AUTOBAHNANSCHLUSS: SP verurteilt Autobahnzubringer

Die SP Rorschach Stadt am See nimmt im Rahmen der Vernehmlassung Stellung zum Masterplan des geplanten A1-Anschlusses. Die Partei kritisiert das Projekt vehement und lässt kein gutes Haar daran.

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Die Vernehmlassung zum Masterplan des A1-Zubringers Rorschach läuft bis am 31. Oktober. Bis dann können Privatpersonen und Parteien dazu Stellung nehmen. Der Kanton und die Behörden befürworten den Autobahnanschluss für die Gemeinden Rorschach, Goldach und Rorschacherberg. Ganz anders steht die SP Rorschach Stadt am See gegenüber dem Projekt. Dies geht aus dem Communiqué der Partei hervor.

Die SP schreibt, dass sie die Euphorie für den Autobahn­anschluss in keiner Weise teile und bezeichnet sich als entschiedene Gegnerin. Sie präzisiert, dass sie nicht einfach prinzipiell gegen neue Strassen sei, und betont auch, dass sie das Problem der drohenden Zweiteilung des Siedlungsraums durch die Bahnschranken der SBB anerkenne.

«Diese neue Hochleistungsstrasse ist eine grandiose Ein­ladung für die Autofahrer», schreibt die Partei und prognostiziert, dass ein Autobahnanschluss einen «überproportionalen Motorisierten-Individualverkehr-Zuwachs» zur Folge habe. Mit dem 200-Millionen-Projekt fördere man lediglich den Verkehrsträger, der bereits die grössten Verkehrsprobleme verursache. Die Folgen wären neue Staus in den Quartieren.

Siedlungsgebiete und Landschaft in Gefahr

Die Partei stört, dass in den offiziellen Verlautbarungen oft von der nötigen «Entwicklung der Region» die Rede sei. Der Autobahnzubringer wäre laut Sozialdemokraten nicht nur für Direktbetroffene spürbar. «Lärm und Abgase werden grosse Teile unseres Siedlungsgebietes tangieren.» Die Partei schreibt von einer «Technokraten-Maxime», die ein Gebiet erst als vollwertig entwickelt sehe, wenn alles vollständig überbaut sei. Dieselbe Maxime verfolge auch der Masterplan. Die Partei kritisiert ausserdem, dass Freiflächen wie Plätze, Pärke und Naturflächen ohnehin bereits zunehmend im Lebensraum abgehen würden.

Um aufzuzeigen, welche Art von «Entwicklung» ein Autobahnanschluss beschere, nennt die SP die Ausfallachsen im Siedlungsgebiet St. Gallens. Und zwar hätten diese gemein, dass sie «an Hässlichkeit nicht zu überbieten» seien. Die genannten Gebiete seien zu Unorten degradiert worden, an denen sich niemand freiwillig aufhalten wolle. Die Partei fragt sich, ob Lidl, Aldi und Konsorten den erhofften wirtschaftlichen Wohlstand bringen würden, oder ob ein Sanitärgross­handel der Schlüssel zum Wohlergehen der Region sei. Zwar wird in der Mitteilung eingeräumt, dass die Region Stadt am See durchaus auch ein Werkplatz sein solle. Dies erfordere aber keineswegs einen neuen A1-Anschluss. «Für ein Industriegebiet mag ein Autobahnanschluss von Nutzen sein», so die Partei. Die Frage sei jedoch, ob die Industriezone an zentraler Lage von Bestand sei. Dabei wird auf die Arbeitsplatzabbaupläne der Nestlé, respektive Froneri hingewiesen. Ausserdem sei die Industriezone aus raumplanerischer Sicht ohnehin offensichtlich falsch. Nach Ermessen der SP gehöre diese an die Peripherie, beispielsweise ins Goldacher Schuppisareal.

«Eine siedlungstechnische Sünde»

Das Gebiet im Herzen der drei Gemeinden sei von grosser Bedeutung, heisst es weiter. Es eigne sich für Wohn- und Gewerbenutzung und auch für öffentliche Bauten und Freiräume, wie das neue Rathaus für die «Stadt am See» oder für einen Stadtpark. Im Schreiben wird bemängelt, dass ausgerechnet in diesem «wertvollen Zukunftsgebiet» eine Schneise geplant sei, auf der künftig mit 20000 Fahrzeugen pro Tag zu rechnen sei. «Diese Strasse ist eine siedlungstechnische Sünde allerersten Ranges.»

Neben der Abwertung der Siedlungsgebiete drohe bei der Realisierung des Projekts dasselbe auch der Landschaft oberhalb der Sulzstrasse. Für den Autobahnanschluss müsse ausserdem ein «schönes Stück Wald» gerodet werden, und dies «ausgerechnet im Witenwald, einer wichtigen Naherholungszone», so die Mitteilung. Zudem mache die Strasse den Hohrain, «einen der schönsten Aussichtspunkte unserer Region», kaputt. Zwar rühme man sich dauernd ob der «privilegierten Lage am Ufer von einem der grössten Binnenseen Europas», doch nun wolle man «ausgerechnet dort eine Hauptverkehrsstrasse» bauen. «Andere schauen neidisch auf diese spektakuläre Landschaft – und wir bauen eine Hochleistungsstrasse – mit Seesicht», so der Kommentar. Ausserdem sei es «einigermassen absurd», dass an jenem Hang keine Wohnhäuser gebaut werden dürfen, aber offenbar eine solche «Hochleistungsstrasse».

Überdies stört sich die Partei am Werbeprospekt, den die Befürworter verfasst haben. «Es werden idyllisierende Bilder gezeigt. Mit Omis samt Kinder­wagen, mit einer strahlenden ­Velofahrerin und mit einem sich herzenden Paar. Eines aber sieht man nicht: Autos», so die Kritik. Dies sei «gelinde gesagt, doch eigenartig», schliesslich baue man eine Strasse mit 24800 Autos pro Tag. Die Partei wirft den Verfassern vor, dass man diese «essenziellen Aussagen» einfach weglasse, da dies kontraproduktiv sein könnte.

Hoffnung ruht auf anderen Projekten

Zu guter Letzt stört die Partei, dass man nicht zuwarte, bis Erkenntnisse zur Bäumlistorkel-Unterführung in Rorschach und der Zentrumsentwicklung Goldach vorliegen. Diese beiden Projekte habe man gutgeheissen. Man sei der Ansicht, dass damit die eigentliche Verkehrsfriktion – die Nord-Süd-Verbindung über das SBB-Trasse – langfristig gelöst werden könne. (sp/arc)