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Begleiten, stützen und helfen

Ende Juni wird der langjährige Gossauer Diakon Sepp Koller verabschiedet. Nach seiner 20jährigen Tätigkeit in der Seelsorgeeinheit Gossau wird er künftig eine neue Herausforderung am Kantonsspital St. Gallen annehmen.
Manuela Bruhin
Sepp Koller hält Gottesdienste und macht Trauungen. Aber auch in den dunklen Stunden wird er gerufen. (Bild: Benjamin Manser)

Sepp Koller hält Gottesdienste und macht Trauungen. Aber auch in den dunklen Stunden wird er gerufen. (Bild: Benjamin Manser)

GOSSAU. «Natürlich – wenn es denn gewünscht wird.» Die Antwort Sepp Kollers, ob er für ein Interview bereit wäre, ist bezeichnend für seine Persönlichkeit. Der langjährige Diakon in Gossau ist kein Mann der grossen Worte – ist aber mit seiner ruhigen und besonnenen Art stets da, wenn die Menschen ihn brauchen. So blickt der gebürtige Appenzeller auch mit gemischten Gefühlen dem Sonntag Ende Juni entgegen, wenn er am Paulusfest im Gottesdienst verabschiedet wird. «Es war eine sehr bereichernde Zeit. Aber ich habe meine Arbeit nicht alleine gemacht. Es waren stets auch andere daran beteiligt.»

Kontakt mit Menschen

Bereits als kleiner Junge interessierte sich Sepp Koller für die Theologie. Aber auch Bauer oder Zimmermann wären als mögliche Berufe für ihn in Frage gekommen. Das Interesse für seine spätere Berufung wurde endgültig während des Gymnasiums geweckt. Es folgte das entsprechende Studium in Fribourg und Rom, danach ein Jahr Berufseinführung in der Pfarrei St. Otmar in St. Gallen. Als die Anfrage aus Gossau vom damaligen Pfarrer Schlegel kam, war es beschlossene Sache, seinen Lebensmittelpunkt hierher zu verlegen.

Während seiner 20jährigen Tätigkeit in Gossau wurden viele Projekte in Angriff genommen. Eines, welches Koller am Herzen liegt, ist das erst kürzlich ins Leben gerufene Trauercafé im Friedegg-Treff. Aber auch die Einweihung der neuen Paulus-Orgel, die Anfänge in der Jugendarbeit und Familienpastoral oder die Gewerbeausstellungen behält der 47-Jährige in lebhafter Erinnerung. Genau diese unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche waren es, die dem Diakon so zusagten. «Ich bin mit Menschen jeglichen Alters, Herkunft oder Lebenssituation in Kontakt getreten. Ich durfte sie begleiten, stützen und helfen.»

Familie als Tankstelle

Unzählige Gottesdienste hielt der vierfache Familienvater in Gossau. Viele Paare verheiratete er und ebenso taufte er ihren Nachwuchs. Aber auch in dunklen Stunden wurde er gerufen – etwa dann, wenn ein geliebter Mensch beerdigt werden musste, oder die letzten Stunden nahten. In solchen Situationen sei es wichtig, sich auch emotional berühren zu lassen, erklärt er. «Ich wollte keine Wand aufbauen.» Doch wie schafft er es dann, an den vielen Schicksalen nicht zu verzweifeln? Die Antwort des Diakons kommt schnell – und scheint so einfach. «Mir hilft der Glaube.» Er betont jedoch, dass er die Arbeit ohne seine Frau und Kinder im Hintergrund nicht ausführen könne. Denn sie erweisen sich als eine Art «Tankstelle». Und diese braucht er fast ausschliesslich nur im übertragenen Sinne. Wer ihn kennt, weiss, dass er stets mit seinem Fahrrad unterwegs ist – egal, bei welchem Wetter. So bringt es der sportliche Diakon auf rund 1700 Kilometer im Jahr. «Das hilft beim Kopfauslüften», sagt er und lacht.

Extreme Situationen

Dieser Ausgleich wird für Sepp Koller künftig eher in den Hintergrund treten. Denn sein neuer Arbeitsplatz am Kantonsspital St. Gallen wäre mit dem Fahrrad etwas weit entfernt. Ab August wird er hier als Seelsorger tätig sein. Er ist für Patienten und das Personal zuständig, wird den Menschen seelisch beistehen und ihre Angehörigen unterstützen. «Das ist sicherlich eine neue Herausforderung für mich», sagt er. Doch sei er froh, dass er auf diesem Gebiet bereits mit einer entsprechenden Ausbildung und Aushilfen Erfahrungen sammeln konnte.

Denn wie verhält man sich in einer Situation, wenn der geliebte Mensch bei einem Unfall stirbt, eine Operation nicht überlebt oder gar ein Baby tot zur Welt kommt? Kommt der eigene Glauben da nicht einmal ins Wanken? Diese theologische Frage sei kaum zu beantworten, so Koller. Nur so viel: «Würde Gott hier eingreifen, müsste er dies in anderen Fällen und Schicksalen auch. Schliesslich wären wir nur noch wie Marionetten, die funktionierten.»

Gott könne Schicksale nicht verhindern – sei aber stets für die betroffenen Menschen da. Ein Satz, der wohl auch auf Sepp Koller zutrifft – bei seiner jetzigen Tätigkeit in Gossau als auch bei der künftigen in St. Gallen.

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