Auto verkauft und Ausweis weg

Ein Raser hat sein Auto verkaufen müssen, nachdem er mit Tempo 142 statt 80 erwischt worden war. Zudem erhielt er eine bedingte Freiheitsstrafe.

Claudia Schmid
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Der 33jährige Schweizer war vor einem Jahr um 17.45 Uhr auf der Bischofszellerstrasse in Waldkirch unterwegs. Zwischen dem Weiler Grimm und dem Golfplatz drückte er aufs Gas und geriet in eine Radarfalle. Die Auswertung ergab eine rechtlich relevante Geschwindigkeit von 142 Stundenkilometern. Erlaubt gewesen wären 80.

Unüberlegtes Handeln

Der Beschuldigte redete an der Gerichtsverhandlung nicht lange um den heissen Brei. Er wisse, dass er viel zu schnell gefahren sei, erklärte er dem Einzelrichter am Kreisgericht St. Gallen. Seine Raserfahrt bezeichnete er als unüberlegtes Handeln. Aus Dummheit habe er auf der Strecke Gas gegeben.

Der Staatsanwalt hatte in seiner Anklageschrift darauf hingewiesen, dass der Autolenker mit seiner rasanten Fahrt das hohe Risiko eines Unfalles mit Schwerverletzten oder Todesopfern in Kauf genommen habe. Zwar sei die Fahrbahn trocken gewesen, doch habe es Gegenverkehr gegeben. Die Gerichtsverhandlung fand im abgekürzten Verfahren statt. Somit hatten sich der Staatsanwalt und der fehlbare Lenker mit seinem Verteidiger im Vorfeld auf ein Strafmass geeinigt. Er akzeptiere die Strafe und werde auch die Zeit ohne Führerausweis absitzen, betonte der Beschuldigte.

Wie lange er auf seinen Führerausweis verzichten muss, wusste der Thurgauer noch nicht zu sagen. Eine schwere Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz löst jeweils zwei verschiedene Verfahren aus. Das Strafverfahren, das vom Gericht des Tatortes durchgeführt wird, urteilt über Schuld- oder Freispruch und setzt das Strafmass fest. Das Administrativverfahren ist hingegen Sache des Wohnsitzkantons. Die entsprechende Behörde – in der Regel das Strassenverkehrsamt – befindet über die Dauer des Ausweisentzugs. Beide Verfahren sind kostenpflichtig.

Mindestens zwei Jahre

Laut dem Verkehrssicherheitsprogramm «Via sicura», das seit 2013 in Kraft ist, werden Raserdelikte mit mindestens zwei Jahren Führerausweisentzug sanktioniert. Wiederholungstäter müssen den Fahrausweis grundsätzlich für immer abgeben. In Ausnahmefällen ist bei einem positiven verkehrspsychologischen Gutachten eine Wiedererteilung nach frühestens zehn Jahren möglich. Zudem besteht die Möglichkeit, die Fahrzeuge von Rasern einzuziehen.

Auch das Fahrzeug des Beschuldigten wurde zunächst beschlagnahmt. Da er es privat verkaufen konnte, wurde die Beschlagnahme wieder aufgehoben. Weil der Beschuldigte kein Wiederholungstäter ist, kann er damit rechnen, dass er den Führerausweis nach frühestens zwei Jahren wieder zurückerhält.

Strafmass bestätigt

Der Einzelrichter erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil. Die bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr bezeichnete er als eher milde. Jedoch könne dem Strafmass angesichts der Reue und Einsicht des Beschuldigten entsprochen werden. Ihm müsse nun aber bewusst sein, dass eine erneute Raserfahrt weitaus härtere Sanktionen zur Folge hätten. Die Kosten des Gerichtsverfahrens betragen knapp 4000 Franken. Auch sie muss der fehlbare Lenker bezahlen.