Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BAUSANIERUNG: Kommentar: Das Ja zum Theater ist ein Bekenntnis zur Hauptstadt

Die St.Galler Bevölkerung stimmt dem Kredit von 48,6 Millionen Franken für die Erneuerung des Theaters St.Gallen mit 62 Prozent zu. Abgelehnt wird die Vorlage lediglich in 15 der 77 Gemeinden, die meisten davon im Sarganserland. Chefredaktor Stefan Schmid kommentiert das Ergebnis.
Stefan Schmid
Sonniger Abstimmungssonntag fürs Theater St. Gallen: Ab 2020 kann sein Bau saniert werden. (Bild: Urs Bucher)

Sonniger Abstimmungssonntag fürs Theater St. Gallen: Ab 2020 kann sein Bau saniert werden. (Bild: Urs Bucher)

Sie haben im Vorfeld Animositäten geschürt, die Kritiker der Theater-Vorlage. Gegen die vermeintliche Elite und ihre Hochkultur, die hier masslos subventioniert werden sollte. Gegen die ach so weit entfernte Stadt St. Gallen, die man im Sarganserland und Toggenburg angeblich nur vom Hörensagen kennt. Und ja, auch generell gegen staatliche Ausgaben, die man nur dann bezahlen will, wenn sie einem direkt etwas nützen.

Abstimmungsresultate nach Wahlkreisen: Die St.Galler Bevölkerung stimmt dem Kredit von 48,6 Millionen Franken für die Erneuerung des Theaters St.Gallen insgesamt mit 62 Prozent zu. (Bild: pd)

Abstimmungsresultate nach Wahlkreisen: Die St.Galler Bevölkerung stimmt dem Kredit von 48,6 Millionen Franken für die Erneuerung des Theaters St.Gallen insgesamt mit 62 Prozent zu. (Bild: pd)

Das Spiel auf der Klaviatur der Ressentiments war vergebens. Zum Glück. Das St.Galler Volk hat der Sanierung seines mit Abstand wichtigsten Theaters mit über 60 Prozent Ja-Stimmen den Segen erteilt. Allen Toni Brunnerschen Schalmeienklängen zum Trotz haben selbst viele Toggenburgerinnen und Toggenburger die Vorlage gutgeheissen. Dafür gebührt ihnen – wie auch allen anderen Stimmbürgern, die ein Ja in die Urne gelegt haben – Anerkennung. Sie haben erkannt, dass der Kanton St. Gallen ein starkes Zentrum braucht. Ein Zentrum, das sich der Bedeutung seines kulturellen Flaggschiffes bewusst und daher bereit ist, rund 50 Millionen Franken in ein erneuertes Theater zu investieren. Der Entscheid zeigt auch, dass die St.Gallerinnen und St.Galler sehr wohl um die Gefahr wissen, die ein Auseinanderdriften der Regionen in diesem zerklüfteten Ringkanton zur Folge hätte. Ein Nein der Landbevölkerung hätte in urbanen Gebieten jene Kräfte gestärkt, die mit finanzpolitischen Retourkutschen drohten. Es hätte ein unseliges Kräftemessen begonnen, dessen Verlierer am Ende der ganze Kanton gewesen wäre.

Doch dabei sollte es nicht bleiben: Die Kantonsregierung, aber auch der St.Galler Stadtrat, dürfen das klare Resultat durchaus dahingehend interpretieren, dass die Stimmbevölkerung ein Bekenntnis zu ihrer Hauptstadt abgelegt hat. Es bedarf nun einer gezielten Politik, welche die Stadt St. Gallen und deren Agglomeration vom unteren Rheintal über Rorschach bis Wil als ökonomische Hauptschlagader der Ostschweiz stärkt. Eine starke Stadtregion nützt am Ende allen, auch den Bewohnerinnen und Bewohnern des Oberlands, die gestern mehrheitlich ganz knapp mit Nein gestimmt haben. Der Kanton St.Gallen bezahlt für seine wenig funktionale Gebietsstruktur tendenziell einen hohen Preis. Zahlreiche Finanzströme sorgen dafür, dass sich möglichst niemand benachteiligt fühlen muss. Das ist, um nochmals das Schlagwort der Solidarität zu bemühen, politisch ein Stück weit unumgänglich.

Doch die Frage nach dem Ausmass dieser regionalpolitischen Umverteilung gewinnt dank dem Votum vom Sonntag an Brisanz. Eine stärkere Fokussierung auf die Hauptstadtregion tut Not. Ähnliche regionalpolitische Komponenten weist etwa auch die Bildungspolitik auf. Wer es allen recht machen will, verzettelt sich. Nur wenn die Ostschweiz ihre Kräfte bündelt, bleibt sie mittelfristig als Wohn- und Wirtschaftsstandort attraktiv.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.