im Börsengeschäft. Wir sind vor drei Jahren angetreten, die Gallus-Stadt wieder ins Leben zu rufen. Als Ziel setzten wir uns 1000 verkaufte Exemplare.

Das Ziel wurde verfehlt.

Steiner: Die Ausgaben der Jahre 2013 und 2014 liegen unter 500 verkauften Exemplaren. Das ist zu wenig.

Der Appenzeller Verlag macht ein zu grosses Defizit mit dem Buch?

Steiner: Wir haben ein Defizit, aber das ist nur ein Punkt. Der andere ist, dass die St. Galler Ortsbürgergemeinde die Gallus-Stadt substanziell unterstützt. Als Verleger komme ich in Argumentationsnotstand, wenn ich mit Sponsoren ein Buch herstelle, dessen gedruckte Exemplare zu einem grossen Teil nicht verkauft werden.

Bei welcher Anzahl verkaufter Exemplare geben Sie das Jahrbuch weiter heraus?

Steiner: Wenn wir von der Gallus-Stadt-Ausgabe 2015 750 Exemplare verkaufen, machen wir weiter.

Wie viele sind jetzt verkauft?

Steiner: Derzeit stehen wir erst bei 180 verkauften Büchern.

Eine Gallus-Stadt 2016 muss man planen. Wann fällt der Entscheid über deren Produktion?

Steiner: Im Januar 2015.

Die Ortsgemeinde St. Gallen unterstützt das Jahrbuch. Sollte dies auch die Stadt St. Gallen tun?

Steiner: Es zeichnet sich ab, dass die St. Gallerinnen und St. Galler kein Interesse an einem Jahrbuch haben. Da nützt leider auch die Unterstützung seitens der Ortsgemeinde oder der Stadt nichts. Die Stadt St. Gallen hat die Ausgabe 2013 zudem bereits mit einer Anschubfinanzierung unterstützt.

Haben Sie ein positives Echo zum Jahrbuch?

Steiner: Wir haben wenig Echo, doch dieses ist durchwegs positiv. Wir bekommen es im persönlichen Kontakt mit der Leserschaft.

Diese Leute sollten das weitersagen.

Steiner: Das ist auch meine Hoffnung. Es nimmt mich wirklich wunder, weshalb sich die St. Galler nicht für ein Jahrbuch interessieren. Beim Toggenburger Jahrbuch war das anders. Auch dort gab es einen Unterbruch, aber auf Anhieb war dort die Marktakzeptanz deutlich höher.