Aus den Fehlern gelernt

Die Triathletin Sandrine Benz erlebt an der WM in Chicago eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Im Sprint wird die Steinacherin disqualifiziert, über die Olympische Distanz setzt sie sich die Krone auf.

Raya Badraun
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Sandrine Benz Triathletin aus Steinach (Bild: pd)

Sandrine Benz Triathletin aus Steinach (Bild: pd)

TRIATHLON. Als Sandrine Benz am Start stand, hatte sie ein mulmiges Gefühl. Nur 48 Stunden zuvor war sie an der WM in Chicago im Sprint disqualifiziert worden, weil sie auf der Radstrecke im dichten Feld zweimal im Windschatten gefahren war. Ihr zweites Vergehen hatte die 31-Jährige während des Rennens jedoch gar nicht mitbekommen. Die verantwortliche Person hatte es wohl versäumt, sie darauf hinzuweisen. So erfuhr Benz erst von ihrer Disqualifikation, als sie im Ziel auf der Rangliste ihren Namen nicht fand. «Das war frustrierend», erinnert sie sich. Früher zogen sie solche Ereignisse über längere Zeit herunter. Dieses Mal nicht. «Ich bin froh, dass ich das Rennen so schnell verarbeiten konnte», sagt Benz. Ganz vergessen war es bei ihrem zweiten Start in Chicago jedoch nicht. Über die Olympische Distanz wollte die Steinacherin keinen Fehler wiederholen.

Bereits beim Schwimmen lief es ihr besser als noch zwei Tage zuvor. Als eine der Ersten stieg sie aus dem Wasser und auf das Velo. «Ich habe schnell gemerkt, dass ich mehr Kraft habe», sagt Benz. So überholte sie auf der Radstrecke rasch die restlichen Konkurrentinnen. Durch Fahrten im Windschatten konnte die Ostschweizerin damit nicht mehr gestoppt werden.

Dieses Mal nicht überholt

Beim letzten Wechsel stellte Benz als Erste ihr Velo in den Ständer. Sicherer fühlte sich die Sportlehrerin dadurch jedoch nicht. Im vergangenen Jahr hatte sie an der WM ebenfalls lange vorne gelegen. Auf der Laufstrecke wurde sie damals schliesslich noch von drei Gegnerinnen überholt und musste sich am Ende mit dem unliebsamen vierten Rang begnügen. Auch diesen Fehler wiederholte sie in Chicago nicht. «Heute überholt mich keine Frau mehr», sagte sie sich auf dem Weg zum Ziel. Mit knapp einer Minute Vorsprung wurde Benz in der Alterskategorie der 30- bis 34-Jährigen Weltmeisterin.

Profilizenz als Ziel

Bereits vor einem Jahr holte Benz WM-Gold, damals im Sprint. Der Sieg über die Olympische Distanz hat für die Triathletin jedoch eine weitaus grössere Bedeutung. Mit dem Titel will sie in der kommenden Saison den Antrag für eine Profilizenz stellen. Das ist schon seit Jahren ihr grosses Ziel. Mit dem Sieg ist sie diesem nun einen Schritt näher gekommen. Doch auch der enttäuschende Wettkampf über die Sprint-Distanz wird ihr als Profi noch helfen. Fehler, das hat Benz in Chicago bewiesen, macht sie schliesslich nur einmal.