Aus für die Oberstufe Häggenschwil

ST.GALLEN/HÄGGENSCHWIL. Im Streit um die Oberstufe Häggenschwil gibt es keine Einigung. Der Erziehungsrat ist gegen einen Schulversuch. Häggenschwil soll der Oberstufenschulgemeinde Wittenbach beitreten.

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Die Häggenschwiler stellten im Dezember sogar Piratenfahnen auf, um sich für die Oberstufe einzusetzen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Häggenschwiler stellten im Dezember sogar Piratenfahnen auf, um sich für die Oberstufe einzusetzen. (Bild: Ralph Ribi)

Seit Monaten dauert der Streit um die Oberstufe in Häggenschwil an. Das Dorf kämpft um die Weiterführung der Schule - der Erziehungsrat ist gegen einen Schulversuch. Nun ist der Entscheid bekannt. Er fällt für Häggenschwil negativ aus.

Zu wenig Schüler
Laut Mitteilung der Staatskanzlei St.Gallen wird für die Oberstufe Häggenschwil die befristete Ausnahmebewilligung ab Schuljahr 2012/13 nicht erneuert. Grund: Häggenschwil sei aufgrund der demografischen Prognosen im Bereich der Schülerzahlen weit von anderen kleinen Oberstufen entfernt sowie aufgrund der geografischen Lage mit den anderen Gemeinden nicht vergleichbar. Die Prognosen in Häggenschwil zeigen nach dem Jahr 2017 weniger als 40 Schülerinnen und Schüler für die Oberstufe auf.

Zwei Lösungsvarianten
In Häggenschwil fanden im Dezember und Januar mehrere Aussprachen zwischen dem Schulrat Häggenschwil und Vertretern des Erziehungsrates statt. Mögliche Lösungen wurden diskutiert. Wie es in der Mitteilung heisst, standen für den Erziehungsrat zwei Varianten im Vordergrund. Die erste wäre ein vertraglicher auswärtiger Schulbesuch: Der Primarschulrat Häggenschwil schliesst einen Schulbesuchsvertrag mit der Oberstufenschulgemeinde Wittenbach oder mit der Einheitsgemeinde Waldkirch-Bernhardzell ab. Häggenschwil könnte sich aber auch der Oberstufenschulgemeinde Wittenbach-Berg-Muolen anschliessen, um die Oberstufenschulgemeinde Wittenbach-Berg-Häggenschwil-Muolen zu bilden. Dann hätte der Schulrat die Möglichkeit zu entscheiden, Häggenschwil als zweiten Schulstandort zu führen.

Der Erziehungsrat spricht sich für den Beitritt zur Oberstufenschulgemeinde Wittenbach aus. Bei dieser Lösung könnte das Schulhaus in Häggenschwil allenfalls als Filiale weitergeführt werden. Diese Entscheidung müsste der Schulträger der neuen Oberstufengemeinde treffen.

Weiterhin Unterstützung
Wie es weiter heisst, bedauert der Erziehungsrat, dass mit dem Schulrat Häggenschwil keine Einigkeit gefunden wurde und dass der Schulrat Häggenschwil eine gemeinsame Kommunikation abgelehnt hat. Erziehungsrat und Bildungsdepartement bieten dem Schulrat Häggenschwil weiterhin die Unterstützung bei der künftigen Lösungsfindung an.

«Schlechtes Signal für kleine Oberstufen»
«Immerhin unterstützt der Erziehungsrat die Möglichkeit einer Filiale», sagt Häggenschwils Schulpräsident Alan Germann. Enttäuscht zeigt er sich darüber, dass die Schulversuche abgelehnt sind. Der Erziehungsrat verpasse es damit, zukunftsorientierte Schulmodelle mit altersdurchmischtem Lernen zu entwickeln. Diese würden im Kanton Thurgau und in Appenzell Ausserrhoden bereits praktiziert. Zudem setze der Entscheid ein schlechtes Signal für alle kleinen Oberstufenschulen im Kanton. «Ein guter Kompromiss wäre für uns gewesen, zwar nur noch als Filiale weiter zu bestehen, aber gleichzeitig die Schulversuche starten zu können.»

Als nächstes stehen Gespräche mit den Oberstufenschulgemeinden von Waldkirch-Bernhardzell und von Wittenbach-Berg-Muolen an. «Wir gehen offen in die Verhandlungen und schauen, was kommt», sagt Germann. Die Zeit jedenfalls drängt: in eineinhalb Jahren wird die Häggenschwiler Oberstufe geschlossen.
(pd/maw/mwe)

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