Auftraggeber kommt vor Gericht

REHETOBEL. Fünf Jahre nach einer Attacke auf einen Bauern in Rehetobel stehen der Auftraggeber und zwei Mittelsmänner am Mittwoch vor dem Ausserrhoder Kantonsgericht in Trogen. Laut Anklage wollte der Bauer seinem missliebigen Nachbarn einen Denkzettel verpassen.

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Der Auftraggeber der Schlägerei, ein Nachbar des Opfers, hatte sich wenige Tage nach dem Überfall bei der Polizei gemeldet, weil die Schläger ihn erpresst hatten.

Laut Anklageschrift lag der 60-jährige Angeklagte seit Jahren im Streit mit seinem Nachbarn. Kurz vor der Attacke im Juni 2010 erzählte der Bauer seinem mitangeklagten Bekannten, der missliebige Nachbar habe seinen Kühen Gift gespritzt und diese krank gemacht. Er werde ihm einen Denkzettel verpassen. Daraufhin soll der Bekannte Kontakt mit einem 41-jährigen IV-Rentner aus St.Gallen aufgenommen haben, der drei Schläger organisierte. Laut Anklageschrift informierte der 33-jährige Bekannte den Schlägertrupp detailliert über den Tagesablauf des Opfers und erzählte den Männern, wann sich der Bauer im Kuhstall aufhalte, wo sie ungestört zuschlagen konnten.

Opfer fordert mehr als 200'000 Franken
Im Juni 2010 schritten die maskierten Männer zur Tat und schlugen den Bauern in dessen Stall brutal zusammen. Zwei Angreifer traktierten den wehrlosen Mann mit Fäusten, Tritten und einem Holzstock mit Eisenstücken. Einer stand Schmiere. Der Bauer erlitt eine Hirnerschütterung, mehrere Riss-Quetsch-Wunden, einen Nasenbeinbruch und einen Bruch des Mittelhandknochens. Der 39-Jährige beteiligt sich als Privatkläger am Strafprozess und fordert von seinen Peinigern gut 200'000 Franken.

Schläger erpressten Bauern
Einige Tage nach dem Überfall bekamen die Schläger ihren Lohn. Laut Staatsanwalt zahlte der Auftraggeber den Männern 12'500 Franken. Eine Anzahlung von 5000 Franken hatte er ihnen bereits vor der Tat übergeben. Dies genügte ihnen jedoch nicht. Sie erpressten den Auftraggeber um weitere 30'000 Franken.

Der Bauer bekam kalte Füsse und ging zur Polizei. Er legte ein Geständnis ab und bot Hand für eine fingierte Geldübergabe. Dabei konnten die beiden Mittelsmänner und einer der Schläger verhaftet und das Geld beschlagnahmt werden.

Strafanträge vor Schranken
Der 60-jährige Auftraggeber ist der Anstiftung zum Angriff, der qualifizierten einfachen Körperverletzung und des Hausfriedensbruchs angeklagt. Sein 33-jähriger Bekannter muss sich ausserdem wegen Beihilfe zu Freiheitsberaubung und Drogendelikten verantworten. Der 41-jährige IV-Rentner steht auch noch wegen versuchter Erpressung und Freiheitsberaubung vor Gericht. Die Höhe der Strafen will der Staatsanwalt an der Verhandlung vom Mittwoch bekannt geben, heisst es in der Anklageschrift.

Die Schläger sind bereits rechtskräftig verurteilt. Der Haupttäter erhielt eine Freiheitsstrafe von vier Jahren, der Mittäter eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Der Mann, der Schmiere stand, wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. (sda)