Bauernsekretär im Ruhestand

Nach 34 Jahren ist Hans Müller, Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbandes, in den Ruhestand getreten. Mit einem guten Gefühl: «Ich konnte die meisten meiner Ideen verwirklichen – wenn auch nicht immer im ersten Anlauf», sagt er.

Hansruedi Wieser
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Hans Müller in seiner privaten Gartenoase in Flawil. (Bild: Hansruedi Wieser)

Hans Müller in seiner privaten Gartenoase in Flawil. (Bild: Hansruedi Wieser)

flawil. «Die grösste Freude bereitete mir stets die Selbständigkeit, verbunden mit der unternehmerischen Tätigkeit und der Kontakt mit den Menschen», resümiert Hans Müller. Weil Nichtstun Müllers Sache nicht ist, «werde ich mir schon etwas einfallen lassen», meint der Vater zweier erwachsener Kinder und Neo-Grossvater mit Blick auf den dritten Lebensabschnitt. Zudem hat er noch Mandate inne, wirkt unter anderem weiterhin als Vizepräsident der bäuerlichen Krankenkasse Agrisano.

Ein Höhepunkt wird für ihn im September die Teilnahme am diesjährigen Kongress der Internationalen Vereinigung der Agrarjournalisten (ISAJ) sein. Sein (ausserdienstliches) Mitwirken in deren Vorstand während 15 Jahren war sein grosses Hobby.

Beruflich schliesst sich für ihn der Kreis: Zu Beginn war die Einführung der Milchkontingentierung aktuell, jetzt sind es die Probleme um deren Abschaffung und die Weiterentwicklung der Agrarpolitik in den Jahren 2014 bis 2017.

Als Bauernsohn aufgewachsen

Hans Müller war für den Job des «Bauernsekretärs», wie man den heutigen Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbandes früher nannte, prädestiniert. Vor Amtsantritt wirkte er vier Jahre in der Landwirtschaftlichen Beratungszentrale für die deutsche Schweiz (heute Agridea) in Lindau ZH als Sachbearbeiter Betriebswirtschaft und Raumplanung. Zudem ist er Bauer und «Studierter» in einer Person. Als Bauernsohn in Muolen aufgewachsen, absolvierte er zwei landwirtschaftliche Lehrjahre. Ein halbjähriges Praktikum im Kanton Freiburg diente dem Erlernen der französischen Sprache. Ein dazwischen geschaltetes Handelsschuljahr stellte die Weichen neu: Müller holte auf dem zweiten Bildungsweg die Matura nach, studierte anschliessend in Zürich Agrarwirtschaft und schloss als Ing. Agr. ETH ab. Dazwischen weilte er jeweils einige Monate in England und in den USA. Bis in die jüngere Zeit verschrieb er sich Weiterbildungen. Das in einem Lehrgang für Verbands- und Nonprofit-Management der Universität Freiburg. Das Gelernte nutzte er als «Bauernsekretär».

«Darauf aufgebaut habe ich nämlich die Neuorganisation des St. Galler Bauernverbandes», erklärt er. Dazu gehörte eine Reduktion der Mitglieder des Vorstandes von 17 auf neun. Damit die regionalen und die Fachorganisationen weiterhin Gehör fanden, wurde der Landwirtschaftsrat geschaffen. Er wirkt an den Stellungnahmen zu wichtigen Landwirtschaftsfragen sowie den entsprechenden Parolenfassungen vor Abstimmungen und Wahlen mit. «Meine Hauptaufgabe war in all den Jahren die politische Interessenvertretung zugunsten guter Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft», erklärt Müller. «Dazu kamen der Ausbau der Kommunikation nach innen und aussen und der Aufbau neuer Dienstleistungen für die Bauernfamilien.» Mit dem Resultat, dass innerhalb der Organisation neue Kleinunternehmen entstanden. Bei Müllers Stellenantritt bestand einzig der Betriebshelferdienst. Neu dazu kam der KUT (Kontrolldienst für umweltschonende und tierfreundliche Qualitätsproduktion). Kontrolliert werden jährlich etwa 2000 Betriebe. Der Bauernverband hat ausserdem seit Mitte der 90er-Jahre die Versicherungsberatung ausgebaut und führt die Regionalstelle St. Gallen der bäuerlichen Krankenkasse Agrisano mit bereits gegen 12 000 St. Galler Mitgliedern. «Unsere Dienstleistungen stärken einerseits die Geschäftsstelle und bescheren anderseits dem Verband zusätzliche Einnahmen.»

Erfolgreicher «St. Galler Bauer»

1975 zählte man im Kanton St. Gallen 6400 hauptberufliche Landwirte. Heute sind es noch 3500. Umso überraschender ist der Erfolg des «St. Galler Bauer», der wöchentlichen Zeitschrift für den ländlichen Raum. Trotz Rückgangs der bäuerlichen Bevölkerung stieg die Zahl der Abonnenten kontinuierlich auf heute 11 317 beglaubigte Exemplare.

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