Barfuss auf dem Acker kicken

Dieses Wochenende findet in Tübach das 50. Grümpi statt. In den Anfangsjahren war Anton Bock als Turnierleiter tätig. Er erzählt, wie alles begonnen hat und warum er zwischenzeitlich dem Turnier fernblieb.

Christoph Renn
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Anton Bock hat das Grümpi Tübach mit der Vereinigung Hatte und dem Männerchor vor 50 Jahren ins Leben gerufen. (Bild: Christoph Renn)

Anton Bock hat das Grümpi Tübach mit der Vereinigung Hatte und dem Männerchor vor 50 Jahren ins Leben gerufen. (Bild: Christoph Renn)

TÜBACH. Die Tore sind aus Holz und selbst gehämmert. Eine Garderobe gibt es nicht. Die Fussballspiele werden auf einem Acker ausgetragen – mit Löchern und Dung. Die Hobby-Kicker jagen barfuss, in Socken oder in Wanderschuhen dem runden Leder hinterher – der Dorfkäser stolpert in seinen Stahlschuhen über den Rasen. Nur während der Kirche rollt kein Ball. Diese Szenerie spielte vor 50 Jahren. Damals fand das erste Tübacher Grümpi statt. «Das Turnier war sofort ein riesen Erfolg. Die Razzenfödle haben die Erstaustragung gewonnen», erzählt der 79jährige Anton Bock, der als Turnierleiter bei der Grümpi-Gründung dabei war.

Feiern bis zum Morgengrauen

In Erinnerung blieb dem Tübacher Anton Bock aber nicht nur der Sieger des ersten Turniers. «Die anschliessende Feier dauerte bis in die frühen Morgenstunden», sagt er. Am folgenden Tag humpelten die meisten Fussballer. «Das Dorf glich einem Lazarett, denn wir hatten noch keine bequemen Fussballschuhe», erzählt er.

Ins Leben gerufen hat das Tübacher Grümpi die Vereinigung Hatte – gegründet 1960 zur Pflege von Kameradschaft und sportlicher Ertüchtigung – zusammen mit dem Männerchor. «Wir spielten an den verschiedensten Grümpelis in der Region und sammelten so Erfahrungen», sagt Bock. Deshalb sei die Durchführung des Tübacher Grümpi kein Problem gewesen.

Besuch aus Stuttgart

Im darauffolgenden Jahr erfreute sich das Organisationskomitee neuer Mitglieder. Einer von ihnen war der gebürtige Stuttgarter Wolfgang Fluck. Und so kam es, dass die Tübacher Fussballer internationale Konkurrenz erhielten. «Sein Bruder besuchte uns jeweils am Grümpi mit einer starken Mannschaft aus Stuttgart», sagt Bock. Doch die Fussballszene in Tübach wurde noch internationaler. «Wir organisierten ein Spiel der Frauen von Tübach gegen die Stuttgarterinnen.» Die Spielerinnen seien von den Nationalhymnen aufs Feld begleitet worden, und gepfiffen hatte das Spiel der damalige Bezirksammann Waldemar Markwart. Das Spiel gewannen die Gäste mit 4:0. «Unsere Frauen haben die Gäste natürlich gewinnen lassen», schmunzelt Bock.

Besuch erhielt das Tübacher Grümpi auch aus der nationalen Fussballelite. An einen erinnert sich Bock besonders: «In der Mannschaft Oberschule 68 spielte Louis Frei mit, der mit dem FC St. Gallen 1969 Cupsieger wurde», erzählt Bock.

Feiern statt rennen

Nach 18 Jahren gaben die Gründer des Grümpi Tübach das Turnier an den Turnverein weiter. «Sie organisierten das Turnier etwas anders. Mir hat die lockere Spielplanung nicht gefallen. Ich habe das Grümpi einige Jahre nicht mehr besucht», sagt Anton Bock. Mit dem jetzigen Organisationskomitee, bestehend aus Patrick Bischoff, Vittorio Bellini und Philipp Lutz, habe das Grümpi wieder an Charme gewonnen. «Heute spielen die Mannschaften jedoch primär um den Sieg. Zu unserer Zeit waren wir eine grosse Gemeinschaft, die vor allem das Zusammensein genoss.»