Bäume opfern für offenen Bach

RORSCHACHERBERG. Die Gemeinde Rorschacherberg lässt den sanierungsbedürftigen Wilenbach offenlegen. Der neue Bachlauf wird den Warteggpark bereichern. Damit er Platz hat, müssen aber Bäume weichen beim und vereinzelt auch im Park.

Fritz Bichsel
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Ab nächsten Montag öffnen Motorsägen eine Schneise. Nebst Gestrüpp und Büschen werden gut zwanzig mittlere und grosse Bäume entfernt, wo der Wilenbach wieder offen fliessen wird oder Baumaschinen Platz brauchen.

Durch Wald und Parkallee

Der Bach am Westrand des Warteggparks bekommt unter der Thalerstrasse hindurch (bei der Wilen-Garage) ein grösseres Rohr und dann ein offenes Bett entlang der Alten Wilenstrasse, durch das Wäldchen auf Höhe der früheren Zufahrt zum Schloss und durch die untere Hälfte des Parks. Die Strasse führt künftig über eine Brücke. Beim untersten Tor wird ein Abschnitt des Bachs eingedolt, damit Zugang zum Park und auf den nördlichen Weg zum Schloss entsteht. Dieser Weg wird neu angelegt, wieder wie ursprünglich zwischen der Allee. Der dort in Hinblick auf eine Überbauung dieses Parkteils angelegte Fahrweg und der angrenzende Parkplatz werden abgebrochen und wieder zu Grünfläche.

«Verlust, der weh tut»

Von den Baumfällungen ist das Wäldchen westlich der Alten Wilenstrasse am meisten betroffen. Es liegt zwar ausserhalb des Parks, prägt diesen aber stark mit. Dem weiteren Bachlauf stehen unterhalb der Strasse auch Bäume im Park im Weg. «Es werden nur Bäume gefällt, die zwingend weg müssen», sagt Martin Klauser. Er ist als Landschaftsarchitekt Baumfachmann und vertritt bei diesem Projekt als Stiftungsrat die Stiftung Landschaftspark Wartegg. Ihr gehört der mit Millionen aus Steuern und Spenden vor Überbauung bewahrte Teil des Parks, durch den der Wilenbach wieder offen fliessen wird. Hauptsächlich betroffen seien Ahorn, also immerhin keine seltene Baumart. Im Wäldchen sei eine gewisse Auslichtung erwünscht. Es treffe aber auch markante Bäume, «deren Verschwinden weh tut». Am untersten Teil des neuen Bachlaufs werden einige neue Bäume gepflanzt. Am Grossteil der Ufer bleiben Wiesen – auf der neuen Böschung artenreich angesät.

Wegen Hochwassergefahr

Die Bürgerschaft genehmigte vor bald zwei Jahren den Gesamtkredit von zwei Millionen Franken. Davon bezahlen der Bund 35 und der Kanton 32 Prozent. Die Gemeinde muss noch rund 700 000 Franken decken aus der Gewässerschutzreserve. Nach Verzögerung wegen einer Einsprache und mit der Detailprojektierung ist nun nach Auskunft von Gemeindepräsident Beat Hirs rechtlich, planerisch und finanziell alles geregelt.

In den wieder offen fliessenden Wilenbach wird auch Wasser geleitet, das entlang der Bahn Heiden–Rorschach gegen Siedlungen fliesst. Erhebungen für die Gefahrenkarte zeigten, dass deswegen Hochwassergefahr besteht. Das löste das Projekt für die Neuanlage des Bachs aus. Der Bachlauf wird für grosse Siedlungen Gefahr reduzieren und für die ganze Bevölkerung den Warteggpark aufwerten. Deshalb erhebt die Gemeinde keine Beiträge von den Eigentümern im Einzugsgebiet.

Wie oben an der Strasse wird der Wilenbach auch in diesem Teil des Warteggparks wieder offen fliessen. (Bild: Fritz Bichsel)

Wie oben an der Strasse wird der Wilenbach auch in diesem Teil des Warteggparks wieder offen fliessen. (Bild: Fritz Bichsel)