Bauern in zwiespältigen Rollen

In Dreibrunnen bei Bronschhofen fand am Sonntagnachmittag eine Landsgemeinde von Ostschweizer Bauern statt. Sie stand unter der Frage: Lässt die Politik die Schweizer Landwirtschaft fallen?

Claudia Schmid
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Angeregte Debatte vor der Kulisse des Idda-Theaters: Ein Landwirt am Mikrofon zwischen den Podiumsteilnehmern – PR-Mann Klaus J. Stöhlker, Landwirt und Grossrat Samuel Graber und Volkswirtschafts-Professor Mathias Binswanger (von links). (Bild: Ralph Ribi)

Angeregte Debatte vor der Kulisse des Idda-Theaters: Ein Landwirt am Mikrofon zwischen den Podiumsteilnehmern – PR-Mann Klaus J. Stöhlker, Landwirt und Grossrat Samuel Graber und Volkswirtschafts-Professor Mathias Binswanger (von links). (Bild: Ralph Ribi)

Bronschhofen. Ob es am unsicheren Wetter oder den Sommerferien lag? Nur etwas über hundert Leute fanden am frühen Sonntagnachmittag den Weg nach Maria Dreibrunnen, wo die Neue Bauernkoordination Schweiz (NBKS) nach 2002 die zweite Bauernlandsgemeinde durchführte.

Zwei Referate und eine Podiumsdiskussion standen auf dem Programm. Matthias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre, sprach zum Thema «Abhängigkeit der Bauern durch das Direktzahlungssystem». PR-Berater Klaus Stöhlker stellte seine Ausführungen unter den Titel «Bauer – Unternehmer – Bettler».

Unterstützung ist nötig

Mathias Binswanger ging der Frage nach, weshalb es immer die Bauern sind, welche in der freien Marktwirtschaft mit dem Überleben Mühe haben. Nicht nur in der Schweiz, sondern fast überall auf der Welt könnten sie nur existieren, wenn ihre Leistung geschützt und unterstützt werde. Im Gegensatz zur Industrie seien die Wachstumsmöglichkeiten in der Landwirtschaft begrenzt. Ihr Bestreben sei aber auch nicht rein ökonomisch ausgerichtet, sondern stehe für Versorgungssicherheit, gesunde Ernährung, Erhaltung der Kulturlandschaft und Ökologie. Dies seien alles gute Gründe, um die Landwirtschaft in der Schweiz zu erhalten.

Damit die Bauern aber überleben könnten, brauche es zwingend geeignete Bedingungen, meinte Binswanger. Dazu gehörten Direktzahlungen und ein gewisser Grenzschutz. In der heutigen Zeit reiche dies jedoch nicht aus: Die Bauersleute könnten viel zu wenig an der Wertschöpfung der landwirtschaftlichen Produkte partizipieren. In diesem Bereich brauche es neue Ideen und Möglichkeiten.

Innovativ sein

Klaus Stöhlker rief die Bauern dazu auf, selber zu handeln. Sie müssten vermehrt zeigen, wie sie arbeiteten. Kaum jemand in der Schweiz wisse, wie es genau auf einem Bauernhof zu- und her- gehe. Der Bauer als Einzelkämpfer habe kaum eine Chance mehr. Es gehe darum, mit dem Nachbarn zu reden und zusammenzuspannen. Wer Schulden habe, solle sie demnächst abbauen, da die Zinsen steigen würden.

«Die Bauern müssen ihren Willen zur Unabhängigkeit zeigen und sich nicht von den Parteien abhängig machen», schloss der Referent seine Ausführungen. Auf dem Podium nahmen anschliessend zusätzlich Bergbauer Samuel Graber und Ökonom Christof Dietler, Geschäftsführer von Agrarallianz, Platz.

Bauern nur Landschaftsgärtner?

Er sehe die Situation der Landwirtschaft viel positiver, als es die Referenten geschildert hätten, erklärte Dietler. Die neusten Bestrebungen zeigten, dass die Bauern von der Politik ernst genommen würden. Durch die Direktzahlungsreform profitiere die Landwirtschaft auf verschiedenen Ebenen. Anders sah es Bergbauer Samuel Graber. Das neue Direktzahlungssystem gehe in eine falsche Richtung. Es werde vielen Bergbauernbetrieben den Todesstoss versetzen. Die Arbeit der Landwirtschaft verkomme zur Landschaftsgärtnerei, die nur noch von Vorschriften bestimmt werde.

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