Begleitet und würdevoll sterben

RORSCHACH/RORSCHACHERBERG. Alle wissen, dass sie irgendwann sterben. Der Umgang mit dem eigenen Tod ist aber ein schwieriges Thema. Die Hospizgruppe Rorschach/Rorschacherberg begleitet Sterbende seit zehn Jahren. Am Samstag wird gefeiert.

Res Lerch
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Liebevoll Hand bieten die Mitglieder der Hospizgruppe Rorschach/Rorschacherberg Sterbenden. (Bild: Res Lerch)

Liebevoll Hand bieten die Mitglieder der Hospizgruppe Rorschach/Rorschacherberg Sterbenden. (Bild: Res Lerch)

«Schwerkranke und sterbende Menschen sollen – wenn sie dies wünschen – in der letzten Lebensphase nicht allein gelassen werden. Wir schenken diesen Menschen in den letzten Stunden ihres Lebens unsere Zeit, achten ihre Würde und Selbstbestimmung und gehen auf ihre Bedürfnisse ein», sagt Monica Wegmann, die als Präsidentin der Hospizgruppe Rorschach/Rorschacherberg amtet. Die Hospizgruppe feiert am kommenden Samstag, 5. September im evangelischen Kirchgemeindezentrum ihr 10jähriges Bestehen.

Am Sterbebett sein

Dem Team der Hospizgruppe ist es ein Anliegen, Sterbenden zur Seite zu stehen. «Wir sitzen am Sterbebett und sind einfach da. Unsere Tätigkeit zur Unterstützung von Menschen in der letzten Lebensphase sowie zur Entlastung von Angehörigen und Pflegenden besteht im wachsamen Dasein. Den Bedürfnissen entsprechend sind wir da für Gespräche, Vorlesen oder auch Schweigen», erklärt Judith Thür, die sich wie alle anderen auch ehrenamtlich an der Arbeit der Hospizgruppe beteiligt.

Die Hospizgruppe Rorschach/Rorschacherberg setzt sich aus freiwillig Begleitenden (aktuell sind das 15 Frauen und ein Mann) und dem Vorstand des Vereins zusammen. Im vergangenen Jahr hat die Hospizgruppe 170 Stunden Sterbende begleitet. Nach Bedarf wird die Gruppe von Fachpersonen aus Sozialarbeit, Seelsorge, Medizin und Pflege beraten und unterstützt. Die Hospizgruppe übernimmt keine pflegerischen Hilfestellungen, Haushaltsarbeiten und Langzeiteinsätze.

Überkonfessionell

«Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist die überkonfessionelle Ausrichtung.» In welchem Glauben Menschen beheimatet sind oder ob sie sich keiner Religion zugehörig fühlen, spiele keine Rolle. «Wir achten bei Sterbenden darauf, was nötig ist und ihrem Wunsch entspricht», sagt Margrit Fleck, die ebenfalls in der Hospizgruppe aktiv ist. Alle Mithelfenden wüssten, dass sich der familiäre Umgang in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert habe. «Früher hatte der Tod innerhalb der Familie seinen Stellenwert im Lebensrhythmus gehabt und war Teil des Ganzen», sagen Monica Wegmann, Judith Thür und Margrit Fleck. «Heute hat dieser Teil des Abschiednehmens, warum auch immer, nicht mehr jenen Ansatz, der ihm eigentlich zusteht.»

Monica Wegmann ist es auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass die von der Hospizgruppe angebotene Sterbebegleitung nichts mit Exit oder Dignitas zu tun hat. «Wir sind mit der Palliative Ostschweiz vernetzt und Teil der IG Freiwillige Palliative Ostschweiz. Um bei uns mitarbeiten zu dürfen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Es besteht auch eine Weiterbildungspflicht», sagt die Präsidentin.

Trauerarbeit

Sterben löst Trauer aus. Wichtig ist, dass die Hinterbliebenen sich in ihrer Trauer nicht allein gelassen fühlen. Die Katholische Seelsorgeeinheit Region Rorschach und die beiden Evangelisch-reformierten Kirchgemeinden Rorschach und Goldach bieten deshalb jeden zweiten Dienstag im Monat im Kolumbanszentrum Rorschach ein Trauercafé an. Es besteht aber kein direkter Zusammenhang mit der Hospizgruppe.