BDP fordert zwei Kanti-Standorte

ST.GALLEN. Wattwil behält seine Kantonsschule. Dies hat die St.Galler Regierung entschieden – und das Linthgebiet verärgert. Nun schlägt die BDP hier wie dort eine Kanti vor. Und gleichzeitig eine Bildungsoffensive, um die Maturitätsquote im Kanton zu erhöhen.

Regula Weik
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Richard Ammann, Präsident der St.Galler BDP. (Bild: pd)

Richard Ammann, Präsident der St.Galler BDP. (Bild: pd)

Die St.Galler BDP ist der Kanti-Debatte müde. Sie fordert ein schnelles Ende des «Rickengraben-Konflikts» – und sie hat auch gleich eine Idee: Der Kanton soll im Toggenburg und im Linthgebiet eine Kantonsschule führen. «Es kommt einer Kapitulation gleich, wenn wir Jugendliche über den Seedamm in die Kanti schicken», sagt BDP-Präsident Richard Ammann. Die St.Galler Regierung klärt derzeit mit dem Kanton Schwyz ab, ob künftig 100 bis 200 Schüler aus dem Raum Rapperswil-Jona das Gymnasium in Pfäffikon besuchen könnten. St.Gallen habe heute schon Mühe, junge Menschen, die auswärts studierten, als Arbeitskräfte zurückzugewinnen. Diese Situation werde sich zusätzlich zuspitzen, «wenn der Kanton jetzt 14-Jährige fortschickt», ist Ammann überzeugt.

«Unwürdiger Rückstand»

Heute zählt die Kanti Wattwil 700 Jugendliche – zu wenige für zwei Schulen. Dies die Haltung der Regierung. Sie nennt 500 Jugendliche als kritische Grösse, um eine Kantonsschule sinnvoll betreiben zu können. Die BDP schlägt denn auch gleichzeitig eine Bildungsoffensive auf der Stufe der Mittelschulen vor. Damit könne endlich der «ungerechtfertigte und unwürdige Rückstand» bei der gymnasialen Maturitätsquote gegenüber den anderen Kantonen aufgeholt werden, sagt Ammann.

Der Kanton St.Gallen hat seit Jahren schweizweit eine der tiefsten – aktuell die tiefste – Maturitätsquote. «Es ist nicht einzusehen, weshalb Appenzell Ausserrhoden 50 Prozent, das Tessin gar 130 Prozent mehr Maturanden ausbildet als St.Gallen», so der Parteipräsident. Auch international liege St.Gallen mit seiner Maturitätsquote «hoffnungslos» im Hintertreffen. Ammann plädiert deshalb für einen «erleichterten Zugang» zu den Mittelschulen.

Jede Region hat «ihre» Kanti

Schliesslich führt die BDP für ihre «Zweistandortlösung» auch regionalpolitische Gründe an. Jede andere Region im Kanton habe eine Kanti. Nicht so das Linthgebiet. Und dies, obwohl es zu den prosperierenden Gebieten zähle. Kantistandorte sind heute St.Gallen, Heerbrugg, Sargans, Wattwil und Wil.