Bahnreisende angegriffen

Im Juli 2014 hat ein Mann im Zug von St. Gallen nach Gossau einen Bahnreisenden provoziert und ihn sowie seine Kollegen mit Faustschlägen traktiert. Anfang Woche wurde er mehrfach verurteilt.

Claudia Schmid
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Der 28jährige Schweizer war im Juli 2014 nach Mitternacht in einen Zug von St. Gallen nach Gossau gestiegen. Er sei sehr betrunken gewesen und deswegen gestolpert, erklärte er dem vorsitzenden Richter am Kreisgericht St. Gallen. Weil ihn eine Gruppe von Männern deswegen ausgelacht habe, habe er dem einen die Sonnenbrille weggenommen. Das habe er nur getan, weil er provoziert worden sei.

Pfefferspray statt Messer

Laut Staatsanwaltschaft versuchte er, dem Mann einen Fusstritt an den Kopf zu verpassen. Als einer der Kollegen des Opfers ihn am Fuss festhielt, soll er auf die Bahnreisenden eingeschlagen haben. Daraufhin kamen zwei Beamte der Bahnpolizei hinzu, die er zuerst beschimpfte. Dann soll er aus der Hosentasche ein Messer gezogen haben. Der Beschuldigte, der eine Freiheitsstrafe wegen früherer Delikte absitzt, versicherte, es habe sich um Pfefferspray gehandelt. Auch nach dem Verlassen des Zuges verhielt er sich gemäss Anklage aggressiv und warf Schottersteine gegen die Bahnpolizei. Beamte der Kantonspolizei, die ihn schliesslich festnahmen, beschimpfte und bedrohte er ebenfalls massiv.

Einige Wochen später war er am Hauptbahnhof St. Gallen in eine Schlägerei verwickelt und verhielt sich wieder aggressiv gegen die Polizei. Er sei mehrfach von den Beamten geschlagen worden, betonte er. Sie hätten ihm die Nase gebrochen. Er habe eine Anzeige machen wollen, doch höre ihm niemand zu.

Mehrfach vorbestraft

Der Mann sei mehrfach vorbestraft, erklärte der Staatsanwalt. Immer wieder suche er Streit und verhalte sich gewalttätig. Bei der Hausdurchsuchung seien zwei verbotene Schlagstöcke gefunden worden. Ausserdem warf ihm die Anklage Betäubungsmittelkonsum vor. Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten, eine Geldstrafe und eine Busse. Trotz laufender Verfahren mache er sich immer wieder strafbar. Sein Verhalten zeichne sich durch Uneinsichtigkeit aus.

Der Verteidiger verlangte mehrere Freisprüche und eine Geldstrafe oder allenfalls eine milde Freiheitsstrafe. Nicht alle Anklagepunkte seien zweifelsfrei bewiesen, erklärte er. So habe man beispielsweise kein Messer beim Beschuldigten gefunden. Es stelle sich zudem die Frage, ob er zum Zeitpunkt der Straftaten wegen des Alkoholkonsums voll zurechnungsfähig gewesen sei. In seinem Plädoyer verwies der Verteidiger auch auf die schwierige Kindheit seines Mandanten.

Diverse Verurteilungen

Das Kreisgericht fällte einige Freisprüche, verurteilte den Beschuldigten aber für eine längere Liste an Straftaten. Es sprach eine Freiheitsstrafe von einem Jahr aus, eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à zehn Franken und eine Busse von 1200 Franken. Auf den Vollzug einer bedingten Strafe aus dem Jahr 2013 verzichtete das Gericht.