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Aufbruch trotz Abbruch

Trotz zahlreicher Neubauten und der zentralen Lage herrscht auf der Nordseite des St. Galler Hauptbahnhofs kaum Leben. An einer Diskussion wurden Fragen der öffentlichen Nutzung und der Entwicklung des Areals erörtert.
David Gadze
Das Areal zwischen der Fachhochschule St. Gallen und dem «Leopard» hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. (Bild: Michel Canonica)

Das Areal zwischen der Fachhochschule St. Gallen und dem «Leopard» hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. (Bild: Michel Canonica)

Das Gebiet nördlich des Hauptbahnhofs hat sein Gesicht in den vergangenen Jahren stark verändert. Seit der Jahrtausendwende wurden am einen Ende das Geschäftshaus St. Leonhard und am anderen die Fachhochschule St. Gallen (FHS) errichtet. Auch das Areal dazwischen ist in ständigem Wandel: Die Lokremise wurde in ein Kulturzentrum umgewandelt, ihr gegenüber entstand der Neubau des Kaufmännischen Vereins. Weitere Veränderungen stehen bevor: Im Frühling 2015 sollen das Spanische Klubhaus und das Nachbargebäude abgerissen werden. Entlang der ganzen Häuserzeile ist eine neue Überbauung geplant (Tagblatt von gestern).

Keine Visionen für Entwicklung

Immer wieder wird jedoch von verschiedener Seite Kritik an der Gestaltung des Areals laut. An einer Podiumsdiskussion ging der Heimatschutz St. Gallen-Appenzell Innerrhoden am Mittwochabend der Frage nach, wie das Gebiet dereinst aussehen und funktionieren soll. Unter der Leitung von Heimatschutz-Präsidentin und alt Regierungsrätin Kathrin Hilber wurden einerseits die Gestaltung, andererseits die öffentliche Nutzung der «Brache» unter die Lupe genommen.

Der Zürcher Architekt und Städteplaner Michael Güller lancierte die Diskussion sogleich mit seinem Eindruck des Gebiets: Man sehe sofort, dass das Areal viele Möglichkeiten biete. Eine Vorstellung davon, wie es entwickelt werden soll, sei aber nicht zu erkennen. Die Belebung durch die Lokremise und durch die Fachhochschule sei zwar gut. Im ganzen Gebiet herrsche aber ein Sammelsurium von Bauten, eine Anhäufung eigener Welten, die kein Miteinander bildeten. Die Lagerstrasse und der SBB-Parkplatz wirkten als Barrieren. «Das ganze Gebiet vom Geschäftshaus St. Leonhard bis zur Ostseite des Hauptbahnhofs müsste als eine Einheit geplant werden.»

Der Ruf nach Spitzenleistungen

Ähnlich äusserte sich der St. Galler Architekt Thomas K. Keller, der das Dach für das neue Perron des Hauptbahnhofs gestaltet hat. Dessen Nordseite verdiene «mehr Spitzenleistungen». Der «Leopard» und das KV-Gebäude erfüllten diesen Anspruch nicht. Keller kritisierte denn auch, dass es keinen offenen Wettbewerb für die geplante Überbauung in der Lagerstrasse geben soll. Gerade, da sich das Gebiet durch die Neubauten nicht wie gewünscht entwickelt habe, müsse man sich nach aussen öffnen und möglichst viele Ideen berücksichtigen.

Guten Groove weiter fördern

Das Areal sei «wie leblos», hielt Stadträtin Patrizia Adam fest. Dennoch attestierte sie ihm einen «guten Groove». Sie betonte, die Stadt wolle die öffentliche Nutzung durch die neue Überbauung fördern. Die Baudirektorin verwies jedoch immer wieder darauf, wie schwierig es sei, mit den Grundeigentümern einen Konsens über Nutzung und Gestaltung zu finden. Auf die Nachfrage von Kathrin Hilber, ob die Stadt bei Bauprojekten an so prominenter Lage nicht zusätzliche Auflagen machen müsse, blieb Patrizia Adam die Antwort schuldig.

Auch FHS-Verwaltungsdirektor Carlo Höhener betonte, es gebe verschiedene Punkte, die noch verbessert werden müssten. Die FHS sei diesbezüglich in Gesprächen mit der Stadt und dem Kanton. So soll der Vorplatz von einem Landschaftsarchitekten neu gestaltet werden.

Wie viele verschiedene Bedürfnisse hinter dem Hauptbahnhof aufeinanderprallen, offenbarte sich in der anschliessenden Publikumsdiskussion. Michael Güller schlug denn auch ein partizipatives Vorgehen bei der weiteren Neugestaltung vor, in das nicht nur die Stadt und die Grundeigentümer, sondern sämtliche Betroffenen involviert sind. Und Kathrin Hilber wünschte sich «Aufbruch trotz Abbruch».

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