Bedeutung der Reformation

Pfarrer Pius Helfenstein stellt das Leben Martin Luthers ins Zentrum des Festgottesdienstes.

Peter Beerli
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rorschach. Die von Guido Schwalt geleitete Stadtmusik und Organistin Marianne Tobler-Obi musizierten um die Wette, um gestern dem Reformationsgottesdienst in der evangelisch-reformierten Kirche eine besonders festliche Prägung zu vermitteln. Die Gemeinde war eingeladen, Lieder zu singen, welche Reformator Martin Luther selbst getextet hatte: «Aus tiefer Not schrei ich zu dir», «Christe, du Lamm Gottes» und «Nun freut euch lieben Christengmein». Allein diese drei Titel weisen auf jene Veränderung im Leben Martin Luthers hin, welche zur Reformation hingeführt hat.

Zu jener Reformation, nach der die Welt eine andere war, als sie vorher gewesen war.

Von der Anfechtung zur Kraft

Pfarrer Pius Helfenstein stellte diese grundlegenden Merkmale im Leben des Reformators auch ins Zentrum seiner Predigt. Der standhafte Luther ist seines Ausspruchs wegen bekannt geworden: «Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen». Er hat das Glaubenslied «Ein feste Burg ist unser Gott» verfasst.

Dabei war der Mann, der so starke Lieder anstimmte, einst ein angefochtener, ein hin- und her gerissener Mensch. Die persönliche Glaubenserfahrung, die Erkenntnis, ein Kind Gottes zu sein, wie sie in der Geschichte von der Heilung eines besessenen Knaben zum Ausdruck kommt, erst haben bei ihm zu jener Umkehr geführt, ihn zum Erneuerer der Kirche gemacht.

Um sich zurechtzufinden

Den traditionellen Vortrag zum Reformationssonntag hielt dieses Jahr Pfarrer Holger Brenneisen, Religionslehrer an der Kantonsschule St. Gallen. Er zeigte auf, wie die Reformatoren im 16. Jahrhundert Impulse für eine natürliche Verbindung zwischen Religion und Bildung zu setzen wussten. Sie waren überzeugt, dass Menschen, in deren Herzen durch den heiligen Geist ein Neues geschieht, Spuren brauchen, um sich im ganzheitlichen menschlichen Dasein in dieser Welt zurechtzufinden.

Die Reformatoren schufen die Bibel für alle und eröffneten damit den Weg zu jener Herzensbildung, welche bis heute die Pädagogik bis weit über das Religiöse hinaus mitzuprägen vermag.

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