Aus Präsident wird Klarinettist

Nach einer Dekade gibt Andreas Kästli das Präsidium der Melodia Goldach ab. Er hat den Musikverein nach Rom und ans OpenAir St. Gallen gebracht. Jetzt zieht er sich ganz aus dem Vorstand zurück und spielt weiter Bassklarinette.

Dominik Bärlocher
Drucken
Teilen
Wieder Bassklarinettist: Andreas Kästli bleibt trotz Abgabe des Präsidentenamtes der Melodia Goldach treu. (Bild: zVg)

Wieder Bassklarinettist: Andreas Kästli bleibt trotz Abgabe des Präsidentenamtes der Melodia Goldach treu. (Bild: zVg)

Goldach. Er war dabei, als der Musikverein Melodia Goldach am Open Air St. Gallen auf der grossen Sitterbühne gespielt hat, als die mittlerweile zur Goldacher Tradition gewordene Moonlightbar ins Leben gerufen wurde und als die Musiker vor etwa 5000 Leuten im sächsischen Bad Schlema spielten. Doch nach zehn Jahren ist Schluss: Der Goldacher Andreas Kästli gibt sein Amt als Präsident des Musikvereins ab. Seine Nachfolgerinnen heissen Simone Honegger und Eveline Graf, die den Musikverein künftig als Präsidentinnen leiten werden.

Bei seinem Abschied an der Hauptversammlung erhielt der scheidende Präsident die Auszeichnung als Ehrenpräsident und rund zehn Minuten stehenden Applaus von seinen Vereinskameraden. «Es waren zehn schöne Jahre, die in meinem Leben nicht hätten fehlen dürfen», sagt Andreas Kästli leicht wehmütig. Wehmütig, weil er die Unterstützung und den Tatendrang der Musiker vermissen wird. «Ich habe etwa zwei Jahre gebraucht, um im Amt sattelfest zu werden, dann habe ich Vollgas gegeben», sagt er. Doch sei mit der Routine als Präsident die Gefahr gekommen, bequem zu werden. Und das wollte Andreas Kästli nicht.

Von Goldach auf den Petersplatz

Die Melodia Goldach ist keine typische Dorfmusik, denn wenige Vereine können Auftritte auf der Sitterbühne am St. Galler Open Air zu ihren Auftritten zählen. Und damit nicht genug. In den letzten Jahren ist der Musikverein als Vertretung des Kantons St. Gallen am Marché-Concours national des chevaux im jurassischen Saignelégier aufgetreten und spielte auf dem Petersplatz in Rom zur Vereidigung der Schweizergarde. «Viele dieser Ideen haben wir uns von anderen Vereinen abgeschaut und gedacht <Das können wir auch>», sagt Kästli und seine Augen beginnen zu leuchten. Begeistert erzählt er von den Auftritten, wie die Melodia die wohl grösste Band war, die je auf der Sitterbühne gespielt hat, oder wie bei einem Auftritt im sächsischen Bad Schlema auch spät nachts noch die Post abging.

Trotz all den Ausflügen ins Ausland und dem Repertoire, das Songs von Queen und andere moderne Lieder umfasst – die Noten werden vom Dirigenten der Melodia oft auf Blasinstrumente angepasst –, will der Musikverein eine «Dorfmusig» bleiben. «Es gehört bei uns selbstverständlich dazu, dass wir in einer Kirche oder für älteres Publikum spielen», sagt Kästli. Doch sind die musikalischen Standards bei britischem Rock oder Polka genau dieselben: «Wenn wir ein Lied spielen, dann wollen wir es gut spielen.»

Aus dem Vorstand, hinter die Bar

Obwohl sich Andreas Kästli bewusst ganz aus dem Vorstand der Melodia Goldach zurückgezogen hat, bleibt er dem Verein erhalten. «Ich werde weiterhin im Verein Bassklarinette spielen», sagt er. Von seinen Nachfolgerinnen gibt sich der Zurückgetretene überzeugt: «Sie haben die Energie und den Willen, um die Melodia noch weiter zu bringen», sagt Kästli.

Simone Honegger und Eveline Graf könnten auf seine Hilfe zählen. «Aber nur, wenn ich gefragt werde. Ich will niemandem dreinreden», sagt er mit einem Lächeln. Zudem sei er ins Team der Moonlightbar, die in jeder Vollmondnacht stattfindet, eingestiegen und wird dort mithelfen.

Aktuelle Nachrichten