AUSSTELLUNG: Ein Leben in Farben

Als Inhaber von Farben Müller ist Hans Krähenbühl Berater von Künstlern. Als Maler lässt er sich aber auch von ihnen inspirieren. Eben hat für ihn das Jahr der Tusche angefangen.

Beda Hanimann
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Er liebt das Quadrat – und die Farben: Hans Krähenbühl. (Bild: Michel Canonica)

Er liebt das Quadrat – und die Farben: Hans Krähenbühl. (Bild: Michel Canonica)

Beda Hanimann

beda.hanimann@tagblatt.ch

Schon in den ersten Sekunden zeigt sich sein Gespür für das ­Optische. Der Respekt gegenüber dem Schauen. «Ich schlage vor, dass ich ein paar Erläuterungen gebe, dann lasse ich Sie allein und wir treffen uns nachher im Café», sagt Hans Krähenbühl bei einer Vorbesichtigung seiner Ausstellung «Dranbleiben – Fortsetzung» in der Galerie vor der Klostermauer, die morgen eröffnet wird. «Mich macht es schon wahnsinnig, wenn nur jemand hinter mir auf meinen Computer schaut», wird er später beim Kaffee seinen Vorschlag erklären.

Allein also in den zwei kleinen Räumen, die wie gemacht sind für Krähenbühls Exponate. Oder umgekehrt. Da hängen lauter kleine Quadrate, wenig mehr als zehn Zentimeter Seitenlänge die grösseren. Eine Welt der ­Reduktion, der Abstraktion, der Poesie im Kleinformat. Beim Betrachten aber werden daraus grosse Gesten und Gefühle, wird daraus Leben. Es ist, um einen etwas kühnen Vergleich zu ziehen, wie beim Handy, das auf Kleinst-Bildschirmen immer mehr zu vermitteln versteht. Nur fehlt im Gegensatz dazu in Krähenbühls Miniaturen jeder Anflug von Ungeduld und Hektik. Sie sind eine fast schon meditativ wirkende Balance aus Farbe und Form, aus Struktur und Fläche.

Ein Bild für jeden Tag

Die Farbe, das ist Krähenbühls Metier seit Jahrzehnten. Nicht nur als Maler. Der gelernte Bau- und Schriftenmaler hat vor vierzig Jahren den traditionsreichen Familienbetrieb Farben Müller an der Metzgergasse übernommen. Da stand und steht er in Kontakt mit den Exponenten der Kunstszene, von Max Oertli bis Hans Schweizer. Seinen Laden bezeichnet er deshalb frech als beste Kunstakademie der Welt. Jeder Kunde ist auch Lehrer, das ergibt interessante Gespräche. Für beide Seiten. Er erzählt, wie Heinz Müller, der einstige Leiter der Schule für Gestaltung, einmal sagte: «Das ist kein Laden, das ist eine Institution. Man kommt nicht, um etwas zu kaufen, sondern man sagt: Ich habe dieses oder jenes Problem, was brauche ich da?»

In dieser Welt der Farben und Stifte schöpft auch Krähenbühl selber aus dem Vollen. Zeitweise musste er das Malen im Interesse der Familie und des Geschäfts hintanstellen, seit zehn Jahren aber ist er wieder regelmässig schöpferisch tätig. Vor sechs Jahren hatte er seine erste Ausstellung «Dranbleiben», nun kommt die Fortsetzung.

Tagebücher aus Form und Farbe

Krähenbühl, Jahrgang 1946, malt für jeden Tag des Jahres ein Bild. Entsprechend präsent sind in seinen Miniaturen die Farben und Gefühlsnuancen der Jahreszeiten. Und seine Arbeit ist noch weiter strukturiert. Jedes Jahr wählt er eine andere Technik, es gab das Jahr des Aquarells, jenes der Ölfarben, 2017 ist das Jahr der Tusche. «Im August überlege ich mir jeweils, welches Material, welche Technik ich im folgenden Jahr wählen will. Wie ein Schauspieler, der sich auf eine Rolle vorbereitet», sagt er. Dahinter steht auch die Neugier des Farbenexperten. Seine Miniaturen sind eine Art Musterkatalog, der zeigt, was aus den Materialien in seinem Laden werden kann.

Natürlich aber sind sie mehr. Sie sind Tagebücher aus Form und Farbe. Sie sind Flächenexperimente mit Tiefenwirkung. Und sie sind Ausdruck einer Lebenshaltung. Im Quadrat von vier gleichen Seiten gegen die Mitte hinzuarbeiten sei eine Herausforderung, sagt er. «Ich finde, das sollte man auch im Leben so machen. Weniger von der eigenen Mitte her denken.»

Galerie vor der Klostermauer, bis 26. März. Vernissage: morgen Freitag, 3. März, 19 Uhr