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BASISCH GESUNDEN: Steile Vorlage für Schabernack

Der Januar ist in der Kellerbühne immer fürs Cabaret Sälewie reserviert. Seit Silvester sorgt das Ensemble für Neujahrsheiterkeit – mit viel saftigem Fleisch am Knochen.
Brigitte Schmid-Gugler
Das Cabaret Sälewie in bester «Lifesteil»-Form: Thomas Frischknecht, Rosanna Schmid, Thomas Keller und Katrin Schatz. (Bild: Benjamin Manser)

Das Cabaret Sälewie in bester «Lifesteil»-Form: Thomas Frischknecht, Rosanna Schmid, Thomas Keller und Katrin Schatz. (Bild: Benjamin Manser)

Brigitte Schmid-Gugler

brigitte.schmid

@tagblatt.ch

Da steigt man also wieder mal hinunter in den Keller der Kunst und findet vor: Einen vollgepackten Zuschauerraum. Ein vergnügtes Publikum, das sich mehrheitlich gegenseitig zu kennen scheint. Die linke Stuhlnachbarin kennt jedenfalls die rechte. Sie haben’s vom letzten Kegelabend und kennen sich und die ganze übrige Sitzreihe vom Lehrerinnenseminar. Die sich kennen, gehen schauen, was sie kennen – «wir kommen dann noch zum Mike Müller, der vom Fernsehen» – und lachen über das, was man im Alltag «genau so isch es!» auch erlebt.

«Lifesteil» heisst das diesjährige Programm und gad ase geht es dann neunzig Minuten durch die Höhen und Niederungen optimierten Lebens. Katrin Schatz – sie ist und bleibt das langlebige Zugpferd des Sälewie – ist schauspielerisch und sängerisch in den allerbesten Jahren. In der Nummer «So romantisch» – die Texte hat Andreas Härter mit dem Ensemble zusammengestellt – gibt sie hinreissend die einsame Singlefrau, die ungeduldig auf ihr Date wartet.

In Lehrer- und Schlafzimmer hineingehört

Es kommt dann der Mann von der Drohnen-Versicherung. Aber was soll’s. Mann ist Mann und der hier erst noch ein junger, knackiger. Die beiden männlichen Darsteller Thomas Frischknecht und Thomas Keller bringen frischen Wind ins Sälewie und laufen als Primarlehrer, die den Kindern «verschiedene Religionen» nahebringen müssen, zu Höchstform auf. In den Zuschauerreihen wird so heftig gekreischt und geklatscht, dass man meinen könnte, die beiden plauderten aus dem Nähkästchen. Aber jetzt ist Schulschluss, Ramadan oder Feierabend.

Rosanna Schmid, die das Quartett abrundet, auch sie ausgestattet mit viel Talent und einer hervorragenden Singstimme, feilt sich gelangweilt die Fingernägel. Ihr Mann, nicht minder dumpf, blättert in einer Zeitung. Weils Montag ist, käme nun bald die fein säuberlich datierte Beischlafnacht. Aber das Entsetzen in den Augen lässt darauf schliessen, dass die beiden eher den Frühstückseiern nachplanen.

In Einkaufstüten und Stuben geschaut

Cabaret, Satire, Persiflage gehen heutzutage kaum mehr ohne die Themen um ökologisches Handeln in allen Lebenslagen. Sei’s zwischen Laken oder am Esstisch. Zu den besten Nummern gehört die vom Einkauf im Bioladen. Der jungen Schonkostgängerin (Rosanna Schmid) erscheinen beim Auspacken Wüstlinge (Schatz, Frischknecht, Keller), die ihr die Einkäufe als Sündenfälle vermeintlicher Heimatproduktion um die Ohren fliegen lassen. Rot anlaufen tun die Lauschsegler auch beim penetranten abendlichen Überfall der Telefonwerbung. Rot kommt auch sonst als Textfarbe gut hin: Empörung über «fehlendes Desinteresse» von solchen, die noch an Abstimmungen teilnehmen. Ärger am Zoll, wenn man vom günstigen Einkauf in Deutschland kommend von der deutschen Beamtin zum Bezahlen der Mehrwertsteuer an den Schweizer Übergang geschickt wird. Konsterniertheit, wenn die Partygäste, Veg- und andere -aner dank «Foodle», ihre Vorlieben, Allergien, ideologisierten Ess- und Trink(un)verträglichkeiten vorankünden dürfen.

Den Puls des Wohlfühllebens gemessen

Doch «Alles wird gut» singen die beiden Thomasse mit smartem Silbereisen-Grinsen. «Ich lebe heute und nicht morgen. Selber schuld, wer das nicht tut». Auf der «Achterbahn» des Lebens schmaucht doch jeder dann und wann sein Egoisten-Pfeifchen und bei «Lifesteil» gehts einewäg nicht ums Teilen, sondern ums Austeilen. Wenn auch mit Samthandschuhen. Sälewie ist nicht auf Irokesen-Kamm-Boshaftigkeit aus. Und wo es, wie vielleicht andeutungsweise in «I wött i d Politik» die personale, oder in «Auf Sumpf gebaut» die städtebauliche Politik auffächelt, bleibt alles in der rosaroten Komfortzone des Spotts. Es ist einfach alles zum Lachen. Nicht mehr und nicht weniger. Regisseurin Sarah Fuhrmann choreografiert die Tempi und schafft szenisch Platz für die Plots. Simon Meier, der Pianist, begleitet sämtliche Singstücke leichthändig und bravourös. Schade nur, dass man ihn hinter dem Klavier so versteckt auftreten lässt, dass nur sein halber Kopf darüber hervorlugt. Stylish vielleicht.

Weitere Vorstellungen:

Bis Ende Januar; www.sälewie.ch

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