Auszug aus dem Künstlerhaus

Seit gestern wird im Werkhaus 45 an der Haggenstrasse in Bruggen aufgeräumt. Die an der kulturellen Zwischennutzung beteiligten Künstler ziehen Ende Monat wieder aus. Doch mindestens ein Wandbild bleibt.

Roger Berhalter
Drucken
Teilen

Samstagabend an der Haggenstrasse 45. Noch einmal hat sich im Werkhaus 45 viel Publikum versammelt. Im ganzen Haus brennen die Lichter, zum letztenmal öffnen die eingemieteten Künstlerinnen und Künstler ihre Ateliers für alle Interessierten.

Wolken zum Probieren

Im obersten Stock hat Jayn Erdmanski an diesem Finissage-Abend ihr «Sky Lab» eingerichtet. Die St. Galler Künstlerin trägt Gummihandschuhe, ihr Atelier gleicht einem Labor. Es gibt Pipetten, Mörser, Einmachgläser und Schwämmchen, die in bunten Flüssigkeiten schwimmen. «Magst du eine Wolke probieren?», fragt Erdmanski die Besucher und reicht Zuckerwatte.

Bevor die St. Galler Band Herr Bitter spielt, zieht Stephanie Amstad draussen auf der Rampenbühne ein kurzes Fazit. «Wir können stolz sein auf dieses Projekt», sagt Amstad, eine von vier Initianten der kulturellen Zwischennutzung in Bruggen. Auch wenn nach bald einem Monat «eine gewisse gesunde Müdigkeit» spürbar sei. Amstad dankt noch einmal allen Beteiligten, die das graue Geschäftsgebäude seit Anfang Juni in ein buntes Künstlerhaus verwandelt haben. Ihre Kollegin Hapiradi Wild vom OK ruft von der Bühne herab dem Publikum zu: «Geniesst diesen Raum! Wir haben ihn!»

Aufräumen bis Ende Monat

Den Raum gibt es aber nicht mehr lange. Noch bis Ende Juni dauert die Zwischennutzung, danach müssen die Künstler das Haus wieder der Stadt zurückgeben. Ihr gehört das Gebäude, und sie möchte darin künftig nicht Kulturförderung betreiben, sondern die Räume zu marktüblichen Preisen vermieten.

Nicht alle ziehen gern wieder aus. Beim Streifzug durch die Ateliers stösst man immer wieder auf den Wunsch zu bleiben. «Rettet diesen Baum und somit das Werkhaus 45!!!», heisst es beispielsweise auf einem Plakat vor einem Baum aus Zeitungspapier. «So ein Büro in der Stadt ist schon feudal», hat eine Künstlerin auf einen Pult gepinselt. Andere im Haus wehren sich dagegen, die farbigen Wände ihres Ateliers wieder zu weisseln, obwohl sie eine solche Vertragsbedingung unterschrieben hatten: «Wände können bemalt werden, müssen aber wieder weiss gestrichen werden.»

Das «Viadukt» darf bleiben

Zumindest ein Bild wird bleiben: «Viadukt» von Domenic Lang und Stefan Schöbi, eine grossformatige und dennoch dezente Sprayerei. Sie bildet das benachbarte Eisenbahnviadukt auf einer Hallenwand ab. Nicht zuletzt deshalb, weil er dieses ortsspezifische Sujet gewählt habe, dürfe er es nun auf der Wand belassen, sagt Domenic Lang. Er habe von der Stadt die entsprechende Erlaubnis erhalten.

Die Künstler vernetzen sich

Das Eisenbahnviadukt an der Wand ist nicht das einzige, was vom Werkhaus 45 bleiben wird. Die beteiligten Künstler haben im Gebäude fleissig an ihrem Netzwerk geknüpft. Viele berichten begeistert von den persönlichen Begegnungen und vom Erfahrungsaustausch der vergangenen Wochen.

Die vier Initianten des Projekts würden das Werkhaus gerne weiterführen, am liebsten für mehrere Jahre. Doch vorerst bleibt das Wunschdenken. Seit gestern wird in Bruggen wieder aufgeräumt.