AUSSTELLUNG: Kunst aus Kabelbindern

1954 wurde der Kabelbinder patentiert. 2017 zeigt Paola Walter-Soldato, dass sich mit diesem banalen Bauhilfsmittel fabelhafte Kunstobjekte zaubern lassen.

Peter Hummel
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Paola Walter-Soldato verwendet pro Objekt mehrere tausend Kabelbinder. (Bild: Peter Hummel)

Paola Walter-Soldato verwendet pro Objekt mehrere tausend Kabelbinder. (Bild: Peter Hummel)

Peter Hummel

stadtredaktion@tagblatt.ch

Das Parterre 33, die «Plattform für Passionen» an der Rorschacher Strasse 33 in St. Gallen, überrascht immer wieder mit ungewöhnlichen Präsentationen, die sonst kaum irgendwo Platz finden. Die 45. Veranstaltung trägt den auf den ersten Blick wenig aussagekräftigen Titel «Kabelbinderobjekte» – und verblüfft mit der bislang wohl faszinierendsten, weil noch nie gesehenen Ausstellung in diesen Räumen. Jedenfalls dürfte es die exklusivste sein: Kreateurin Paola Walter-Soldato glaubt, dass sie weltweit die Einzige ist, welche Kabelbinder zu Kunstobjekten formt. An der Vernissage fand Einführungsredner Wolfgang Weigand dann auch gleich die richtige Berufsbezeichnung für sie: «Kabelbinderin ist ja viel zu banal – Paola ist eine Kabelbinder-Binderin.»

Ohne Muster und Schablonen

Dem staunenden Betrachter scheint es fast unglaublich, welche grazilen und verspielten Elemente sich mit diesem simplen Hilfsmittel von der Baustelle herstellen lassen. Es entstehen schlauchartige Hüllen, teils mehrschichtig, stets durchscheinend. Ins rechte Licht gerückt – angestrahlt oder mit eigenem Leuchtmittel – entfalten sie eine geradezu poetische Wirkung. Sie sind von einer Anmut, wie man sie in der Natur etwa von Bienenwaben her kennt. Man kann sich kaum vorstellen, dass die Künstlerin alles ohne Muster und Schablone, rein «aus dem Kopf» entwirft.

Es ist auf jeden Fall ihr Geheimnis, wie sie es schafft, so gleichmässig runde Zylinder zu formen. Immerhin gibt sie zu, dass auch sie hin und wieder ein Stück wieder aufschneiden und korrigieren muss. Nicht reden will sie über die Anzahl Stunden, die sie für ein Objekt aufwendet: «Ich habe schlicht zu zählen aufgehört.» So wie andere Krimis schauten, werkle sie halt Abende lang an ihren Leuchten. Ein minimaler Stundenlohn von ein bis zehn Franken sei wohl nicht schlecht geschätzt…

Ganz genau weiss Paola Walter-Soldato hingegen, wie viele Kabelbinder sie verwebt: «Bei einem durchschnittlichen Objekt sind es 5000 bis 7000 Stück, beim grössten waren es sogar 17000.» Da muss man sich nicht wundern, wenn im örtlichen Baumarkt grad wieder einmal die Kabelbinder ausgegangen sind. Paola Walter-Soldato könnte ihre Leuchten vermutlich problemlos in edlen Design-Geschäften feilbieten. Sie verzichtet aber bewusst darauf, ihre Kunst zum Kommerz werden zu lassen.

Kabelbinderobjekte

Ausstellung im Parterre 33 an der Rorschacher Strasse 33: heute Freitag, 10–18.30 Uhr und morgen Samstag, 10–17 Uhr