Auf der Gasse und in Gemeinschaft

Öffentliche Feiern, solidarische Anlässe, Weihnachten für Menschen am Rand der Gesellschaft, aber auch Parties, offene Bars oder Pingpong: Über die Festtage finden in der Stadt Anlässe unterschiedlichster Art statt. Eine Auswahl.

Kathrin Reimann
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Die Gassenküche hat über die Festtage geöffnet und offeriert übermorgen ein Weihnachtsessen. (Bild: Beat Belser)

Die Gassenküche hat über die Festtage geöffnet und offeriert übermorgen ein Weihnachtsessen. (Bild: Beat Belser)

Wie einsam und allein es an Weihnachten auf der Strasse sein kann, hat Thomas Feurer am eigenen Leib erlebt. 15 Jahre lang war er drogenabhängig. «Ohne Familie sind die Festtage nur schwer zu ertragen.» Manche würden die harte Zeit gar nicht überstehen und ihrem Leben ein Ende setzen. «Mir war immer klar, dass in St. Gallen ein Angebot über die Festtage fehlt.» Und so rief Feurer vor sechs Jahren, im Namen seines gemeinnützigen Vereins «Endless Life», die Gassenweihnacht ins Leben.

Mehr Gäste an Gassenweihnacht

Übermorgen Freitag, ab 17 Uhr, findet sie auch dieses Jahr am Bohl vor dem Waaghaus statt. Bereits das ganze Jahr über hat Feurer mit seinem Verein und Freiwilligen Sach- und Geldspenden gesammelt, damit genügend Geschenke, Esswaren, Kleider- und Hygieneartikel zusammenkommen. «Denn in St. Gallen herrscht eine viel grössere Drogenproblematik, als immer dargestellt wird.»

Thomas Feurer Organisator Gassenweihnacht (Bild: pd)

Thomas Feurer Organisator Gassenweihnacht (Bild: pd)

Auch die Heilsarmee hilft mit, und sorgt dafür, dass es für jeden eine warme Mahlzeit gibt. «Jedes Jahr kommen mehr Menschen an die Gassenweihnacht, im letzten zählten wir zwischen 150 und 200 Personen», sagt Feurer, der jeweils mit einem Zähler in der Hand am Fest steht und sich seine Gäste genau ansieht. «Für meine Arbeit in der Drogenprävention ist es wichtig, zu wissen, welche neuen Gesichter auf der Gasse verkehren.» Am Anlass könne er mit vielen sprechen, Vertrauen aufbauen und helfen. «Aber es ist auch schön, anderen eine Freude zu bereiten. Wenn Menschen einem um den Hals fallen, weil man ihnen eine gebrauchte Jeans schenkt, dann verliert man seinen Glauben an das Gute nicht», sagt Feurer. Er kann auf 25 bis 30 Helfer zählen, die ihm zur Seite stehen und vorbereiten. «Auch treue Spender haben wir, wie etwa Rohner Magenbrot oder die Peterer Confiserie aus Teufen.»

Raus aus der Isolation

«Was unseren Klienten fehlt, ist nicht der Schnee, sondern Akzeptanz, Geborgenheit und eine Familie», sagt Jürg Niggli, Leiter der Stiftung Suchthilfe. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern versucht er einen Ausgleich zu schaffen und Suchtbetroffene aus der Isolation zu holen. Dazu wurde die Gassenküche dekoriert, übermorgen Freitag findet ein Weihnachtsessen statt mit Speisen, welche ein Restaurant sponsert. «Morgen an Heiligabend haben wir normal geöffnet, am 1. Januar offerieren wir ein kaltes Buffet.» Andere Anlaufstellen der Suchthilfe sind über die Festtag geöffnet.

Durchmischtes Publikum

Auch für Menschen, die nicht am Rande der Gesellschaft leben, ihre Weihnachten aber gerne gemeinsam mit anderen verbringen, gibt es in der Stadt Angebote. «Manchen fliegt in der Stube einfach die Decke auf den Kopf», sagt Christoph Balmer, Koordinator der katholischen Sozialdienste. Andere seien zerstritten oder hätten keine Lust, zu kochen. «Die Gründe, weshalb jemand an unseren Weihnachtsfeiern teilnimmt, sind vielfältig. Dementsprechend bunt der Mix.» So nähmen auch Menschen aus Religionen ohne Weihnachtsbrauch teil. «Und manche melden sich an, kommen aber gar nicht. Ihnen reicht wohl die Gewissheit, dass man nicht alleine feiern muss.»

Ausgebautes Weihnachtsangebot

Einsam muss man aber gar nicht erst sein, um an einer der öffentlichen Feiern teilzunehmen, im Gegenteil, auch Familien und Gruppen seien willkommen. Gemäss Balmer haben der katholische und evangelische Sozialdienst dieses Jahr verschiedene Angebote unter dem Titel «Die Weihnachtstage in Gemeinschaft feiern» organisiert und ihr Angebot damit auch ausgebaut. Diese Anlässe finden von heute bis am 27. Dezember an verschiedenen Orten in der Stadt statt, teilweise ist eine Anmeldung erforderlich. Etwa zu den Feiern mit Essen, die morgen, am Heiligen Abend, im Pfarreiheim St. Martin in Bruggen, im Riethüslitreff, im Pfarreiheim Rotmonten sowie im Domzentrum stattfinden. Alle Informationen dazu findet man unter kathsg.ch.

Auch das Solidaritätsnetz Ostschweiz veranstaltet eine gemeinsame Weihnachtsfeier, sie findet heute, 16 Uhr, im Pfarreiheim Neudorf statt.

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