Bach soll wieder natürlich fliessen

Um den Hochwasserschutz zu gewährleisten und einen ökologischen Mehrwert zu erreichen, soll der eingedolte Unterschachenbach im Osten der Stadt offengelegt werden. Bis morgen liegen die Pläne für das Projekt öffentlich auf.

Kathrin Reimann
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Im Bereich dieser Wiese soll der Unterschachenbach dereinst wieder natürlich fliessen. Derzeit ist er eingedolt und somit unsichtbar. (Bild: Benjamin Manser)

Im Bereich dieser Wiese soll der Unterschachenbach dereinst wieder natürlich fliessen. Derzeit ist er eingedolt und somit unsichtbar. (Bild: Benjamin Manser)

Der Unterschachenbach, im Osten der Stadt, nahe der Ruine Falkenstein, wurde in den 1960er-Jahren eingedolt. Mit solchen Aktionen wollte man zu dieser Zeit Land gewinnen, etwa für eine städtische Deponie, die früher dort beheimatet war.

Offener Bach entspricht Wetter

Heute schenkt man den Bächen wieder mehr Bedeutung, wie Beat Rietmann, Leiter des Tiefbauamtes, erklärt. «Dies hängt einerseits mit dem Hochwasserschutz, andererseits mit der Ökologie zusammen.» So hätten etwa die Unwetterschäden in Kradolf, die sich vor kurzem ereignet haben, gezeigt, was ein eingedolter Bach alles bewirken kann. «Die Einlaufstellen können nur begrenzt Wasser aufnehmen, fliesst zudem Kies oder Holz rein, muss sich das Wasser einen anderen Weg suchen.» Einem offengelegten Bach könne auf seiner ganze Länge Wasser zufliessen und bei entsprechender Dimensionierung in diesem geordnet abfliessen. Auch Flora und Fauna hätten die Möglichkeit, sich in einem geöffneten Bach auszubreiten, was im eingedolten nicht der Fall sei.

Bauverbot für betroffenes Gebiet

Bereits 2003 waren im Zusammenhang mit der baulichen Entwicklung des Gebietes Varianten zur Sanierung des Baches ausgearbeitet worden. Dass diese nun angepackt werden, hängt mit einem Baugesuch der ansässigen Firma Emil Egger AG zusammen. «Das Wasserbaugesetz und die Gewässerschutzverordnung erlauben es grundsätzlich nicht, ein Fliessgewässer zu überbauen», erklärt Rietmann. Deshalb habe man das Projekt genau zum jetzigen Zeitpunkt weiter bearbeitet.

Um dies aber überhaupt zu ermöglichen, mussten zuerst diverse Einzelheiten mit den zahlreichen betroffenen Grundeigentümern geklärt werden. Zu diesen zählen nebst der Emil Egger AG auch die Max Müller AG, die Stutz AG, die Bogen Immobilien AG, die Sankt Galler Stadtwerke und die Stadt-Liegenschaften und Kantonsstrassen. «Für eine einvernehmliche Vereinbarung unter den Grundeigentümern sind das Projekt samt Baulinienplan für die Gewässerraumfestlegung, die Kostenaufteilung für den Bauperimeter und der Unterhaltsperimeter die wichtigsten Grundlagen», sagt Rietmann. Alle Beteiligten hätten sich äusserst kooperativ gezeigt, so dass Projekt und Vereinbarung schnell ausgearbeitet werden konnten. Sie sind noch bis morgen Mittwoch im Amtshaus an der Neugasse öffentlich aufgelegt. Einsprachen sind bisher keine eingegangen. Und es wird auch mit keinen gerechnet. «Das Projekt bringt den notwendigen Hochwasserschutz und einen ökologischen Mehrwert.» Der Aufwand beläuft sich für Bau- und Planungskosten auf vier Millionen Franken, wobei zwei von Bund und Kanton in Aussicht gestellt worden sind. Für den Erwerb von Land und Rechten sind Kosten von rund 500 000 Franken vorgesehen. Die Bauzeit wird auf eineinhalb bis zwei Jahre geschätzt, wenn man dabei den Winter, Unternehmerferien sowie Schlechtwetter berücksichtigt. Der Verkehr soll dabei nicht behindert werden.

Waldgebiet wird gerodet

Das Projekt sieht zudem vor, dass eine temporäre Rodung erforderlich ist. Ist der Unterschachenbach im betroffenen Waldgebiet offengelegt, wird dieser Bereich wieder artenreich aufgeforstet, wie dem Auflageprojekt zu entnehmen ist. Mit dem Revierförster stünden die Verantwortlichen wegen der Projektierung und der Kostenermittlung schon seit längerem in Kontakt.

Erst in vier bis fünf Jahren

Gehen bis Mittwoch keine Einsprachen ein, wird das Projekt wie von den Grundeigentümern vereinbart und vom Stadtrat festgelegt, rechtskräftig. Was allerdings nicht bedeutet, dass mit der Offenlegung sogleich begonnen wird. Wann der Projektplan umgesetzt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. «Eine Öffnung macht erst Sinn, wenn im betroffenen Bereich südlich der Martinsbruggstrasse eine Überbauung realisiert wird», erklärt Rietmann. Oder aber wenn die Lebensdauer der Eindolung des Baches überholt sei. «Wir rechnen damit, dass der natürliche Lauf des Bachs innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre wieder hergestellt werden kann.»