AUSMUSTERUNG: Die «Grossmutter» wartet auf ihre letzte Fahrt

Nach 1,5 Millionen Kilometern hat der letzte Bus der alten VBSG-Flotte ausgedient. Im Depot wartet er nun darauf, dass sich sein Schicksal entscheidet.

David Gadze
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Am 5. Dezember 1991 fuhr der «155er» erstmals auf dem VBSG-Netz. 2005 bekam er ein drittes Glied mit Niederflureinstieg. (Bild: David Gadze)

Am 5. Dezember 1991 fuhr der «155er» erstmals auf dem VBSG-Netz. 2005 bekam er ein drittes Glied mit Niederflureinstieg. (Bild: David Gadze)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Der VBSG-Bus mit der Nummer 155 wirkt etwas antiquiert inmitten der modernen neuen Fahrzeuge, die um ihn herum parkiert sind. Jahrelang fuhr er zusammen mit ihnen durch die Stadt – als einziges verbliebenes Exemplar der alten VBSG-Flotte, die ab 2008 ersetzt wurde. Seit der Olma steht er aber nun im Depot. «Es war an der Zeit, ihn auszumustern», sagt Unternehmensleiter Ralf Eigenmann. Seit dem 5. Dezember 1991 war der Trolleybus im Einsatz. Während dieser Zeit hat er stolze 1,55 Millionen Kilometer abgespult. Das ist fast 40-mal um die Erde. Auf ihre alten Tage durfte die «Grossmutter», wie der Bus von den Mitarbeitern liebevoll genannt wird, kürzere Strecken zurücklegen als die anderen Busse. «Wir setzten den Trolley vor allem auf Kursen ein, auf denen er als letzter aus dem Depot fuhr und als erster wieder zurück kam.»

Der «155er» war eine Art Versuchskaninchen. An sein Heck wurde 2005 ein drittes Glied mit Niederflureinstieg angebaut. Geplant war, auch einen Teil der anderen Busse auf diese Art zu modernisieren und so ihre Betriebsdauer zu verlängern. Aufgrund des Kosten-Nutzen-Verhältnisses des Umbaus – pro Bus rund 600000 Franken – entschieden die VBSG schliesslich doch, die komplette Flotte durch neue Busse zu ersetzen.

Zu seinen Artgenossen nach Sarajevo?

Nun wartet auf den Trolleybus die letzte Fahrt – zumindest auf Schweizer Boden. Wohin sie führen wird, ist noch unklar. Denkbar ist, dass er im Ausland weiterhin zum Einsatz kommt. Derzeit versuchen die VBSG, einen Käufer für ihn zu finden. Man stehe in Verhandlungen mit der Stadt Sarajevo, wohin die 17 ausgemusterten VBSG-Trolleybusse dieser Baureihe 2009 verkauft wurden und wo sie teilweise bis heute fahren. Neun ältere Trolleybusse gingen damals nach Plovdiv in Bulgarien, 15 Gelenkdieselbusse gelangten via Rumänien ebenfalls nach Bulgarien. Der Markt für ausrangierte Trolleybusse sei jedoch klein, sagt Eigenmann. Zudem sei der Bus nicht im allerbesten Zustand. Die Chassis der übrigen Trolleys wurden 2008 auf Anordnung des Bundesamtes für Verkehr saniert. Entsprechend sei es leichter gewesen, sie kurze Zeit später zu verkaufen. Der «155er» hingegen war seither weitere rund zehn Jahre im Einsatz. «Seine Bodenisolation und die Heizung sind schlecht.»

Falls bis Ende Februar kein Käufer gefunden wird, kommt die «Grossmutter» möglicherweise zu anderen alten Bussen in ein ÖV-Museum. «Ansonsten müssen wir sie verschrotten.»