Ausheben – aufladen – ablagern

Im Kanton St. Gallen wird so viel gebaut wie noch nie. Die Folge: Über eine Million Kubikmeter an unverschmutztem Aushub müssen jährlich weiterverwertet oder abgelagert werden. Der Kanton will deshalb neue Deponien schaffen.

Adrian Vögele
Merken
Drucken
Teilen
Die Deponie Tüfentobel in St. Gallen muss auch sauberes Aushubmaterial schlucken – mangels Alternativen für dessen Weiterverwendung. (Bild: pd)

Die Deponie Tüfentobel in St. Gallen muss auch sauberes Aushubmaterial schlucken – mangels Alternativen für dessen Weiterverwendung. (Bild: pd)

Mit Deponien ist es so eine Sache: Jeder braucht sie, aber niemand will sie vor dem Haus – auch wenn es sich nicht um Giftmüll handelt, sondern um «sauberes» Material. Aushub von Baustellen beispielsweise: Im Kanton St. Gallen wissen die Baufirmen mancherorts kaum mehr wohin mit den ausgebaggerten Erd- und Steinmassen. Deshalb will das Amt für Umwelt und Energie (AFU) neue Ablagerungsstellen für unverschmutztes Aushubmaterial schaffen.

«Je drei Deponien in zehn Regionen des Kantons sind das Ziel», sagt Guido Schmid, Leiter der Abteilung Boden und Stoffkreislauf im AFU. Das Problem: Die Standorte sind schwer zu finden, weil sich viele Anwohner gegen eine Deponie vor ihrem Haus wehren – nur schon wegen des Werkverkehrs. Immerhin hat der Kanton seit kurzem überhaupt die gesetzliche Möglichkeit, Deponien ausschliesslich für sauberes Aushubmaterial einzurichten (siehe Kasten).

Das Baudepartement will solche Deponien bereits ab einer Grösse von 50 000 Kubikmeter bewilligen, wie es im Bericht zur kantonalen Deponieplanung 2010 heisst. In der Vernehmlassung haben sich 29 Stellen geäussert und die Massnahmen hauptsächlich begrüsst.

Zu wenig Kiesgruben

Dass sauberer Aushub gelagert werden muss, ist nicht der Idealfall: «Das Material wird wenn immer möglich sofort weiterverwendet», sagt Guido Schmid – etwa für Dammbauten. Das Füllen von Kiesgruben ist eine weitere Möglichkeit.

Doch zum einen gibt es bei weitem nicht genug Kiesgruben im Kanton, und zum anderen werden diese oft privat betrieben. Wer seinen Lastwagen in der Grube auskippen darf und wer nicht, bestimmen in diesem Fall die Betreiber.

Das Einrichten neuer Deponien sei deshalb dringend, betont Schmid: «In einigen Regionen – etwa im Rheintal oder im Raum Rorschach – herrscht ein Notstand in Sachen Aushubmaterial.» Im Kanton werde so viel gebaut wie noch nie. «Dazu kommt, dass vermehrt in die Tiefe gebaut wird, um Bauland zu sparen.

» Im Jahr 2008 betrug die Menge an unverschmutztem Aushub 1,2 Millionen Kubikmeter. Für das Jahr 2009 rechnet das AFU mit einer ähnlichen Zahl, ein Rückgang ist nicht in Sicht.

Gegen «wildes Ablagern»

Eine Folge des Notstands ist das strafbare «wilde Ablagern», mit dem der Kanton zu kämpfen hat: «Es kommt immer wieder vor, dass lastwagenweise Aushubmaterial einfach irgendwo hingekippt wird», sagt Schmid. Auch dem sollen die neuen Deponien abhelfen – möglichst bald.