Bänke raus für die Offene Kirche

Die Offene Kirche St. Gallen hat grosse Pläne: Weil sie in wenigen Jahren einem HSG-Neubau auf dem Platztor-Areal weichen muss, will sie in die Kirche St. Mangen einziehen – und sie bei dieser Gelegenheit komplett neu gestalten.

Janique Weder
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Die Kirche St. Mangen soll der neue Wirkungsort der Offenen Kirche St. Gallen werden. (Bild: Benjamin Manser)

Die Kirche St. Mangen soll der neue Wirkungsort der Offenen Kirche St. Gallen werden. (Bild: Benjamin Manser)

Barfuss tanzen und meditieren in der Stille: Die Angebote der Offenen Kirche sind mehr Event als Gottesdienst und sollen auch Menschen ansprechen, die mit der Kirche wenig bis nichts am Hut haben. Doch die Offene Kirche steht vor einem Problem. Spätestens im Jahr 2020 muss sie von ihrem jetzigen Standort auf dem Platztor-Areal weichen. Dann sollen dort die Bauarbeiten für einen Neubau der Universität St. Gallen beginnen.

Der für die Offene Kirche zuständige ökumenische Verein Wirkraum Kirche sucht deshalb nach einem neuen Standort. Nun zeichnet sich eine Lösung ab. Wie aus einer Medienmitteilung hervorgeht, ist der Verein mit der Vorsteherschaft der evangelisch-reformierten Kirche St. Mangen im Gespräch. Denn die Kirche sei «ein bedeutender Kraftort».

Eine Kirche der Stille soll es sein

Doch der Verein Wirkraum Kirche will nicht nur umziehen, sondern gleich Hauptakteur werden. «Die Idee ist, die Kirche St. Mangen komplett an den Verein zu übergeben», sagt Theodor Pindl, Intendant von Wirkraum Kirche. Er möchte die Chance nutzen und die Kirche St. Mangen inhaltlich neu ausrichten. «Wir wollen auf keinen Fall eine klassische Kirche sein», sagt Pindl. Ihm schwebe vielmehr eine «Kirche der Stille» vor. Heisst: Keine Kirchenbänke, sondern ein leerer Raum, der Platz für verschiedene Vereine und Organisationen bietet und abhängig von der Veranstaltung gestaltet werden kann. «Es soll nicht bei der alten Kirchenstruktur bleiben.» Er wünsche sich eine Kirche, die offen sei, sagt er – auch programmatisch – und sich auf interreligiöse Gespräche einlasse. Bedenken, dass die klassischen Kirchengänger die Kirchenbänke vermissen könnten, hat Pindl nicht. «Es sollen weiterhin Gottesdienste abgehalten werden können. Einfach mit einer flexiblen Bestuhlung», sagt er.

Orgel bleibt bestehen

Christian Kind ist Präsident der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde St. Gallen Centrum. Er betont, dass man noch in Verhandlungen stehe. Bislang seien weder definitive Entscheide gefällt noch finanzielle Fragen geklärt worden. «Wichtig ist, dass es am Schluss für alle stimmt», sagt er. So habe seine Kirchgemeinde keine Absichten, sich ganz aus St. Mangen zurückzuziehen, sondern wolle weiterhin Veranstaltungen anbieten. Die Neugestaltung und dass damit die Kirchenbänke verschwinden sollen, stört Kind nicht. Man habe bereits mit der Denkmalpflege gesprochen: «Die Bänke gehören nicht zum schützenswerten Inventar.» Anders die Orgel: Sie bleibt auf alle Fälle.

Offene Kirche wird Kunstprojekt

Auch wenn viele Fragen noch ungeklärt sind – Theodor Pindl vom Verein Wirkraum Kirche hofft, 2017 in die Kirche St. Mangen einziehen zu können. In jenem Jahr erhält die Stadt St. Gallen von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas das Label Reformationsstadt Europas. Gleichzeitig dürfe die Offene Kirche am Platztor nicht brachliegen bis 2020, sagt Pindl. Unter dem Projektnamen «Weltoffen» sollen ab 2017 und bis zum Abriss verschiedene Künstler die Fassade der Kirche gestalten.

Verein Wirkraum Kirche

Der ökumenische Verein Wirkraum Kirche ist der Folgeverein des Vereins Offene Kirche St. Gallen und seit Anfang dieses Jahres tätig. Wirkraum Kirche bildet die Plattform der ihn tragenden Kirchen, Kirchgemeinden und Gemeinschaften für spirituelle, kirchliche und soziale Aktivitäten auf ökumenischer Basis. Der Vorstand ist aus Seelsorgenden und Behörden der katholischen, evangelischen und christkatholischen Kirche zusammengesetzt.