Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

AUSSCHREITUNGEN: "Verurteile den Angriff aufs Schärfste": Empörung nach Knallkörper-Wurf auf Polizisten in Rapperswil

Zwei St.Galler Kantonspolizisten sind vor einem Fussballmatch in Rapperswil-Jona mit einem Knallkörper beworfen und verletzt worden. Die Petarde kam aus einer Fangruppe des FC Aarau. Auch während des Spiels sorgten Anhänger des Gästeteams für unrühmliche Szenen.
Christian Dietz-Saluz und Fabienne Sennhauser/Zürichsee-Zeitung
Vor dem Spielstart, Aarau Fans mit Petarden. (Bild: Manuela Matt)

Vor dem Spielstart, Aarau Fans mit Petarden. (Bild: Manuela Matt)

Erstmals seit dem Aufstieg vor einem Jahr in die zweithöchste Spielklasse im Schweizer Fussball hat der FC Rapperswil-Jona Bekanntschaft mit der Gewalt­bereitschaft von Fussballfans gemacht. Wie wenige Stunden zuvor in Zürich, als Hooligans zwei Stadtpolizisten angegriffen und einen erheblich verletzt hatten, ging es am Donnerstag in Rapperswil-Jona ebenfalls um eine gezielte Attacke gegen Polizisten.

Rückenverletzung und Hörtrauma

Passiert ist der Angriff vor dem Challenge-League-Spiel FC Rapperswil-Jona gegen den FC ­Aarau. Als die Kantonspolizei am Donnerstagnachmittag eine Gruppe von rund 100 Anhängern des FC Aarau zum Stadion Grünfeld eskortierte, wurde plötzlich ein Knallkörper aus dem Fanpulk gegen zwei Polizisten geworfen.

Die Petarde explodierte und traf einen Polizisten am Rücken. Er erlitt eine faustgrosse Brandverletzung und musste ins Spital gebracht werden, wie die Kantonspolizei am Freitag mitteilte. ­Zudem verursachte der Knall bei beiden Polizisten ein Hörtrauma. Die zwei Männer sind derzeit dienstuntauglich.

Falschen Zug genommen

Bereits bei der Ankunft mit dem Schiff liessen die Fans in Rapperswil Böller krachen. Gemäss Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, zogen sie nicht direkt zum Stadion Grünfeld, sondern in die Stadt. Dort sei auch Alkohol konsumiert worden. Dann nahmen die Fans vom Bahnhof den falschen Zug, der erst in Schmerikon hielt. Von dort fuhren sie zurück und stiegen an der dem Stadion am nächsten gelegenen Station Blumenau aus. Die Kantonspolizei geleitete die Gruppe bis vor den Fussballplatz, wo es zum Petardenwurf kam.


Nicht als Risikospiel bewertet

Die Kantonspolizei beurteilt in Zusammenarbeit mit der Heimmannschaft jedes Spiel gemäss Sicherheitsdispositiv nach dem Konfliktpotenzial. Mediensprecher Krüsi zählt auf, was die Polizei bei ihrer Risikoabschätzung berücksichtigt: "Gibt es verfeindete Fangruppen? Sind die Fans des Gästeteams als gewaltbereit bekannt? Gab es beim letzten Spiel zwischen den beiden Teams Probleme? Stehen sie im harten sportlichen Konkurrenzkampf?"

Der Match FCRJ gegen den FC Aarau sei als "Spiel mit kleinem Risiko" beurteilt worden, erklärt Krüsi. Konfrontationen wurden nicht erwartet. "Darum haben wir entschieden, das Spiel mit normal uniformierten Polizisten in ihren roten Einsatzjacken zu beschicken." Auf den schwarz ­gekleideten Ordnungsdienst mit Schutzschild, Helm, Schlagstock und Tränengas wurde verzichtet.

Vor dem Spielstart, Aarau Fans mit Petarden. (Bild: Manuela Matt)

Vor dem Spielstart, Aarau Fans mit Petarden. (Bild: Manuela Matt)

"Schlicht unnötig"

Martin Stöckling, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, erklärt auf Anfrage: "Es ist traurig, dass ein Kantonspolizist in seinem Beruf heute mit derartigen Vorkommnissen rechnen muss." Er verurteile den Angriff auf die beiden Polizisten aufs Schärfste. Das Zünden von Pyroartikeln und Rauchpetarden durch Aarau-Anhänger im Stadion bezeichnet er als "schlicht unnötig."

Auch Stöckling betont, dass Spiele gegen den FC Aarau keine Risikopartien seien. Auf die Frage, ob es im und ums Stadion nun Kameras brauche, antwortet Stöckling: "Eine Videoüberwachung ist meiner Meinung nach das letzte Mittel. Sollten Kantonspolizei, Club und Stadt jedoch gemeinsam zur Ansicht gelangen, dass eine solche Massnahme angezeigt ist, dann werden wir sicherlich unseren Beitrag leisten."

"Immer problemlos"

Der Angriff auf die beiden Polizisten in Rapperswil-Jona ist eine traurige Premiere, seit der FCRJ in die Challenge League aufgestiegen ist. "Mir ist bisher kein solcher Zwischenfall bekannt", sagt der Sprecher der St.Galler Kantonspolizei, Hanspeter Krüsi. Den FCRJ bezeichnet er als "guten Partner – immer problemlos".

Im Stadion liegt die Verantwortung beim Verein. Auch dort fielen die Aarau-Fans negativ auf (siehe Zweittext). Weil sie immer wieder Pyroartikel und Rauchpetarden zündeten, musste das Spiel mehrmals unterbrochen werden. Auf dem Schiff hingegen ereigneten sich keine Vorfälle mit den Fans. Laut Wiebke Sander, Sprecherin der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, gab es auf der über einstündigen Fahrt nach Rapperswil "keine Probleme".

Die Kantonspolizei hat Ermittlungen gegen den Werfer des Knallkörpers aufgenommen. Auf Videoaufnahmen kann sie nicht zählen, weil vor dem Grünfeld keine Kameras installiert sind.

Dem Verein droht ein Nachspiel

Das Heimspiel am Donnerstag gegen den FC Aarau hat der FC Rapperswil-Jona 2:3 verloren. Jetzt kommt es auch noch zum unrühmlichen Nachspiel auf disziplinarischer Ebene. Der Schweizer Fussballverband Swiss Football League hat bereits ein Verfahren angekündigt.

Dies, obwohl alles, was am Auffahrtsnachmittag im und vor dem Stadion Grünfeld passiert ist, den rabiaten Fans des Gästeteams zuzuschreiben ist: Sowohl die abgefackelten Pyros, die zu Spielunterbrüchen führten, als auch der Angriff mit einer auf zwei Kantonspolizisten geworfenen Knallpetarde gehen auf die Kappe der Aarauer.

Daniel Comolli, Vizepräsident des FCRJ, zuständig für Infrastruktur und Sicherheit, ist enttäuscht. "Die Ausgangslage vor dem Match war völlig unbedenklich." Das Spiel sei wie jedes andere im Vorfeld mit dem Gästeklub als auch mit der Kantonspolizei auf allfällige Risiken abgeklärt worden. Es ging weder um einen direkten Platzkampf in der Meisterschaftstabelle, noch gibt es eine konfliktträchtige Vorgeschichte zwischen den beiden Vereinen oder deren Fangruppen. "Es gab keinen Grund zur Annahme, dass etwas passieren könnte", beteuert Comolli.

Was vor dem Spiel geschah, als die geworfene Knallpetarde zwei Kantonspolizisten verletzte, habe er nicht gesehen. Er bezeichnet es als "völlig unverständlich, was die Fans gemacht haben." Ausserhalb des Stadions sei aber die Kantonspolizei für die Sicherheit zuständig, sagt Comolli. Im Stadion habe der FCRJ jedoch alles unternommen, was zur Sicherheit beitragen kann. Dazu gehörte es, die rund 250 Fans des FC Aarau in den separaten Gästesektor zu führen. Dass trotz Bodycheck und Taschenkontrolle an der Eingangskontrolle pyrotechnisches Material ins Grünfeld gelangen konnte, sei kaum zu verhindern gewesen.

"Die waren gut organisiert", erklärt sich der Vizepräsident den Schmuggel ins Stadion. Wahrscheinlich hätten rund 30 Leute, die den Eingang beinahe gestürmt hätten, sich der Kontrolle entzogen. Es sei unwahrscheinlich, dass die Feuerwerkskörper über den hohen Zaun geworfen worden seien. "Schade", sagt Comolli. Bisher habe der FCRJ nie mit Gästefans Probleme gehabt. "Nicht bei den 450 Anhängern des FC Winterthur und auch nicht bei den 600 bis 700 Fans des FC Basel, die zum Cupmatch zu uns gereist sind."

Dass nun viel weniger Fans ein Fussballspiel durch chaotisches Verhalten stören konnten, bezeichnet der Sicherheitschef des FCRJ als "bedauerlichen Ausrutscher". Diesen Ausrutscher wird die Swiss Football League untersuchen. "Es gibt ein Verfahren", sagt deren Mediensprecher, Philippe Guggisberg. Der Einsatz von Pyros sei ein Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz und werde immer geahndet. Ein Disziplinarrichter kann eine Busse bis zu 10'000 Franken sprechen. Wird der Vorfall als schwerwiegender erachtet, kann eine Disziplinarkommission drakonischere Strafen verfügen.

Ob auch gegen die Aarauer Fans von Seiten des Verbands ermittelt wird, hängt davon ab, ob sie identifiziert werden können. Über solche Chaoten kann der Fussballverband ein allgemeines Stadionverbot verfügen.

Christian Dietz-Saluz

Vor dem Spielstart, Aarau Fans mit Petarden. (Bild: Manuela Matt)

Vor dem Spielstart, Aarau Fans mit Petarden. (Bild: Manuela Matt)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.