Aufrichtigkeit sollte goutiert werden

Kommentar

Angelina Donati
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Die Nachricht über Stefan Lenherrs Rücktritt hatte es in sich. Nachdem der erste Schock vorbei ist, rüttelt die Botschaft, die sich dahinter verbirgt, aber auch auf. Wie oft kommt es vor, dass Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, einem zu hohen Druck ausgesetzt sind? Der Arbeitsaufwand wird schlicht zu gross, und plötzlich kann der Politiker und Unternehmer nicht mehr allem in verdienter Form gerecht werden. Die Belastung Lenherrs veranschaulicht es exemplarisch. Was nützt es, wenn er mit Leib und Seele dabei ist – die nötige Zeit aber nicht aufbringen kann? Es ist mutig und zugleich ehrlich von ihm, jetzt hinzustehen und zurückzutreten. Natürlich könnte der Zeitpunkt wegen des Umbruchs im Baudepartement ein besserer sein, und natürlich könnte nun das Vertrauen der Wähler darunter leiden. Ehrlichkeit aber sollte goutiert werden.

Ein «Gewurstel» brächte weder der Stadt Gossau noch Lenherr einen Vorteil. Es bleibt ihm zu wünschen, dass er durch die gewonnene Zeit die Freude an seinem Schaffen nie verliert. Womöglich kann er dann mit einem zufriedenen Lächeln dem Stadtratskandidaten-Karussell, das sich im Herbst nach nur einem Jahr Pause wieder dreht, zuschauen. Weitergehen muss es ja. Irgendwie.

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch