AUSSTELLUNG: Kunst aus aller Welt zwischen HSG-Hörsälen

Unter dem Stichwort «U/Art» zeigt die Universität St. Gallen an der Tellstrasse Werke aufstrebender Künstler. Die Studenten sollen auf dem Weg in die nächste Vorlesung auch etwas Gegenwartskunst mitnehmen.

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Computerspiele im Foyer: Werk des deutschen Künstlers Joscha Steffens an der Tellstrasse. (Bild: Roger Berhalter)

Computerspiele im Foyer: Werk des deutschen Künstlers Joscha Steffens an der Tellstrasse. (Bild: Roger Berhalter)

Drei Bildschirme zeigen nervöse Hände und zuckende Zeigefinger, die Computermäuse bedienen. Nein, hier wird keine Büroarbeit erledigt, vielmehr sind die Videos Teil des Werks «Teen Spirit Island» von Joscha Steffens. Der deutsche Künstler hat professionelle Computerspieler gefilmt; das Ergebnis ist seit gestern im Foyer des HSG-Gebäudes an der Tellstrasse 2 zu sehen, zusammen mit weiteren Werken von Florencia Levy (Argentinien), Anas­tasios Veloudis (Griechenland), ­Victoria Tan (Singapur) und Ivar Veermäe (Estland).

Künstler aus aller Welt stellen an der Tellstrasse seit 2012 regelmässig ihre Werke aus – öffentlich zugänglich, zwischen Hör­sälen. Die Reihe «U/Art» – bisher unter dem Namen «Art@Tell» bekannt – ist ein eigenständiges Projekt und kommt ohne Subventionen aus. Vielmehr finanziert ein HSG-Absolvent die Kunst als privater Mäzen.

Giacometti bleibt auf dem Rosenberg

Die Ausstellung steht allen offen, in erster Linie will man aber die Studenten ansprechen. Neben Obligationenrecht und Managementmodellen sollen die Studis auch etwas Gegenwartskunst eingeimpft bekommen – sozusagen nebenbei, auf dem Weg von Hörsaal zu Hörsaal.

Was an der Tellstrasse zu sehen ist, soll sich von der Kunst im Universitätsgebäude auf dem ­Rosenberg unterscheiden. «Die HSG versteht sich nicht als Galerie. Wir wollen vor allem Kunst am Bau zeigen», sagt Yvette Sánchez, Präsidentin der HSG-Kunstkommission. «U/Art» sei deshalb auch räumlich getrennt vom Unigebäude. Während dort, auf dem Rosenberg, Werke von so berühmten Künstlern wie Gerhard Richter und Alberto Giacometti zu sehen sind, soll die Tellstrasse Heimat für aufstrebende Künstler sein. «Diese sind noch nicht Teil des Kunstmarkts. Oder sie wollen gar nicht dazugehören und wählen ihre eigenen Vertriebswege», sagt Sánchez.

Einmal pro Jahr platziere man auf «alternativen Kanälen» eine Ausschreibung, um passende Künstler zu finden. Jedes Jahr erhalte man 250 bis 300 Zusendungen, von allen Kontinenten. Thamar Ette, die eigens für «U/Art» angestellte Kuratorin, sichtet alle Einsendungen und wählt fünf Künstlerinnen oder Künstler aus. Deren Werke sind anschliessend während rund sechs Monaten an der Tellstrasse zu sehen, bevor sie für eine weitere Ausstellung an eine Partneruniversität transportiert werden.

Roger Berhalter

roger.berhalter

@tagblatt.ch

«U/Art», Tellstrasse 2, bis Oktober jeweils Mo–Fr zu B&#252;rozeiten zug&#228;nglich; <%LINK auto="true" href="http://www.unisg.ch/art-tell" text="www.unisg.ch/art-tell" class="more"%>