BAU: Wenn der Spatenstich ungewiss ist

Mehrere Grossprojekte sind in der Region Rorschach durch Einsprachen blockiert – manche werden schon seit Jahren verzögert. Für Bauunternehmen ist das ein Problem.

Drucken
Teilen

Während auf dem Seehof-Areal in Rorschach vergangene Woche der Kran gestellt worden ist, ist beim «Schäfli» in Goldach noch nicht einmal der Abbruchhammer am Werk. Eine Einsprache verzögert die Überbauung im Dorfzentrum. Daran stört sich nicht nur der Gemeindepräsident («Tagblatt»-Ausgabe vom 4. Ju­li). Auch für die Baubranche werden Verzögerungen durch Einsprachen und Rekurse zunehmend zum Problem.

Der Goldacher Paul Christinger ist Präsident des regionalen Baumeisterverbands. Er weiss, wo den Bauunternehmern der Region der Schuh drückt. «Immer mehr Bauprojekte werden durch Einsprachen verzögert. Das bereitet uns Mühe», sagt er. Für die Bauunternehmungen machten solche Verzögerungen die Planung der Ressourcen sehr schwierig. Christinger, selber Spartenleiter Tiefbau bei der Hastag St. Gallen Bau AG, hat solche Fälle schon am eigenen Leib miterlebt. Ein Fünf-Millionen-Franken-Auftrag in Herisau sei beispielsweise ein Jahr lang hinausgezögert worden. «Man weiss nicht, wie lange die Verfahren dauern. Und wenn die Baubewilligung dann plötzlich vorliegt, wird’s hektisch.»

Rekurse werden in der Branche nicht gerne gesehen

Einsprache erheben kann nicht jeder. In der Regel muss ein Einsprecher in der Nachbarschaft wohnen und von einem Bau direkt betroffen sein. Im kantonalen Planungs- und Baugesetz heisst es dazu: «Wer ein eigenes schutzwürdiges Interesse dartut, kann während der Auflagefrist bei der zuständigen Gemeindebehörde Einsprache erheben.» So reden Bauherren gerne vom «guten Recht der Bürger», wenn man sie auf laufende Einsprachen oder Rekurse anspricht. In der Branche werden Rekurse aber nicht gerne gesehen. Denn durch solche können Verzögerungen erzwungen werden. So etwa bei der Überbauung Zentrumswiese Tübach, der Sanierung der Hauptstrasse in Rorschach oder jener der Blumenstrasse in Goldach. Bei der geplanten Goldacher Zentrumsüberbauung auf dem Schäfli-Areal verzögert ein Einsprecher den Baustart gar seit mehreren Jahren. Das wiederum bringt finanzielle Einbussen für die Bauherrschaft mit sich. Baukostenteuerung, Ausfall des Mietzinses, allfällige Verfahrenskosten. Wie auch die Gemeindebehörden fordert die Baubranche von den nächsten Instanzen wie dem kantonalen Baudepartement und dem Verwaltungsgericht deshalb eine schnelle Bearbeitung der Einsprachen und Rekurse.

Nicht immer seien Einsprachen Grund für die verspäteten Baubeginne, sagt Paul Christinger. Ein Beispiel ist die Sanierung der Autobahn zwischen Rheineck und St. Margrethen. Wegen eines finanziellen Engpasses hatte das Bundesamt für Strassen Astra das Projekt Ende 2015 kurz vor Beginn gestoppt. Alle beteiligten Firmen rechneten damals fest mit dem Auftrag über zwei Jahre. Der plötzliche Stopp führte dazu, dass sich die Unternehmen innert kürzester Zeit Ersatzprojekte suchen mussten. «Dann fällt der Preis wie an der Börse.»

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch