Aus Jazzclub wird Strandbar

Am Freitagabend heizte der Bahama Soul Club dem Publikum im Jazzclub Rorschach mit feurigen lateinamerikanischen Rhythmen zünftig ein. Bei den kubanisch angehauchten Rhythmen hielt es die wenigsten Zuhörer auf ihren Stühlen.

Jan Hoefliger
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Brachte am Wochenende südamerikanisches Flair nach Rorschach: Sängerin Olvido Ruiz vom Bahama Soul Club. (Bild: Jan Hoefliger)

Brachte am Wochenende südamerikanisches Flair nach Rorschach: Sängerin Olvido Ruiz vom Bahama Soul Club. (Bild: Jan Hoefliger)

RORSCHACH. Das Ziel des Bahama Soul Clubs an diesem Abend war von Anfang an klar: Niemand soll ruhig sitzen bleiben können. Dementsprechend legte die siebenköpfige Band aus Norddeutschland mit dem Song «Take Four» gleich einen fulminanten Start hin. Dabei konnten die Bandmitglieder mit verschiedenen Soloeinlagen ihr Können bereits unter Beweis stellen. Im gleichen Stil ging es bis zur Pause weiter. Bei «Nao Posso», «Moaners» und «Bossa Pop» stachelten sich die Musiker gegenseitig zu improvisatorischen Höhenflügen an.

Exotische Klangwelten

Das Publikum konnte der groovigen Mischung aus Soul, Blues, Bossa Nova und afro-kubanischer Rhythmik jedenfalls nicht lange widerstehen. Spätestens ab dem zweiten Stück sahen sich die meisten gezwungen, im Takt der Musik mitzuwippen. Nach der Pause schaltete die Band mit «Zha Zha» und «Late Night Bossa» dann aber ein paar Gänge zurück. In fast schon meditativer Manier entführte sie in eine exotische Klangwelt, bis man glaubte, bei Sonnenuntergang irgendwo in der Karibik an einem Strand zu liegen. Die Antwort darauf liess jedoch nicht lange auf sich warten. Mit «I Warned You, Baby» wurde das Publikum erneut von den Stühlen gerissen. So richtig in Fahrt kamen die Zuhörer aber erst gegen Ende bei der Zugabe «Everywhere You Go Now».

Als akustischen Leckerbissen bediente der Braunschweiger Produzent Oliver Belz den Abend über ein Percussion Set, unter anderem mit Congas und Bongos, das dem Klangkörper einen betont kubanischen Anstrich verlieh. Überhaupt liess die Band nur schon von der instrumentellen Besetzung her wenig zu wünschen übrig. Zu einer starken Rhythmusgruppe aus Schlagzeug, Bass und Elektrogitarre gesellten sich Keyboard und abwechslungsweise Tenorsaxophon und Querflöte. Als Sängerin begeisterte die aus Kuba stammende Olvido Ruiz. Mit ihrer Leichtigkeit und ihrer Stimme eroberte sie die Herzen des Publikums im Handumdrehen.

Tanzbaren Latin Jazz zum Ziel

Bereits seit fünf Jahren besteht die Formation um den Produzenten Oliver Belz. «Unser Ziel ist ein tanzbarer Latin Jazz aus den Sechzigern», sagt Belz. Das Faszinierende an Südamerika ist für ihn vor allem die Bedeutung, die der Musik im alltäglichen Leben zukommt. «Die Leute dort brauchen die Musik zum Atmen.» Hinzu komme die ungezwungene Verbindung zwischen Musik und Tanz. Hier in Europa funktioniere dies zwar auch. «Die Leute brauchen hier einfach etwas länger bis sie warm werden», sagt Belz. Dass man sich auch in Rorschach gerne von gutem Jazz anstecken lässt, hat der Abend zweifellos bewiesen.