Aus MS-Gruppe Kraft schöpfen

RORSCHACH. Vreni Kuster aus Rorschach ist an Multipler Sklerose erkrankt. Die Diagnose erhielt sie erst spät. Nun gründet die 66-Jährige eine Gruppe für Betroffene. Einmal pro Monat trifft man sich zum Austausch – ungezwungen und ungebunden.
Linda Müntener
10 000 Menschen leben in der Schweiz mit MS. Da die Krankheit unter anderem Lähmungserscheinungen auslösen kann, sind viele auf einen Rollstuhl angewiesen. (Symbolbild: fotolia)

10 000 Menschen leben in der Schweiz mit MS. Da die Krankheit unter anderem Lähmungserscheinungen auslösen kann, sind viele auf einen Rollstuhl angewiesen. (Symbolbild: fotolia)

Schon mit Anfang 20 traten erste Symptome auf. Vreni Kuster klagte über Sehstörungen. Der Augenarzt habe ihr nicht weiterhelfen können, ins Spital habe sie nicht gewollt. Gedanken habe sie sich damals keine gemacht, sagt die 66-Jährige heute.

Jahre später hatte Vreni Kuster wieder Beschwerden. Ihre Beine fühlten sich oft taub an, das Gehen fiel ihr immer schwerer. Ihr damaliger Hausarzt habe sie jedesmal «abgewimmelt». Vreni Kuster wechselte den Arzt, der neue verwies sie sofort an einen Neurologen. Erst 2002 erhielt sie die Diagnose: Multiple Sklerose.

Trotz Krankheit selbständig sein

Multiple Sklerose (MS) ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems (siehe Kasten). Je früher die Krankheit diagnostiziert wird, desto besser ist sie therapierbar. Dennoch ist Vreni Kuster rückblickend froh, erst spät von ihrer Krankheit erfahren zu haben. «Sonst hätte ich nicht so unbeschwert gelebt», sagt sie. «Vielleicht hätte ich dann nie Kinder bekommen.»

Heute gehe es ihr den Umständen entsprechend gut. Vor kurzem haben sie und ihr Mann Kurt ihr Haus in Untereggen ihrem Sohn überschrieben und sind in eine Wohnung nach Rorschach gezogen. «Für mich ist es hier ideal», sagt Vreni Kuster. Sie könne selbständig einkaufen gehen und habe viele Freiheiten. Von ihrer Wohnung bis in die Garage schafft sie es zu Fuss, für längere Distanzen ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Um die Kraft in den Beinen so lange wie möglich zu behalten, macht sie wöchentlich Übungen mit ihrer Therapeutin – obwohl sie eine Therapie erst ablehnte. Auch ihr Mann unterstützt sie, wo er kann. Eine grosse Entlastung für die 66-Jährige. «Ohne ihn ginge es mir wohl schlechter.» Neben Ermüdungserscheinungen habe sie oft Empfindungsstörungen in Händen und Füssen. «Doch ich bin zufrieden», sagt Vreni Kuster. «Vor allem, wenn ich höre, wie schlecht es anderen geht.»

Einmal im Monat austauschen

Der Austausch mit anderen Betroffenen sei wichtig. Viele MS-Erkrankte schöpfen daraus Kraft. Bereits vor vier Jahren wurde deshalb unter dem Patronat der MS-Gesellschaft Schweiz eine Gruppe mit dem Namen MS-Gruppe-Bodensee-Rheintal ins Leben gerufen. Auch Vreni Kuster gehörte ihr an, war sogar Vorstandsmitglied. Nach einem Wechsel in der Gruppenleitung seien sie sowie mehrere andere Mitglieder zunehmend unzufrieden geworden, sagt Vreni Kuster. Vor allem mit dem bescheidenen Aktivitätenprogramm. Sie selber zog die Konsequenzen und trat aus dem Vorstand aus. Wenig später habe man sie deshalb ganz «aus der Gruppe geworfen». Daraufhin fasste sie den Entschluss, mit befreundeten MS-Betroffenen aus Oberriet selber eine Gruppe zu gründen. «Denn trotz aller Unstimmigkeiten vermisse ich die Treffen.»

Ihre Gruppe soll sich immer am letzten Mittwoch des Monats im Migros-Restaurant in Widnau treffen – und weder Verein noch Selbsthilfegruppe sein. «Wir sind ungebunden.» Die MS habe in den Gesprächen immer Platz, müsse aber nicht Hauptthema sein. Eingeladen sind auch die Partner der Betroffenen. Mit dem Treffpunkt Widnau will man Betroffene aus dem Rheintal ansprechen. Dort gibt es laut Kuster kein solches Angebot.

Die Gruppe trifft sich erstmals übermorgen Mittwoch, 14.30 Uhr, im Migros-Restaurant Widnau. Anmeldung: 071 886 15 63 oder unter vreni.ku@bluewin.ch.

Vreni Kuster MS-Betroffene (Bild: Linda Müntener)

Vreni Kuster MS-Betroffene (Bild: Linda Müntener)

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