Ausgelastet, aber nicht unterbelegt

Die Polizei hat immer mehr Arbeit. Doch die Kantonspolizeien sind seit Jahren unterbesetzt, sagt der Präsident der Polizeidirektorenkonferenz. Auch die Anforderungen an hiesige Stadtpolizisten wachsen, wie Stadtrat Nino Cozzio erklärt.

Kathrin Reimann
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Nino Cozzio Direktor Soziales und Sicherheit (Bild: pd)

Nino Cozzio Direktor Soziales und Sicherheit (Bild: pd)

Herr Cozzio, gemäss Hans-Jürg Käser, dem Präsidenten der Polizeidirektorenkonferenz, häufen sich bei der Kantonspolizei die Überstunden. Er sorgt sich und sagt, dass es so nicht weitergehen kann. Machen die Beamten der Stadtpolizei auch Überstunden?

Nino Cozzio: Früher gab es viele Überstunden. Nachdem das Parlament zweimal die Aufstockung des Stadtpolizeikorps gutgeheissen hat, ist es nicht mehr dramatisch. Was aber nicht heisst, dass wir nicht mehr Polizei brauchen könnten. Wir sind ausgelastet, dafür auch nicht unterbelegt.

Aus welchen Gründen haben die Beamten mehr zu tun als früher?

Cozzio: Die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte in Richtung 24-Stunden-Gesellschaft, aber auch die markante Verkehrszunahme und neue Gesetzgebungen wie etwa zur häuslichen Gewalt haben zu mehr Aufgaben geführt.

Welche neuen Aufgaben kamen konkret auf die Beamten zu?

Cozzio: Nebst Grossanlässen wie Fussballspiele, die bezüglich Sicherheit und Verkehr sehr hohe Anforderungen an die Polizei stellen, sind in den letzten Jahren weitere Veranstaltungen hinzugekommen. Etwa der Auffahrtslauf oder Konzerte in der AFG Arena. Zudem führen die politische Lage und die Terrorgefahr dazu, dass die Gewährleistung der Sicherheit an Veranstaltungen aufwendiger wird.

Inwiefern bereitet sich die Polizei auf die Terrorgefahr vor?

Cozzio: Auf ausserordentliche Lagen und beim Thema Terror ist die Stadtpolizei im Bereich Ausbildung stärker gefordert. Es gilt, die Mitarbeitenden für neue Gefahrensituationen auszubilden und zu sensibilisieren. Das ist eine grosse und markante Veränderung. Und sie führt zu einem grösseren Aufwand bei der Aus- und Weiterbildung, dort wird die Themenvielfalt immer breiter. Zudem fehlen die Mitarbeitenden, die in der Ausbildung sind, im Ausseneinsatz.

Welchen Mehraufwand haben Polizisten durch die Verkehrszunahme?

Cozzio: Um hier Sicherheit zu gewährleisten, sind mehr Schulungen, Überwachungen und Kontrollen nötig. Dass die Polizei gute Arbeit leistet, zeigt sich in der Tatsache, dass St. Gallen seit Jahren zu den verkehrssichersten Städten der Schweiz zählt.

Und das trotz der vielen Baustellen?

Cozzio: Auch diese beschäftigen die Stadtpolizei: Der Signalisationsaufwand ist gross, auch muss die Polizei mit dem Tiefbauamt jeweils ein Verkehrsmanagement erarbeiten. Auch für den Fall, wenn sich Unfälle auf der Autobahn auf den Stadtverkehr auswirken und der Verkehr in der Stadt fast zusammenbricht.

Werden städtische Polizisten auch bei externen Anlässen eingesetzt?

Cozzio: Die Stadtpolizei leistet diverse solcher Unterstützungseinsätze. Beispiele dafür sind Ordnungsdiensteinsätze bei Fussballspielen des FC Vaduz in Liechtenstein oder Einsätze am WEF in Davos. Im Gegenzug ist die Stadtpolizei gerade bei Hochrisiko-Fussballspielen in der AFG Arena auch auf die Unterstützung von anderen Polizeikorps angewiesen.

Benötigt der Stadtpolizeikorps in Zukunft weitere Aufstockungen?

Cozzio: Das ist schwierig zu sagen. Aktuell umfasst er rund 250 Mitarbeitende, was ein guter Stand ist. Was auch immer kommt, die Stadtpolizei geht mit jeder neuen Herausforderung proaktiv um und versucht, sich rasch darauf einzustellen.

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