Auf Patrouille statt im Büro

Bald hat es auf der Polizeistation in Abtwil wieder Polizisten. Die versuchte Schliessung geht nächstens zu Ende. Die Kantonspolizei zieht eine positive Bilanz. Gemeindepräsident Boris Tschirky im Grundsatz auch.

Daniel Wirth
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Unbemannte Polizeistation in Abtwil. Doch bereits ab November gilt auch hier wieder: Wo Polizei draufsteht, ist auch Polizei drin. (Bild: Hanspeter Schiess)

Unbemannte Polizeistation in Abtwil. Doch bereits ab November gilt auch hier wieder: Wo Polizei draufsteht, ist auch Polizei drin. (Bild: Hanspeter Schiess)

ABTWIL. Der Versuch wurde im April gestartet. Der Polizeiposten in Abtwil war nicht der einzige im Kanton St. Gallen, der für ungefähr ein halbes Jahr geschlossen wurde; das Gleiche passierte auch in Kaltbrunn.

Grund für den Versuch war die Auswirkung der 24-Stunden-Gesellschaft auf die Arbeit der Polizei, wie Bruno Zanga, Kommandant der Kantonspolizei St. Gallen Mitte März vor dem Start der Testphase gesagt hatte. Heutzutage werden Delikte während der gesamten Woche verübt. Die Arbeitsbelastung der Polizistinnen und Polizisten ist hoch; sie nimmt an Wochenenden noch zu wegen Sportveranstaltungen, Parties und anderen grossen und kleinen Events.

Nicht nur das Protokollieren der Einsätze, auch die neue Strafprozessordnung hat zur Folge, dass Polizistinnen und Polizisten je länger je mehr Arbeiten am Schreibtisch verrichten müssen. Entsprechend sind sie weniger präsent in den Quartieren.

Mehr mobile Polizei

In Abtwil sind normalerweise drei Polizisten stationiert. Momentan ist die Polizeistation in Gossau für Abtwil zuständig. Laut Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei, laufe das Projekt «Kantonspolizei der Zukunft» gut. Aufgrund der Verstärkung der mobilen Polizei entstehe in der Bevölkerung ein «subjektives Sicherheitsgefühl», sagte Krüsi mit Blick auf die Situation in Abtwil. Boris Tschirky, Präsident der Politischen Gemeinde Gaiserwald, stösst bei diesem Punkt ins gleiche Horn wie der Sprecher der Kantonspolizei: «Es ist richtig: die Polizei ist mit Fahrzeugen öfters sichtbar im Dorf als früher.» Allerdings, räumt Tschirky ein, stehe im Gegenzug vor der Polizeistation im Dorf kein Polizeiauto mehr. Allein schon der vor dem Posten abgestellte Wagen habe die Präsenz der Polizei markiert. Reaktionen aus der Bevölkerung auf die temporäre Schliessung des Polizeipostens habe er keine zu Ohren bekommen, sagt Tschirky. Das habe wohl damit zu tun, dass der Polizist, der bisher in Abtwil den Innendienst ausgeübt habe, nun einfach in Gossau den Telefonhörer abnehme, wenn jemand die Nummer des Postens in Abtwil gewählt habe. Tschirky ist gespannt auf die Auswertung der Polizei nach Ende des Versuchs. Für ihn sei es im Moment schwierig, eine Bilanz zu ziehen. Er wünsche sich aber, dass der Posten in Abtwil vor Ort wieder mit Polizisten besetzt werde.

Es gibt auch Unverständnis

Für die Mitarbeiter des Betreibungsamtes oder des Einwohneramtes in Gaiserwald änderten sich die Abläufe in der Zusammenarbeit mit der Polizei, was zu leicht längeren Bearbeitungszeiten führte. Das sei ein Nachteil des Versuchsbetriebes, sagt Andreas Kappler, Gemeinderratsschreiber von Gaiserwald. Wenn Bürgerinnen und Bürger von Mitarbeitenden der Verwaltung jeweils zum Polizeiposten in Gossau verwiesen werden mussten, weil sie den Verlust eines Ausweises oder den Fund eines Portemonnaies melden wollten, sei jeweils eine gewisse Unzufriedenheit spürbar gewesen, sagt Kappler. Grundsätzlich habe die Zusammenarbeit mit der Polizei während des Versuchs bis jetzt gut funktioniert.

Der Polizei ist laut Hanspeter Krüsi wichtig, von der Gemeinde Gaiserwald eine Rückmeldung zum Versuch zu erhalten. Dieser dauert jetzt noch genau einen Monat.