AUSBAU: 65,5 Millionen für die Fernwärme

Der Stadtrat treibt den Ausbau des Fernwärmenetzes voran. Bis 2022 sollen verschiedene Quartiere im Osten der Stadt angeschlossen werden. Dafür braucht es auch eine neue Fernwärmezentrale.

David Gadze
Drucken
Teilen
Die beiden Heizkessel in der Fernwärmezentrale Waldau sollen dereinst durch ein Blockheizkraftwerk ergänzt werden. (Bild: Michel Canonica)

Die beiden Heizkessel in der Fernwärmezentrale Waldau sollen dereinst durch ein Blockheizkraftwerk ergänzt werden. (Bild: Michel Canonica)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

628 Lastwagen Heizöl. So viel spart die Stadt St. Gallen jährlich mit der Fernwärme, die grösstenteils durch die Abwärme des Kehrichtheizkraftwerks (KHK) produziert wird. Künftig soll diese Last­wagenkolonne noch länger werden: Bis 2022 will die Stadt verschiedene Quartiere im Osten der Stadt ans Fernwärmenetz anschliessen. Voraussetzung dafür ist, dass in der Lukasmühle, unmittelbar neben dem Fussballplatz an der Lukas­strasse, eine zusätzliche Fernwärme­zentrale erstellt wird. Die Kosten für das Projekt bebeziffert der Stadtrat in einer Vorlage ans Parlament auf insgesamt 65,5 Millionen Franken. Das letzte Wort wird das Stimmvolk haben. Ausserdem sollen aus dem Energiefonds und den Reserven der Stadtwerke für den ökologischen Umbau der Stromproduktion weitere 1,6 Millionen aufgewendet werden, um die neue Fernwärmezentrale mit einer Blockheizkraftwerkanlage auszurüsten. Dieser Betrag untersteht dem fakultativen Referendum.

Der Ausbau soll in mehreren Etappen erfolgen. Von 2018 bis 2020 kommen das Museumsquartier, die Lang­gasse und das Heiligkreuz an die Reihe. Zwischen 2019 und 2021 würden die Gebiete Neudorf, Achseln, Wilen und St. Fiden angeschlossen. Zudem würde das Zil, das heute eine eigene Fernwärme-Insel darstellt, ausgebaut und ebenfalls ins grosse Fernwärmenetz integriert. Von 2020 bis 2022 sind dann der Netzausbau in der Halden, im Grütli und im Schuppis sowie weitere Anschlüsse im bestehenden Gebiet vorgesehen.

Eine grosse Lücke im Osten schliessen

Der Ausbau des Fernwärmenetzes sei vor allem aufgrund der Erneuerung und Erweiterung des KHK möglich, sagt Ulrich Trümpi, Bereichsleiter Wärme bei den St. Galler Stadtwerken. «Dadurch können wir künftig bei der Abfallverbrennung noch mehr Abwärme in das Fernwärmenetz einspeisen.» Gemäss der Parlamentsvorlage erhöht sich die ökologische Wärmenutzung von 72 Gigawattstunden im Jahr 2016 bis 2022 auf 157 Gigawattstunden. Die abgesetzte Wärmemenge kann in den nächsten Jahren gegenüber 2012 sogar verdreifacht werden. «So können wir die grosse Lücke im Osten der Stadt nun schliessen.» Zudem werde langfristig der Wärmebedarf der angeschlossenen Haushalte sinken, da durch Sanierungen von Gebäudehüllen weniger Energie ver­lorengehen werde. «Das ermöglicht uns später, die Zahl der Abnehmer weiter zu vergrössern», sagt Trümpi. Ein weiterer grossflächiger Ausbau der Fernwärmeversorgung ist gemäss Parlamentsvorlage allerdings nicht mehr vorgesehen. Vielmehr will die Stadt künftig vor allem bereits erschlossene Gebiete weiter «energetisch verdichten», das heisst neue Liegenschaften anschliessen, die noch nicht am Fernwärmenetz sind.

Die Fernwärmezentralen dienen dazu, während der Wintermonate den Spitzenbedarf zu decken und die Versorgungssicherheit zu garantieren (siehe Zweittext). «Ohne die Zentrale in der Lukasmühle ist der Ausbau des Fernwärmenetzes nicht möglich», sagt Trümpi.

Wie eine grosse Zentralheizung

Das städtische Fernwärmenetz wurde in den 1980er-Jahren aufgebaut. Es funktioniert wie eine grosse Zentralheizung: Anstatt in jedem Haus einzeln, wird durch Verbrennung von Abfall oder durch Blockheizkraftwerke Wärme für ganze Stadtteile erzeugt. Nach dem deutlichen Ja des Stimmvolks zum Bau eines Geothermiekraftwerks, welches letztlich nicht realisiert werden konnte, und zum Ausbau des Fernwärmenetzes wurde ab 2011 ein grosser Teil des Gebiets zwischen der Lachen und dem Areal Olma/Kantonsspital erschlossen. Heute sind rund 11700 Haushalte und Betriebe an das Netz angeschlossen. Nach der geplanten zweiten Ausbauetappe wären es rund 25000. Die Kolonne der gesparten Erdöllastwagen würde dann auf über 1200 steigen.

Aktuelle Nachrichten