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BAUMFÄLLAKTION: Nach Kranunglück in Rorschacherberg: Zweiter Anlauf für Forstarbeiten im Wohnquartier

Im Mühlebachtobel werden die Tage Bäume in steilem Gelände, mitten im Wohnquartier gefällt. Kranke Laubbäume stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Es ist der zweite Anlauf seit dem Unglück vor einem Jahr.
Jolanda Riedener
Mit einem Kran werden die Baumstämme Stück um Stück aus dem Mühlebachtobel geerntet. (Bild: Jolanda Riedener)

Mit einem Kran werden die Baumstämme Stück um Stück aus dem Mühlebachtobel geerntet. (Bild: Jolanda Riedener)

Er sei schon lange nicht mehr so viele Stunden am Telefon gewesen, sagt Bernhard Herbert. Der Revierförster von Oberbüren koordiniert die Fällarbeiten im Mühlebachtobel, das sich über die Gemeinden Rorschach und Rorschacherberg erstreckt. Das Waldgebiet befindet sich mitten im Wohnquartier. Der Platz ist begrenzt. «Wir haben alle Anwohner informiert, da wir für die Arbeiten und das Material Parkplätze benötigen oder deswegen Garagenausfahrten verwehrt bleiben», sagt Herbert. Trotz mehrfacher schriftlicher Nachrichten machen ihm Unbelehrbare das Leben schwer. Der Oberbürer Revierförster ist wegen der knappen Ressourcen im hiesigen Forstgebiet und seiner langen Projekterfahrung in der Region Rorschach im Einsatz.



Die Bäume wachsen an steil abfallenden Stellen mit wenig Untergrund. Auch deshalb gestalten sich die Arbeiten als besonders schwierig und aufwendig. An einem Pneukran, der bis zu zehn Tonnen Gewicht heben kann, werden die Bäume von ausgebildeten Kletterern befestigt. Dann werden sie zersägt und Stück um Stück mit dem Kran das Tobel hochgehoben. Ein weiterer Mitarbeiter zerkleinert und stapelt das geerntete Holz. Es wird später als Brennmaterial verwendet. "Mit dem Ertrag aus dem Holz wird nur ein Bruchteil des Arbeitsaufwands bezahlt", sagt Herbert.

Forstmitarbeiter zersägen die Baumstämme, die zu Brennmaterial werden. (Bild: Jolanda Riedener)

Forstmitarbeiter zersägen die Baumstämme, die zu Brennmaterial werden. (Bild: Jolanda Riedener)


Sicherheit hat oberste Priorität

Wegen des Kranunglücks vor einem Jahr seien die Arbeiten für die Mitarbeiter speziell. Viele von ihnen waren auch beim ersten Mal vor Ort, als der 72-Tonnen-Kran ins Tobel stürzte. Beim Projekt geht man aber gleich vor wie beim letzten Mal. Dass Sicherheit erste Priorität hat, wird schnell deutlich. "Wir haben eine zusätzliche Person, die am Boden mit den anderen per Funk verbunden ist und die Lage überprüft", sagt Herbert. Der Kranführer habe in seiner Kabine in einer Höhe von rund 30 Metern ebenfalls einen guten Überblick über die Situation.



Einige Bäume an gut zugänglichen Stellen sind bereits vergangene Woche ohne Kran gefällt worden. Den Mühlebach, der durch den Schutzwald fliesst, müssen die Arbeiter immer wieder von Ästen befreien. Ansonsten könnte sich das Wasser stauen und es könnte zu Überschwemmungen kommen.

Bäume wecken Emotionen

Warum müssen die Bäume im Mühlebachtobel gefällt werden? Diese Frage hörte Bernhard Herbert während der vergangenen Tage immer wieder. Auch, ob die Forstarbeiten wirklich nötig seien. "Einige der Bäume stellen eine Gefahr dar. Sie sind zum Beispiel alt, unstabil und stehen auf schlechtem Untergrund", sagt der Revierförster.

Vor allem kranke, von Pilz befallene Eschen, werden gefällt, weil man jeweils nicht voraussagen könne, wie lang diese noch stabil sind. Deren Krankheit lasse sich von aussen nicht immer erkennen. Erst im Querschnitt sieht man eine dunkle, ungleichmässige Verfärbung, die auf einen Pilzbefall des Baumes zurückzuführen ist. Ans Tobel grenzen auf beiden Seiten mehrere Wohnhäuser, wodurch das Gefahrenpotenzial steige. Dort gebe es Spielplätze, Grillstellen und Rasenflächen – wenn ein Baum unkontrolliert umfällt, könnte das tragische Folgen haben.

Die kranken Eschen sieht man im Querschnitt deutlich, wie Revierförster Bernhard Herbert zeigt. (Bild: Jolanda Riedener)

Die kranken Eschen sieht man im Querschnitt deutlich, wie Revierförster Bernhard Herbert zeigt. (Bild: Jolanda Riedener)

Ans Tobel grenzen zahlreiche Wohnhäuser, wodurch das Gefahrenpotential steigt. Spielplätze, Grillstellen, Rasen - wenn ein Baum unkontrolliert umfällt, könnte das tragische Folgen haben. Dennoch scheinen Bäume bei der Bevölkerung zum Teil starke Emotionen zu wecken. Immer mehr Leute würden sich gegen bevorstehende Fällungen wehren. Insbesondere in Stadtnähe. Der Revierförster sieht der fehlende Bezug zur Natur als Grund dafür. "Wir geben den jungen Bäumen Platz, um wachsen zu können", sagt Herbert.

Im Waldstück Mühlebachtobel habe man vermutlich seit vielen Jahren keine Forstarbeiten geleistet. Umso mehr gebe es jetzt zu tun. Dass Ziel sei es, dass die Bäume im felsigen Gebiet mit instabilem Bord, gar nicht mehr so gross werden. Voraussichtlich sind die Forstarbeiten am kommenden Freitag abgeschlossen.

Speziell ausgebildete Forstmitarbeiter klettern auf die Bäume, wo sie zersägt und Stück um Stück abgetragen werden. (Bild: Jolanda Riedener)

Speziell ausgebildete Forstmitarbeiter klettern auf die Bäume, wo sie zersägt und Stück um Stück abgetragen werden. (Bild: Jolanda Riedener)

Die Arbeit im steilen Hang ist schwierig.

Die Arbeit im steilen Hang ist schwierig.

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