BADIRUNDGANG: Wer traut sich rein?

13 Grad misst das Thermometer. So warm, oder eben kalt, ist der Bodensee in Horn. Trotzdem gibt es Mutige, die sich davon nicht abschrecken lassen und einen Sprung ins Wasser wagen.

Lisa Wickart
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«Ist voll nicht kalt», sagt der Elfjährige.

«Ist voll nicht kalt», sagt der Elfjährige.

«Brrrr!», denkt sich die Frau in Dreiviertelhosen, als sie blitzschnell ihren Fuss aus dem Wasser zieht. Kopfschüttelnd setzt sie sich wieder auf ihr Badetuch und nimmt ein Buch zur Hand. Trotz der strahlenden Sonne kann der 13 Grad warme, oder eben kalte, Bodensee sie nicht für eine Runde überzeugen. Der jungen Frau im Bikini neben ihr geht es wohl ähnlich: Seit 20 Minuten starrt sie auf ihr Handy. Den See würdigt sie keines Blickes.

Das sind sie: Die einzigen Badegäste am Mittwochmorgen in der Seebadi Horn. Der Einzige, der sich ins Wasser traut, ist ein einsamer Schwan. Von idyllischer Ruhe kann man jedoch nicht sprechen: Das laute Fräsen einer Schleifmaschine durchbricht das leise Rauschen des Winds. «Es wird einem ja fast langweilig», sagt Marius Ambühl, Pächter des Restaurants. Viele Schnitzelbrote verkauft er momentan nicht, darum schleift er die Sitzbänke. «Gestern waren immerhin rund 30 Besucher hier», sagt er und begrüsst einen vorbeigehenden Rentner. Gast Nummer drei ist angekommen. «Also baden geh ich jetzt sicher nicht», sagt An­dreas Schärrer und lacht. Da müsse das Wasser schon mindestens 18 Grad warm sein. Langsam schlendert der Stammgast Richtung Umkleidekabinen. Hat er es sich trotzdem anders überlegt? Mit einem Sonnenschirm in der Hand kehrt er zurück. Er stellt ihn auf und steckt sich seinen Platz ab. Hier bleibt er vorerst.

14 Grad warm soll der Bodensee in Goldach sein. Dies steht zumindest am Eingang des Freibads Seegarten. Vom fünf Grad wärmeren Schwimmbecken lassen sich die Badegäste eher überzeugen: Zwei Frauen schwimmen gelassen ihre Längen. Ihre Alltagsgespräche dürfen dabei nicht fehlen. Momentanes Thema: Darmspiegelungen. Plötzlich rennt ein jauchzendes Kind über die Liegewiese. Der Grund für seine Freude ist nicht das Kinderbecken oder die Rutsche, sondern der riesige Hot Dog in seiner Hand. Überglücklich lässt sich der Bub auf seinen gelben Campingstuhl fallen. Genüsslich beisst er in das Objekt der Begierde. Auf einen eigenen Hot Dog warten die Badegäste an der Theke des Restaurants. Die Liegestühle auf der Wiese haben sie sich bereits reserviert. Fein säuberlich und faltenlos liegen darauf ihre Badetücher. Der Bademeister steht daneben und späht Richtung Wasser. Am menschenleeren Uferrand sucht er nicht etwa Ertrinkende, sondern ganz bestimmte Boote. «Auf dem See dreht heute ein Filmteam», erzählt er aufgeregt. Wer den Werbespot dreht, will er nicht verraten. «Die haben Meerjungfrauen dabei», schwärmt er. Ins Wasser will Bademeister Boris Schneider bei diesen Temperaturen trotzdem nicht: «Nur wenn ich muss.»

Es ist ja eh schon Sommer

Der Parkplatz vor der Badi Rorschach sieht am Mittwochnachmittag um einiges vielversprechender aus. Mehrere Kinder­velos reihen sich aneinander, daneben stehen einzelne Autos. Zu hören ist das typisches Badigeräusch: schreiende Kinder. Tatsächlich tummeln sich bei genauerem Hinsehen etwa fünfzehn von ihnen im Becken. «Ist voll nicht kalt», sagt ein Elfjähriger. Als er und seine Freunde erfahren, dass das gute Wetter bald vorbei sein wird, zeigen sie sich unbeeindruckt: «Wir gehen auch rein, wenn es regnet, mega egal.» Es sei ja schliesslich schon Sommer. Mega egal ist den anderen Gästen die Wassertemperatur nicht: Diese bleiben lieber in der Sonne auf ihren Badetüchern liegen.

Sonnen statt baden ist in Staad das Motto. Aus den liegenden Körpern erhebt sich ein älterer Mann. Langsam geht er zum Uferrand und bleibt stehen. Unsicher starrt er ins Wasser. Er kratzt sich am Hinterkopf und denkt nach. Plötzlich wird er von einem lauten Tosen unterbrochen. Über die Badi fliegt ein Flugzeug. Ein heisser Sandstrand, rauschende Wellen und erfrischende Cocktails an der Strandbar: Dies könnte die Fluggäste erwarten. Seufzend lässt sich der Mann wieder auf seinen Liegestuhl fallen.