Begegnungen in der Moschee

RORSCHACH. Versteckt im Industriegebiet der Stadt liegt der religiöse und soziale Begegnungspunkt der albanisch-islamischen Gemeinde. Ein paar Dutzend Christen erfahren am Tag der offenen Tür mehr über den Glauben der Moslems.

Peter Beerli
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Offene Moschee in Rorschach: Interessierte lassen sich an der Industriestrasse 40b die Grundpfeiler des Islams erläutern. (Bild: Urs Bosshard)

Offene Moschee in Rorschach: Interessierte lassen sich an der Industriestrasse 40b die Grundpfeiler des Islams erläutern. (Bild: Urs Bosshard)

Für viele Menschen stellen Moscheen – es gibt deren drei in Rorschach – unbekannte Orte voller Geheimnisse dar. Einige Dutzend Christen, zumeist solche, die in ihren Kirchgemeinden und Pfarreien selbst engagiert sind, nahmen am Samstagnachmittag in verschiedenen kleinen Gruppen die Gelegenheit wahr, einen solchen Ort zu besichtigen. Diese Möglichkeit wurde an verschiedenen Orten in der ganzen Schweiz angeboten.

Sie sollte dazu dienen, mit Moslems, welche uns im Alltag auf den Strassen begegnen, in näheren Kontakt zu kommen und weitverbreitete Vorurteile abzubauen. In der Region Rorschach war dieser Begegnung ein sehr gut besuchter interreligiöser Abend über Gemeinsamkeiten von Bibel und Koran vorangegangen.

Im Vorraum im zweiten Stock des Hauses an der Industriestrasse 40 b zog man sich die Schuhe aus, um sich wenig später in der Moschee auf den mit edlen Teppichen belegten Boden zu setzen und sich die wesentlichsten Merkmale des Raumes und des Islams allgemein erklären zu lassen.

Religion ohne Bilder

Beim ersten Blick in den Raum und auf seine Wände schon merkte man, dass der Islam eine Religion ohne Bilder ist. «Das soll uns davor bewahren, Menschen anzubeten», sagten Nexhla Medii und Fatma Karakok, die zwei jungen Frauen, welche durch die Moschee führten.

Sie wiesen auf die den Blick nach Mekka andeutende Gebetsnische und den Mimber hin, auf welchem der Imam steht, um zu beten und zu lehren. Hätte man bei der Moschee noch ein Minarett, würde von dort aus zum Gebet und zur Freiheit aufgerufen. Mit Ausnahme der Aufgaben des Imam, der gegenwärtig auf Pilgerfahrt unterwegs ist, dürfen Frauen sämtliche Funktionen in der Moschee ausüben.

Eine Schar junger Frauen war es denn auch, welche während des Besuchstages den Lobgesang in arabischer Sprache anstimmte.

Islam bedeutet Friede

Sie, Nexhla Medii und Fatma Karakok, führten in die Lehre des Islams ein, erklärten, dass Islam Friede bedeutet und Moslems bewusst der Hingabe zu Gott leben. Sie bekennen den Glauben an Allah, seine Einheit und Einzigkeit, an die Engel als die Gesandten Gottes und an die hinabgesandten Heiligen Schriften. Sie glauben an den Jüngsten Tag, an Gottes umfassendes Vorauswissen über die Zukunft aller Geschöpfe.

Sie beten fünfmal täglich mit Blick gegen Mekka, nachdem sie sich einer speziellen Reinigung unterzogen haben. Sie sind aufgerufen, zweieinhalb Prozente ihrer Ersparnisse für Bedürftige zu spenden und verzichten im Monat Ramadan tagsüber auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr. Soweit es Gesundheit und Finanzen zulassen, hat jeder einmal im Leben nach Mekka zum vom Propheten Abraham und seinem Sohn gebauten Treffpunkt zu pilgern.

Keine Streitgespräche

Dann setzte man sich bei Kaffee und Kuchen zusammen, plauderte freundlich, ohne aber zum intensiven Glaubens-Austausch zu finden oder gar in Streitgespräche zu verfallen.

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