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Auf der historischen Wache

An der Unterstrasse 45 ist gestern ein historischer Polizeiposten eröffnet worden. Dieser zeigt detailgetreu, wie es zwischen 1907 und 1933 im Wachtlokal und in der Zelle aussah. Der Schlafraum beherbergt zudem eine kleine Ausstellung.
Kathrin Reimann
Josef Eberhard von der Interessengemeinschaft Historischer Polizeiposten führte gestern stolz durch die geschichtsträchtigen Räume. (Bild: Daniel Dorrer)

Josef Eberhard von der Interessengemeinschaft Historischer Polizeiposten führte gestern stolz durch die geschichtsträchtigen Räume. (Bild: Daniel Dorrer)

Ein Stehpult mit Akten, eine Underwood-Schreibmaschine, ein Radio aus den 1940er-Jahren und lindengrüne Wände: So sieht es im Wachtlokal des historischen Polizeipostens an der Unterstrasse aus. Gestern wurde der «Neuzugang in der St. Galler Museumslandschaft» offiziell von Stadtrat Nino Cozzio, Kommandant Ralph Hurni und Josef Eberhard von der Interessengemeinschaft Historischer Polizeiposten eröffnet.

IG stieg in die Überhosen

Eberhard, der früher selbst als Stadtpolizist tätig war, hat die Räume, die von 1907 bis 1933 als Posten genutzt wurden, während seiner Recherche zur Geschichte der Stadtpolizei im Jahr 2007 wiederentdeckt. Seither hat er gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Historischer Polizeiposten und unterstützt von städtischen Stellen daran gearbeitet, dem aus einem Wachtlokal, einer Gefängniszelle und einem Schlafraum bestehenden Polizeiposten wieder sein früheres Aussehen zu verleihen. «Die Farbschichten an den Wänden mussten wir fünfmal abtragen, bis wir die Originalfarbe sahen», sagt Eberhard, der weit über 500 Stunden seiner Zeit in die Restaurierung gesteckt hat. Oder wie er sagt: «Wir sind in die Überhosen gestiegen und haben saulang krampfet.» Mit viel Liebe zum Detail wurden historische Gegenstände wie eine Truhe für Fundmaterial, ein Dienstplan aus dem Jahr 1931, alte Heizkörper oder ein Kleiderkasten eines Kommandanten zusammengesucht. In der Untersuchungshaftzelle hängt ausserdem eine Zwangsjacke, und auch der Nachttopf neben der Liege darf nicht fehlen. Sogar an eine Bibel wurde gedacht.

In der Uniform vor dem Posten

«Mein allergrösstes Highlight hängt aber im Kleiderschrank», sagt Eberhard. Dabei handelt es sich um eine guterhaltene Uniform eines 1878 geborenen ehemaligen Stadtpolizisten. «Seine Enkelin hat uns die Uniform, welche er von 1900 bis 1940 getragen hat, vorbeigebracht.» Auf einem Bild sieht man diesen Polizisten, wie er in der Uniform vor dem Aussenposten an der Oberstrasse steht.

Aber auch tragische Relikte sind im alten Polizeiposten, in dem jeweils zwei bis drei Polizisten und ein bis drei Nachtwächter rund um die Uhr arbeiteten, zu sehen. So liegt etwa eine Akte über einen Polizistenmord auf dem Stehpult. «Der Beamte wurde zu einer Intervention ins Linsebüel gerufen und dort erschossen», sagt Eberhard, der diese Dokumente aus dem städtischen Archiv hat. Auf einer Leinwand im Schlafraum werden ausserdem Bilder von spektakulären und weniger spektakulären Autounfällen gezeigt.

Die Motorisierung bescherte denn Beamten aber nicht nur mehr Arbeit; es führte 1933 auch zur Schliessung des Aussenpostens an der Oberstrasse. «Durch die Motorisierung wurde die Stadtpolizei beweglicher, und die Aussenquartiere wurden von der Hauptwache betreut», erklärt Kommandant Ralph Hurni.

Keine Nacht in der Arrestzelle

Trotz der offiziellen Eröffnung, die Arbeit am historischen Polizeiposten ist noch nicht abgeschlossen: «Es gibt noch einige Stücke, nach denen ich suche», sagt Eberhard. Doch noch mehr Zeit in sein Herzensprojekt zu stecken, stört den pensionierten Polizisten keineswegs. «Meine Frau ist froh, wenn ich ihr zu Hause nicht im Weg stehe, und ich fühle mich in diesen Räumen extrem wohl.» Trotzdem, in der Arrestzelle genächtigt hat er bisher nicht. «Das Bett habe ich erst vor wenigen Tagen reingestellt, und ich hätte Angst, dass wenn ich die Türe hinter mir zuziehe, ich tatsächlich nicht mehr raus- komme und eingesperrt bin.»

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